Fachinformation - Dr. Böhm Johanniskraut select Filmtabletten
1. BEZEICHNUNG DES ARZNEIMITTELS
Dr. Böhm® Johanniskraut select Filmtabletten
2. QUALITATIVE UND QUANTITATIVE ZUSAMMENSETZUNG
1 Filmtablette enthält:
490 mg Trockenextrakt aus Hypericum perforatum L., herba (Johanniskraut) (DEV 4–7:1), Auszugsmittel: Ethanol 57,9% (V/V)
Vollständige Auflistung der sonstigen Bestandteile, siehe Abschnitt 6.1.
3. DARREICHUNGSFORM
Filmtablette
Längliche, rosa, bikonvexe Filmtabletten
4. KLINISCHE ANGABEN
4.1 Anwendungsgebiete
Pflanzliches Arzneimittel zur Behandlung von seelischen Verstimmungszuständen durch beruhigende und ausgleichende Wirkung bei gedrückter Stimmung, Stimmungslabilität, innerer Unruhe, Ängstlichkeit, Spannungszuständen und damit einhergehenden Ein- und Durchschlafstörungen.
Dieses Arzneimittel wird angewendet bei Erwachsenen.
4.2 Dosierung und Art der Anwendung
Dosierung
Erwachsene:
1- mal täglich 1 Filmtablette
Die empfohlene maximale Dosierung von 500 mg (entspricht einer Filmtablette) darf nicht überschritten werden, um das geringe Interaktionspotenzial zu gewährleisten.
Kinder und Jugendliche:
Die Anwendung bei Kindern und Jugendlichen unter 18 Jahren wird aufgrund fehlender Daten nicht empfohlen (siehe Abschnitt 4.4).
Patienten mit eingeschränkter Leber- und Nierenfunktion
Johanniskraut-Extrakte werden seit Jahrzehnten angewendet, und es gibt keine Daten, die auf ein spezifisches Risiko in der Anwendung bei Patienten mit eingeschränkter Leber- und Nierenfunktion hinweisen. Da es jedoch keine systematischen klinischen Studien zum Risiko der Anwendung in dieser Patientengruppe gibt, sollte Dr. Böhm Johanniskraut select von Patienten mit eingeschränkter Leber- und Nierenfunktion mit Vorsicht und nur unter ärztlicher Aufsicht eingenommen werden.
Art der Anwendung
Zum Einnehmen.
Die Filmtablette (entweder morgens oder abends) am besten mit oder nach dem Essen mit etwas Flüssigkeit unzerkaut einnehmen.
Dauer der Anwendung
Da sich die Wirkung von Johanniskraut-Extrakten allmählich aufbaut, sollte Dr. Böhm Johanniskraut select mindestens 14 Tage lang eingenommen werden. Eine Mindesttherapiedauer von 4 bis 6 Wochen wird empfohlen. Eine darüber hinaus gehende Behandlungsdauer sollte nur unter ärztlicher Aufsicht erfolgen.
Wenn sich die Beschwerden verschlimmern oder nach 6 Wochen keine Besserung eintritt, ist ein Arzt aufzusuchen.
4.3 Gegenanzeigen
- Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff oder einen der in Abschnitt 6.1 genannten sonstigen Bestandteile.
- Bekannte Lichtüberempfindlichkeit.
4.4 Besondere Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen für die Anwendung
Vor allfälligen Operationen ist Dr. Böhm Johanniskraut select mindestens 5 Tage vorher abzusetzen und sollte erst nach Rücksprache mit einem Arzt wieder eingenommen werden.
Sehr selten und v.a. bei hellhäutigen Personen kann es nach Einnahme von Johanniskraut-Präparaten und nachfolgender Sonnenlichtbestrahlung zu unerwünschten Reaktionen der Haut (sonnenbrandähnlichen Rötungen) oder der Augen kommen. Beim Auftreten solcher Symptome ist die Behandlung abzubrechen. Unter einer Therapie mit Dr. Böhm Johanniskraut select sollten deshalb Haut und Augen vor einer starken Sonnenexposition geschützt werden.
Kinder und Jugendliche
Die Anwendung bei Kindern und Jugendlichen unter 18 Jahren wird aufgrund fehlender Daten nicht empfohlen.
Dr. Böhm Johanniskraut select enthält Croscarmellose Natrium
Dieses Arzneimittel enthält weniger als 1 mmol Natrium (23 mg) pro Filmtablette, d.h. es ist nahezu „natriumfrei“.
4.5 Wechselwirkungen mit anderen Arzneimitteln und sonstige Wechselwirkungen
Pharmakokinetische Interaktionen
Interaktions-Daten von Johanniskraut-Extrakten mit hohem Hyperforingehalt weisen auf eine Induktion des Cytochrom P450-Systems durch Johanniskraut-Extrakte (besonders CYP3A4) sowie auf eine Induktion von Transportproteinen (P Glycoprotein z.B. bei Digoxin) hin. Dies kann zu einer Abnahme der Plasmakonzentration und zu einer Abschwächung der therapeutischen Wirkung einer Reihe von komedizierten Arzneimitteln sowie - vor allem bei Substanzen mit einer geringen therapeutischen Breite - zu potenziell schwerwiegenden Konsequenzen führen. Für den in Dr. Böhm Johanniskraut select enthaltenen hyperforinarmen Johanniskraut-Extrakt Ze 117 konnte hingegen in 3 klinischen Interaktionsstudien gezeigt werden, dass die Pharmakokinetik von 10 Arzneistoffen, die über das Cytochrom P450 System verstoffwechselt bzw. über P-Glycoprotein transportiert werden, nicht in einer klinisch relevanten Weise verändert wird:
Klinische Interaktionsstudie mit einem Cocktail aus 7 Arzneistoffen zu Cytochrom P450 und zum P-Glycoprotein Transporter:
In einer klinischen Interaktionsstudie mit dem hyperforinarmen Johanniskrautextrakt Ze 117, der in Dr. Böhm Johanniskraut select enthalten ist, wurde bei 20 Probanden der Einfluss auf 7 Arzneistoffe untersucht. Die Verabreichung von Johanniskrautextrakt Ze 117 mit einem Cocktail von Koffein 50 mg (CYP1A2), Bupropion·HCl 75 mg (CYP2B6), Flurbiprofen 10 mg (CYP2C9), Omeprazol 10 mg (CYP2C19), Dextromethorphan 10 mg (CYP2D6), Midazolam 1 mg (CYP3A4) und Fexofenadin 25 mg (P-Glycoprotein) zeigte keine klinisch relevanten Interaktionen in der Pharmakokinetik dieser Substanzen.
Klinische Interaktionsstudien mit hormonalen oralen Kontrazeptiva zu Cytochrom P450:
Eine klinische, nicht kontrollierte Interaktionsstudie mit Ze 117 und einem hormonalen oralen Kontrazeptivum (0,02 mg Ethinylestradiol und 0,15 mg Desogestrel) an 16 gesunden Probandinnen zeigte keinen negativen Einfluss auf die Pharmakokinetik der wirksamen Inhaltsstoffe. Die mittleren relativen Bioverfügbarkeits-Raten von Cmax und AUC waren ca. 10% erhöht nach 14-tägiger Einnahme von Ze 117, die Konfidenzintervalle von Cmax und AUC blieben innerhalb der Äquivalenz-Grenzen von 20%. Die Serumkonzentrationen von Ethinylestradiol und 3-Ketodesogestrel waren äquivalent vor und nach 14-tägiger gleichzeitiger Einnahme von Ze 117 und dem hormonalen oralen Kontrazeptivum.
Klinische Interaktionsstudie mit Digoxin zum P-Glycoprotein Transporter:
In einer randomisierten, doppelblinden Studie wurde in gesunden Probanden der induktive Einfluss von Ze 117 auf den PGP-Transporter untersucht. Es wurde die Pharmakokinetik von Digoxin in 7 Probanden unter Ze 117 und in 10 Probanden unter Placebo geprüft. Die Probanden wurden auf einen Steady-state Digoxin-Talspiegel von 1,0 ng/ mg ± 20% eingestellt und erhielten anschließend während 14 Tagen parallel Digoxin und Ze 117 bzw. Digoxin und Placebo. Die AUC von Digoxin in der Placebo- und Verumgruppe wiesen jedoch keine signifikanten Unterschiede auf (p = 0,1460). Die prozentuale Veränderung des Digoxin-Talspiegels nach 14-tägiger Parallelmedikation gegenüber Baseline von Ze 117 wurde gegen die Veränderung unter Placebo auf Äquivalenz getestet. Der einseitige t-Test lieferte einen p-Wert von 0,05, womit Ze 117 und Placebo in ihrem Einfluss auf den Digoxin-Talspiegel bei einem vorgegebenen Bereich von ± 20% äquivalent sind. Der Vergleich von Ze 117 zu Placebo zeigte keinen signifikanten Unterschied zwischen den Gruppen bezüglich der AUC-Veränderungen.
Potenzielle Interaktionen mit Substanzen, die nicht über die in den 3 genannten Interaktionsstudien untersuchten Wege verstoffwechselt oder transportiert werden, können nicht ausgeschlossen werden.
Pharmakodynamische Interaktionen
Antidepressiva und andere serotonerge Wirkstoffe (wie Buspiron, Amitriptylin, Nortriptylin, Citalopram, Escitalopram, Fluoxetin, Paroxetin, Sertralin, Triptane, Nefazodon, Duloxetin, Venlafaxin, L-Tryptophan, Lithium, Tramadol, Linezolid u.a.).
Johanniskraut-Präparate sollten nur mit Vorsicht und unter regelmäßiger Überwachung zusammen mit Serotonin-Wiederaufnahme-Hemmern oder anderen serotonergen Arzneimitteln eingenommen werden. Sehr selten können - in Kombination mit Serotonin-Wiederaufnahme-Hemmern und anderen serotonergen Wirkstoffen - unerwünschte Wirkungen (Serotoninsyndrom) mit autonomen Dysfunktionen (wie Schwitzen, Tachykardie, Diarrhoe, Fieber), psychischen (wie Agitiertheit, Verwirrtheit) und motorischen Alterationen (wie Tremor, Myoklonien) auftreten. Patienten mit verschreibungspflichtigen Arzneimitteln sind aufgefordert, ihren Arzt oder Apotheker zu konsultieren, bevor sie Dr. Böhm Johanniskraut select einnehmen.
4.6 Fertilität, Schwangerschaft und Stillzeit
Schwangerschaft
Bisher liegen keine oder nur sehr begrenzte Erfahrungen mit der Anwendung von Dr. Böhm Johanniskraut select bei Schwangeren vor. Tierexperimentelle Studien haben eine Reproduktionstoxizität gezeigt (siehe Abschnitt 5.3). Die Anwendung von Dr. Böhm Johanniskraut select während der Schwangerschaft und Stillzeit wird nicht empfohlen.
Stillzeit
Es ist nicht bekannt, ob Inhaltsstoffe von Dr. Böhm Johanniskraut select in die Milch übergehen. Dr. Böhm Johanniskraut select soll während der Stillzeit nicht angewendet werden.
Fertilität
Untersuchungen zur Fertilität liegen nicht vor.
4.7 Auswirkungen auf die Verkehrstüchtigkeit und die Fähigkeit zum Bedienen von Maschinen
Es wurden keine Studien zu den Auswirkungen auf die Verkehrstüchtigkeit und die Fähigkeit zum Bedienen von Maschinen durchgeführt.
Dieses Arzneimittel kann Müdigkeit und Schwindelgefühle verursachen, dies könnte die Verkehrstüchtigkeit oder die Fähigkeit zum Bedienen von Maschinen negativ beeinflussen.
4.8 Nebenwirkungen
Häufigkeit gemäß MedDRA Konvention:
Sehr häufig (≥1/10)
Häufig (≥1/100, <1/10)
Gelegentlich (≥1/1 000, <1/100)
Selten (≥1/10 000, <1/1 000)
Sehr selten (<1/10 000)
Nicht bekannt (Häufigkeit auf Grundlage der verfügbaren Daten nicht abschätzbar)
Psychiatrische Erkrankungen:
Gelegentlich: Unruhe.
Erkrankungen des Nervensystems:
Häufig: Kopfschmerzen.
Gelegentlich: Schwindelgefühl.
Augenerkrankungen:
Nicht bekannt: In der Literatur wurden unerwünschte Reaktionen an den Augen in Zusammenhang mit der Gabe von Johanniskraut-Präparaten bei gleichzeitiger Exposition mit Sonnenlicht gebracht. Im Falle von unerwünschten Reaktionen an den Augen sind die Filmtabletten abzusetzen und die Symptome durch einen Arzt bzw. eine Ärztin abzuklären.
Erkrankungen des Gastrointestinaltrakts:
Häufig: Gastrointestinale Störungen.
Erkrankungen der Haut und des Unterhautgewebes:
Häufig: Hyperhidrosis.
Gelegentlich: allergische Hautreaktionen.
Selten: Lichtempfindlichkeitsreaktion.
Im Falle von unerwünschten Reaktionen auf der Haut sind die Filmtabletten abzusetzen und die Symptome durch einen Arzt bzw. einer Ärztin abzuklären.
Allgemeine Erkrankungen und Beschwerden am Verabreichungsort:
Häufig: Asthenie.
Gelegentlich: Ermüdung.
Meldung des Verdachts auf Nebenwirkungen
Die Meldung des Verdachts auf Nebenwirkungen nach der Zulassung ist von großer Wichtigkeit. Sie ermöglicht eine kontinuierliche Überwachung des Nutzen-Risiko-Verhältnisses des Arzneimittels. Angehörige von Gesundheitsberufen sind aufgefordert, jeden Verdachtsfall einer Nebenwirkung über das nationale Meldesystem anzuzeigen:
Bundesamt für Sicherheit im Gesundheitswesen
Traisengasse 5
1200 WIEN
ÖSTERREICH
Fax: + 43 (0) 50 555 36207
Website: http://www.basg.gv.at/
4.9 Überdosierung
Bisher ist ein Fall einer toxischen Überdosierung bekannt, bei der es zu Krampfanfällen und Verwirrtheit kam. Es ist anzunehmen, dass sich bei einer erheblichen Überdosierung darüber hinaus die oben beschriebenen Nebenwirkungen verstärken. Zudem muss mit einer erhöhten Lichtempfindlichkeit gerechnet werden. In diesem Fall sollte eine Sonneneinstrahlung auf die Haut bzw. die Augen oder sonstige UV-Bestrahlung (Solarium) für ca. 1 bis 2 Wochen gemieden werden.
5. PHARMAKOLOGISCHE EIGENSCHAFTEN
5.1 Pharmakodynamische Eigenschaften
Pharmakotherapeutische Gruppe: Andere Antidepressiva, Hyperici herba
ATC-Code: N06AX25
Wirkmechanismus
Der Wirkungsmechanismus ist noch unklar. Es wird auf Grund von tierexperimentellen Untersuchungen eine Hemmung der Wiederaufnahme der monoaminergen Neurotransmitter Noradrenalin, Serotonin und Dopamin in die präsynaptischen Neuronen diskutiert. Zudem liegen zellexperimentelle Daten einer Down-Regulation von zentralen Beta-Adrenozeptoren vor. Die Wirkung wird auf die Erhöhung der Neurotransmitterkonzentration im synaptischen Spalt, sowie auf die modulierende Wirkung der Neurotransmitter an der postsynaptischen Membran zurückgeführt.
Pharmakodynamische Wirkungen
In zwei klinischen Studien mit je 12 gesunden Probanden wurden die Effekte von Ze 117 auf die Körpertemperatur, auf EEG-Parameter und auf die Pupillen der Probanden untersucht. Die Körpertemperatur wurde nicht durch die Gabe von Ze 117 beeinflusst. Bedeutende Änderungen in EEG-Parametern traten erst nach 28 bzw. 43 Tagen Behandlung auf: Am Tag 28 der Behandlung wurde eine Erhöhung der Amplitude der Delta-Wellen verzeichnet und am Tag 43 eine Erhöhung der Amplitude der Delta- und Theta-Wellen. Diese Veränderungen entsprechen EEG-Mustern, wie sie auch nach Gabe von synthetischen Antidepressiva gefunden werden. Die Amplituden normalisierten sich auf die Ausgangswerte 14 Tage nach Ende der Behandlung. Ein Trend zu mydriatischen Effekten könnte ein Hinweis auf eine zentralnervöse Wirkung von Ze 117 sein.
Klinische Wirksamkeit und Sicherheit
In einer zweiarmigen, doppelblinden, randomisierten placebokontrollierten Multizenterstudie bei 162 Patienten wurden Wirksamkeit und Sicherheit des Wirkstoffes Ze 117 (2 x 250 mg täglich) in der Behandlung von leichter und mittelgradiger depressiver Episoden (ICD 10/F32.0 und F32.1) im Vergleich zu Placebo untersucht. Der HAMD-21-Score (Hamilton Score of Depression) musste zu Beginn der Studie zwischen 16 und 24 Punkten liegen. Dieser verringerte sich in der Verumgruppe (Ze 117; n = 81 Patienten) von ausgehend mittleren 20,13 Punkten (95% Konfidenzintervall (KI): 19,50 – 20,76 Punkte) auf 10,53 Punkte (95% KI: 9,28 – 11,78 Punkte) und in der Placebogruppe (n = 81 Patienten) von ausgehend 18,76 Punkten (95% KI: 17,88 – 19,45 Punkte) auf 17,89 Punkte (95% KI: 16,51 – 19,28 Punkte) (p < 0,0001 für den Unterschied zwischen den Behandlungsgruppen). Die Responderraten lagen bei der Verumgruppe bei 56% und bei der Placebogruppe bei 15%.
Somit zeigt Ze 117 sowohl bezüglich der Abnahme des HAMD Scores als auch bezüglich der Responderrate eine statistisch signifikante und klinisch relevante Überlegenheit gegenüber Placebo. Bezüglich der Sicherheit wies die Ze 117 Gruppe eine vergleichbare Nebenwirkungsrate wie die Placebogruppe auf (Ze 117: n = 6 (7,4%) und Placebo: n = 5 (6,2%)).
In einer zweiarmigen, doppelblinden, randomisierten und kontrollierten Multizenterstudie wurden die Wirksamkeit und Sicherheit von Ze 117 (2 x 250 mg täglich) bei 240 Patienten mit leichten und mittelgradigen depressiven Episoden (ICD 10/F32.0 und F32.1) mit dem SSRI Fluoxetin (20 mg/ Tag) über 6 Wochen verglichen. Der HAMD-21-Score musste zu Beginn der Studie zwischen 16 und 24 Punkten liegen und verringerte sich von fast identischen Ausgangswerten von 19,6 auf 11,5 in der Ze 117 Gruppe (n = 126 Patienten) und von 19,5 auf 12,2 in der Fluoxetin Gruppe (n = 114 Patienten). Damit wies der Ze 117 Extrakt in dieser Studie eine statistisch vergleichbare Wirksamkeit gegenüber Fluoxetin auf (Nicht-Unterlegenheit; p = 0,09). Die Responderraten waren jedoch für die Ze 117 Gruppe signifikant höher mit 60% vs. 40% in der Fluoxetin Gruppe (p = 0,005). Auch das Verträglichkeitsprofil von Ze 117 erwies sich als günstiger als dasjenige von Fluoxetin. So traten in der Ze 117 Gruppe bei 14% der Patienten Nebenwirkungen auf (wovon bei 28% der Fälle ein möglicher Zusammenhang mit der Studienmedikation bestand) gegenüber 25% der Patienten mit Nebenwirkungen in der Fluoxetin Gruppe (mit 72% der Fälle mit möglichem Zusammenhang zur Studienmedikation) (p < 0,01).
In einer weiteren zweiarmigen, randomisierten, doppelblinden Multizenterstudie mit 324 Patienten wurden Wirksamkeit und Sicherheit von Ze 117 (2 x 250 mg täglich; n = 157) in der Behandlung von leichten und mittelgradigen depressiven Episoden (ICD 10/F32.0/1 und F33.0/1) im Vergleich zu dem trizyklischen Antidepressivum Imipramin (150 mg/ Tag; n = 167) untersucht. Ausgehend von nahezu identischen Ausgangswerten von 22,4 Punkten (Ze 117) und 22,1 Punkten (Imipramin), reduzierte sich der HAMD-17-Score (Hamilton Score of Depression) auf 12,0 Punkte (Ze 117) bzw. auf 12,75 Punkte (Imipramin). Damit wies der Ze 117 Extrakt eine statistisch vergleichbare Wirksamkeit gegenüber Imipramin auf (p = 0,20) bei ebenfalls vergleichbaren Responderraten (43% in der Ze 117 Gruppe und 40% in der Imipramin Gruppe).
Bezüglich der Sicherheit wiesen 39% der Patienten in der Ze 117 Gruppe Nebenwirkungen auf gegenüber 63% der Patienten in der Imipramin Gruppe.
5.2 Pharmakokinetische Eigenschaften
Dem derzeitigen Wissensstand entsprechend wird der Gesamtextrakt, ein in seiner Zusammensetzung komplexes System, als Wirkstoff angesehen. Pharmakokinetische Untersuchungen beim Menschen sind bisher nur mit wenigen wirkungsmitbestimmenden Inhaltsstoffen des Johanniskrautextraktes durchgeführt worden. Als solche gelten zur Zeit unter anderem Hypericin und Pseudohypericin.
Resorption
Bei männlichen Probanden konnte bei einer Dosis von 250 mg respektive 500 mg des vorliegenden Johanniskrautextrakts Ze 117 für Hypericin ein Plasmaspitzenspiegel von 0,67 µg/ l, respektive 1,3 µg/ l bei einer tmax von 7,1 h respektive 7,0 h gemessen werden. Bei 250 mg respektive 500 mg Ze 117-Extrakt konnte eine Hypericin-Halbwertszeit von 21,4 h respektive 24,6 h gemessen werden. Detaillierte Informationen zur Bedeutung dieser Werte liegen nicht vor. Weitere Untersuchungen zur Distribution, zum Metabolismus sowie zur Elimination wurden bisher nicht durchgeführt, da die therapierelevanten aktiven Stoffe im Johanniskraut-Extrakt noch nicht eindeutig identifiziert sind.
Verteilung
Es wurden keine Studien durchgeführt.
Biotransformation
Es wurden keine Studien durchgeführt.
Elimination
Es wurden keine Studien durchgeführt.
5.3 Präklinische Daten zur Sicherheit
Studien zur akuten Toxizität und zur Toxizität bei wiederholter Verabreichung zeigten keine Anzeichen für toxische Wirkungen. Die schwach positiven Ergebnisse eines ethanolischen Extraktes im AMES-Test (Salmonella typhimurium TA 98 und TA 100, mit und ohne Stoffwechselaktivierung) konnten Quercetin zugeordnet werden und sind für die Sicherheit im Menschen irrelevant. In weiteren in-vitro- und in-vivo-Testsystemen konnten keine Hinweise auf Mutagenität festgestellt werden. Mehrere Studien zu Extrakten und isolierten Verbindungen aus Hypericum perforatum berichten über in vitro und in vivo Effekte, die die Entwicklung von Föten behandelter Mütter beeinträchtigen könnten. Tests zum kanzerogenen Potential wurden nicht veröffentlicht.
Phototoxizität: Nach oraler Verabreichung von Dosen von 1800 mg eines Extrakts pro Tag über 15 Tage war die Empfindlichkeit der Haut gegenüber UVA erhöht, und die Mindestdosis für die Pigmentierung war deutlich reduziert. In der empfohlenen Dosierung wurden keine Anzeichen von Phototoxizität berichtet.
6. PHARMAZEUTISCHE ANGABEN
6.1 Liste der sonstigen Bestandteile
Mikrokristalline Cellulose
Croscarmellose-Natrium
Hypromellose
Hochdisperses Siliciumdioxid
Magnesiumstearat
Macrogol 6 000
Titandioxid (E 171)
Stearinsäure
Macrogol 20 000
Eisenoxid rot (E 172)
6.2 Inkompatibilitäten
Nicht zutreffend.
6.3 Dauer der Haltbarkeit
3 Jahre
6.4 Besondere Vorsichtsmaßnahmen für die Aufbewahrung
Nicht über 25 ºC lagern. In der Originalverpackung aufbewahren, um den Inhalt vor Licht und Feuchtigkeit zu schützen.
6.5 Art und Inhalt des Behältnisses
PVC/PE/PVdC-Alu Blisterpackung mit 10, 30 oder 60 Filmtabletten.
Es werden möglicherweise nicht alle Packungsgrößen in den Verkehr gebracht.
6.6 Besondere Vorsichtsmaßnahmen für die Beseitigung
Keine besonderen Anforderungen.
7. INHABER DER ZULASSUNG
APOMEDICA Pharmazeutische Produkte GmbH
Roseggerkai 3
8010 Graz
8. ZULASSUNGSNUMMER
Z.Nr.: 142125
9. DATUM DER ERTEILUNG DER ZULASSUNG/VERLÄNGERUNG DER ZULASSUNG
Datum der Erteilung der Zulassung: 22 April 2024
Datum der letzten Verlängerung der Zulassung:
10. STAND DER INFORMATION
01/2026
REZEPTPFLICHT/APOTHEKENPFLICHT
Rezeptfrei, apothekenpflichtig
