Fachinformation - Rocuroniumbromid Aguettant 10 mg/ml Injektionslösung in einer Fertigspritze
1. BEZEICHNUNG DES ARZNEIMITTELS
Rocuroniumbromid Aguettant 10 mg/ml Injektionslösung in einer Fertigspritze
2. QUALITATIVE UND QUANTITATIVE ZUSAMMENSETZUNG
Jeder ml Lösung enthält 10 mg Rocuroniumbromid.
Jede 5 ml-Fertigspritze enthält 50 mg Rocuroniumbromid.
Jede 10 ml-Fertigspritze enthält 100 mg Rocuroniumbromid.
Vollständige Auflistung der sonstigen Bestandteile, siehe Abschnitt 6.1.
3. DARREICHUNGSFORM
Injektionslösung in einer Fertigspritze
Klare, farblose bis blass gelblich-braune Lösung
pH 3,8–4,2
Osmolalität: 270–330 mOsm/kg
4. KLINISCHE ANGABEN
4.1 Anwendungsgebiete
Rocuroniumbromid Aguettant ist bei Erwachsenen und Kindern ab 2 Jahren als Zusatz zur Allgemeinnarkose zur Erleichterung der endotrachealen Intubation während der routinemäßigen Induktion und zur Relaxation der Skelettmuskulatur bei Operationen indiziert.
Bei Erwachsenen wird Rocuroniumbromid Aguettant auch zur Erleichterung der endotrachealen Intubation während der schnellen Induktion sowie als Hilfsmittel in der Intensivmedizin zur Erleichterung der endotrachealen Intubation und künstlichen Beatmung für den kurzfristigen Einsatz angewendet.
4.2 Dosierung und Art der Anwendung
Wie andere neuromuskuläre Blocker darf Rocuroniumbromid Aguettant nur durch oder unter Aufsicht von erfahrenen Ärzten angewendet werden, die mit der Wirkung und Anwendung dieser Arzneimittel vertraut sind.
Wie bei anderen neuromuskulären Blockern muss die Dosierung von Rocuroniumbromid Aguettant individuell für den jeweiligen Patienten bestimmt werden. Bei der Bestimmung der Dosis sind die Art der Anästhesie, die voraussichtliche Operationsdauer, die Art der Sedierung und die voraussichtliche Dauer der künstlichen Beatmung, mögliche Wechselwirkungen mit anderen, gleichzeitig angewendeten Arzneimitteln sowie der Zustand des Patienten zu berücksichtigen.
Die Anwendung einer geeigneten neuromuskulären Überwachungsmethode zur Beurteilung der neuromuskulären Blockade und der Wiederherstellung der Muskelfunktion wird empfohlen. Inhalationsanästhetika verstärken die neuromuskulär blockierende Wirkung von Rocuroniumbromid Aguettant. Diese Potenzierung wird erst im Verlauf der Anästhesie klinisch relevant, wenn die Inhalationsanästhetika die für diese Wechselwirkung notwendige Gewebekonzentrationen erreicht haben. Daher sind bei Eingriffen unter Inhalationsanästhesie, die länger als eine Stunde dauern, geringere Erhaltungsdosen von Rocuroniumbromid Aguettant in größeren Intervallen anzuwenden (siehe Abschnitt 4.5).
Bei Erwachsenen dienen die folgenden Dosierungsempfehlungen als allgemeine Leitlinie für die endotracheale Intubation und Muskelrelaxation bei kurzen bis langen operativen Eingriffen und zur Kurzzeitanwendung in der Intensivmedizin.
Chirurgische Eingriffe
Endotracheale Intubation
- Erwachsene
Die Standard-Intubationsdosis bei einer routinemäßigen Induktion beträgt 0,6 mg/kg Rocuroniumbromid. Diese Dosis führt bei fast allen Patienten innerhalb von 60 Sekunden zu adäquaten Intubationsbedingungen. Zur Erleichterung der endotrachealen Intubation bei einer Blitzeinleitung der Anästhesie wird eine Dosis von 1 mg/kg Rocuroniumbromid empfohlen. Diese Dosis führt ebenfalls bei fast allen Patienten innerhalb von 60 Sekunden zu adäquaten Intubationsbedingungen. Bei einer Dosis von 0,6 mg/kg Rocuroniumbromid zur Blitzeinleitung der Anästhesie wird empfohlen, den Patienten erst 90 Sekunden nach der Verabreichung von Rocuroniumbromid zu intubieren.
- Pädiatrische Patienten
Bei Kindern (≥ 2 Jahre) mit einem Körpergewicht über 10 kg ist die empfohlene Intubationsdosis bei der routinemäßigen Anästhesie ähnlich wie bei Erwachsenen.
Bei Kindern unter 2 Jahren wird Rocuroniumbromid Aguettant nicht empfohlen, da die Skalierung der Fertigspritze für diese Patientengruppe keine genaue Dosierung des Arzneimittels ermöglicht (siehe Abschnitt 6.6). Es sind jedoch andere Rocuronium-Formulierungen erhältlich.
Die Erfahrungen mit Rocuroniumbromid bei einer Blitzeinleitung bei pädiatrischen Patienten sind begrenzt. Daher wird Rocuroniumbromid nicht zur Erleichterung der endotrachealen Intubationsbedingungen bei einer Blitzeinleitung bei pädiatrischen Patienten empfohlen.
Ältere Patienten und Patienten mit Leber- und/oder Gallenwegserkrankung und/oder
Niereninsuffizienz
Die Standard-Intubationsdosis für ältere Patienten und Patienten mit Leber- und/oder Gallenwegserkrankung und/oder Niereninsuffizienz bei einer routinemäßigen Narkoseeinleitung beträgt 0,6 mg/kg Rocuroniumbromid. Zur Blitzeinleitung ist bei Patienten, bei denen eine längere Wirkdauer zu erwarten ist, eine Dosierung von 0,6 mg/kg Rocuroniumbromid in Erwägung zu ziehen. Bei einer Dosis von 0,6 mg/kg Rocuroniumbromid zur Blitzeinleitung der Anästhesie wird empfohlen, den Patienten erst 90 Sekunden nach der Verabreichung von Rocuroniumbromid zu intubieren.
Schwangerschaft und Kaiserschnitt
Schwangerschaft: Da Magnesiumsalze die neuromuskuläre Blockade verstärken, kann die Aufhebung der neuromuskulären Blockade nach Anwendung neuromuskulärer Blocker bei Patientinnen, die aufgrund einer Schwangerschaftstoxikose mit Magnesiumsalzen behandelt werden, verzögert oder unzureichend sein. Daher muss die Rocuroniumbromid-Dosis bei diesen Patientinnen reduziert und entsprechend der Zuckungsreaktion eingestellt werden.
Kaiserschnitt: Eine Dosis von 0,6 mg/kg Rocuroniumbromid hat keinen Einfluss auf den Apgar-Score, den fetalen Muskeltonus und die kardiorespiratorische Anpassung. In Nabelschnurblutproben wurde nachgewiesen, dass nur begrenzte Mengen Rocuroniumbromid die Plazenta durchdringen, die beim Neugeborenen nicht zu Nebenwirkungen führen (siehe Abschnitt 6.6).
Dosierungen von 1 mg/kg wurden bei der Anästhesie-Blitzeinleitung untersucht, nicht jedoch bei Sectio-Patientinnen.
Höhere Dosierungen
Wenn Gründe für die Anwendung einer höheren Dosis vorliegen: Patienten haben Anfangsdosen von bis zu 2 mg/kg Rocuroniumbromid erhalten, ohne dass kardiovaskuläre Nebenwirkungen beobachtet wurden. Die Anwendung einer höheren Dosis verkürzt die Zeit bis zum Wirkungseintritt und verlängert die Wirkdauer (siehe Abschnitt 5.1).
Erhaltungsdosis
- Erwachsene
Die empfohlene Erhaltungsdosis beträgt 0,15 mg/kg Rocuroniumbromid; bei Langzeit-Inhalationsanästhesie ist die Dosis auf 0,075 bis 0,1 mg/kg Rocuroniumbromid zu senken. Die Erhaltungsdosen sind möglichst zu verabreichen, wenn sich die Zuckungsreaktion auf 25% des Kontrollwerts erholt hat oder wenn 2 bis 3 Reaktionen auf eine Train-of-Four-Stimulation (TOF) auftreten.
- Pädiatrische Patienten
Bei Kindern (≥ 12 Jahre) mit einem Körpergewicht über 35 kg sind die empfohlene Intubationsdosis bei der routinemäßigen Anästhesie und die Erhaltungsdosis ähnlich wie bei Erwachsenen.
Für Kinder unter 12 Jahren ist Erhaltungsdosis nicht geeignet, da die Skalierung der Fertigspritze für diese Patientengruppe keine genaue Dosierung des Arzneimittels ermöglicht. Es sind jedoch andere Rocuronium-Formulierungen für die Erhaltungsdosis in dieser Patientengruppe verfügbar.
Ältere Patienten und Patienten mit Leber- und/oder Gallenwegserkrankung und/oder
Niereninsuffizienz
Unabhängig von der verwendeten Anästhesietechnik beträgt die empfohlene Erhaltungsdosis für diese Patienten 0,075 bis 0,1 mg/kg Rocuroniumbromid.
Übergewichtige und adipöse Patienten
Bei der Anwendung bei übergewichtigen oder adipösen Patienten (definiert als Patienten mit einem Körpergewicht, das 30% oder mehr über dem Idealgewicht liegt) ist die Dosis zu reduzieren und auf Grundlage des Idealgewichts zu berechnen.
Kurzzeitanwendung in der Intensivmedizin
Endotracheale Intubation
Für die endotracheale Intubation gelten die gleichen Dosierungsempfehlungen wie für chirurgische Eingriffe.
Besondere Patientengruppen
Rocuroniumbromid Aguettant wird nicht zur Erleichterung der künstlichen Beatmung von pädiatrischen und geriatrischen Patienten empfohlen, da hierzu nicht ausreichend Sicherheits- und Wirksamkeitsdaten vorliegen.
Art der Anwendung
Rocuroniumbromid Aguettant wird intravenös als Bolusinjektion angewendet (siehe Abschnitt 6.6).
4.3 Gegenanzeigen
Überempfindlichkeit gegen Rocuronium oder das Bromid-Ion oder einen der in Abschnitt 6.1 genannten sonstigen Bestandteile.
4.4 Besondere Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen für die Anwendung
Da Rocuroniumbromid eine Lähmung der Atemmuskeln verursacht, müssen Patienten, die diesen Wirkstoff erhalten, künstlich beatmet werden, bis eine ausreichende Spontanatmung wiederhergestellt ist. Wie bei allen Muskelrelaxanzien muss im Vorfeld festgestellt werden, ob Intubationsschwierigkeiten zu erwarten sind. Dies gilt insbesondere bei einer Anwendung zur Blitzeinleitung der Anästhesie. Falls aufgrund von Intubationsschwierigkeiten eine sofortige Aufhebung der Rocuronium-induzierten neuromuskulären Blockade klinisch erforderlich ist, ist die Anwendung von Sugammadex in Erwägung zu ziehen.
Restcurarisierung
Wie bei anderen neuromuskulären Blockern wurde auch bei Anwendung von Rocuroniumbromid von Restcurarisierung berichtet. Zur Vermeidung von Komplikationen infolge von Restcurarisierung wird empfohlen, erst dann zu extubieren, wenn sich der Patient ausreichend von der neuromuskulären Blockade erholt hat. Bei geriatrischen Patienten (≥ 65 Jahre) kann das Risiko einer neuromuskulären Restblockade erhöht sein. Weitere Faktoren, die nach der Extubation postoperativ zu einer Restcurarisierung führen könnten, wie Arzneimittel-Wechselwirkungen oder der Gesundheitszustand des Patienten, sind ebenfalls zu berücksichtigen. Wenn Sugammadex oder ein anderer Antagonist (z.B. ein Acetylcholinesterasehemmer) nicht routinemäßig angewendet wird, ist deren Anwendung in Erwägung zu ziehen. Dies gilt insbesondere, wenn die Wahrscheinlichkeit einer Restcurarisierung hoch ist (siehe Abschnitt 4.9 und 5.1).
Anaphylaxie
Die Anwendung von neuromuskulären Blockern kann anaphylaktische Reaktionen hervorrufen (siehe Abschnitt 4.8). Es sind stets Vorsichtsmaßnahmen zur Behandlung solcher Reaktionen zu treffen. Vor allem bei vorangegangenen anaphylaktischen Reaktionen auf neuromuskuläre Blocker ist äußerste Vorsicht geboten, da von allergischen Kreuzreaktionen zwischen neuromuskulären Blockern berichtet wurde. Da neuromuskuläre Blocker sowohl lokal an der Injektionsstelle als auch systemisch eine Histaminfreisetzung hervorrufen können, ist bei Anwendung dieser Arzneimittel immer die Möglichkeit von Juckreiz und Erythemen an der Injektionsstelle und/oder generalisierten histaminoiden (anaphylaktoiden) Reaktionen in Betracht zu ziehen. In klinischen Studien wurde nach rascher Bolusgabe von 0,3 bis 0,9 mg/kg Rocuroniumbromid nur ein geringfügiger Anstieg des mittleren Plasmahistaminspiegels beobachtet.
Anwendung mit Suxamethonium
Bei Intubation mit Suxamethonium ist Rocuroniumbromid erst anzuwenden, nachdem sich der Patient von der durch Suxamethonium hervorgerufenen neuromuskulären Blockade erholt hat (siehe Abschnitt 4.5).
Da Rocuroniumbromid immer zusammen mit anderen Arzneimitteln eingesetzt wird und in Anbetracht des Risikos einer malignen Hyperthermie während der Anästhesie müssen Ärzte vor Beginn der Anästhesie mit den Frühsymptomen, der Diagnosesicherung und der Behandlung einer malignen Hyperthermie vertraut sein, auch wenn keine Auslösefaktoren bekannt sind.
In tierexperimentellen Studien wurde gezeigt, dass Rocuroniumbromid kein Auslösefaktor für maligne Hyperthermie ist. Im Rahmen der Arzneimittelüberwachung wurden nach Markteinführung seltene Fälle einer malignen Hyperthermie unter Rocuroniumbromid beobachtet; ein kausaler Zusammenhang wurde jedoch nicht nachgewiesen.
Hypertensive Krise bei Patienten mit Phäochromozytom
Nach der Markteinführung wurden bei Patienten mit diagnostiziertem oder latentem Phäochromozytom Fälle von hypertensiver Krise beobachtet, die zeitlich mit der Verabreichung von Rocuronium zusammenhingen. Rocuronium sollte daher bei diesen Patienten mit Vorsicht angewendet werden.
Folgende Erkrankungen können die Pharmakokinetik und/oder Pharmakodynamik von Rocuroniumbromid beeinflussen:
Erkrankungen der Leber und/oder Gallenwege und Niereninsuffizienz
Da Rocuroniumbromid über den Urin und die Galle ausgeschieden wird, ist es bei Patienten mit klinisch signifikanten Leber- und/oder Gallenwegserkrankungen und/oder Niereninsuffizienz mit Vorsicht anzuwenden. Bei diesen Patientengruppen wurde bei Dosierungen von 0,6 mg/kg Rocuroniumbromid eine verlängerte Wirkdauer beobachtet (siehe Abschnitt 4.2).
Verlängerte Zirkulationszeit
Zustände, die mit einer verlängerten Zirkulationszeit einhergehen, wie kardiovaskuläre Erkrankungen, hohes Alter oder Ödeme in Verbindung mit einem größeren Verteilungsvolumen, können den Wirkungseintritt verzögern. Aufgrund der herabgesetzten Plasma-Clearance kann außerdem die Wirkdauer verlängert sein.
Neuromuskuläre Erkrankungen
Wie andere neuromuskuläre Blocker ist auch Rocuroniumbromid bei Patienten mit neuromuskulärer Erkrankung (Myasthenia gravis), muskulären Erkrankungen (Myopathien) oder bei motorischen Folgeerscheinungen (Parese oder Plegie) ohne akuten Unfall (Rückenmarkstrauma, Poliomyelitis, längere Ruhigstellung) nur mit äußerster Vorsicht anzuwenden, da die Reaktion auf neuromuskuläre Blocker in diesen Fällen stark verändert sein kann. Das Ausmaß und die Art dieser Veränderung können erheblich variieren. Bei Patienten mit Myasthenia gravis, myasthenischem Syndrom (Eaton-Lambert) oder Myopathien können kleine Dosen Rocuroniumbromid ausgeprägte Wirkungen haben. Bei Patienten mit motorischen Folgeerscheinungen ist die Sensitivität gegenüber Rocuroniumbromid reduziert (erhöhte Dosen). Rocuroniumbromid ist dann entsprechend der Reaktion zu dosieren.
Hypothermie
Bei Operationen unter kontrollierter Hypothermie ist die neuromuskuläre Blockadewirkung von Rocuroniumbromid verstärkt und die Wirkdauer verlängert.
Adipositas
Wie bei anderen neuromuskulären Blockern kann die Wirkdauer von Rocuroniumbromid und die spontane Erholungszeit bei adipösen Patienten verlängert sein, wenn die Dosis auf Grundlage des tatsächlichen Körpergewichts berechnet wird.
Bei übergewichtigen oder adipösen Patienten (Körpergewicht, das 30% oder mehr über dem Idealgewicht liegt) ist die Dosis auf Grundlage des theoretischen Gewichts zu reduzieren.
Verbrennungen
Patienten mit Verbrennungen können eine Resistenz gegen nichtdepolarisierende Muskelrelaxanzien entwickeln. Es wird empfohlen, entsprechend der Reizantwort zu dosieren.
Zustände, die die Wirkungen von Rocuroniumbromid verstärken können
Hypokaliaemie (z. B. nach starkem Erbrechen, Diarrhö oder Therapie mit Diuretika), Hypermagnesiämie, Hypokalzämie (nach Massivtransfusionen), Hypoproteinämie, Dehydratation, Azidose, Hyperkapnie, Kachexie.
Schwere Störungen im Elektrolythaushalt, ein veränderter Blut-pH-Wert und Dehydratation sind daher nach Möglichkeit vor Verabreichung von Rocuroniumbromid zu korrigieren.
Dieses Arzneimittel enthält weniger als 1 mmol (23 mg) Natrium pro Dosis und ist demnach nahezu „natriumfrei“.
4.5 Wechselwirkungen mit anderen Arzneimitteln und sonstige Wechselwirkungen
Bei folgenden Arzneimitteln wurde ein Einfluss auf die Wirkstärke und/oder Wirkdauer nichtdepolarisierender Muskelrelaxanzien nachgewiesen:
Wirkungssteigerung
Halogenierte volatile Anästhetika verstärken die neuromuskuläre Blockade durch
Rocuroniumbromid. Dieser Effekt ist nur bei Anwendung von Erhaltungsdosen bemerkbar (siehe Abschnitt 4.2). Die Aufhebung der neuromuskulären Blockade durch Acetylcholinesterase-Inhibitoren kann ebenfalls unterdrückt werden.
- Vorherige Verabreichung von Suxamethonium (siehe Abschnitt 4.4)
Andere Arzneimittel:
Antibiotika: Aminoglykoside und Polypeptid-Antibiotika, Lincosamide, Acylaminopenicilline • Diuretika, Chinidin und sein Isomer Chinin, Magnesiumsalze, Kalziumkanalblocker,
Lithiumsalze, Lokalanästhetika (Lidocain i.v., Bupivacain epidural) und akute Anwendung von Phenytoin oder Betablockern
Nach postoperativer Anwendung von Aminoglykosiden, Lincosamiden, Polypeptiden,
Acylaminopenicillinen, Chinidin, Chinin und Magnesiumsalzen kann es zur Recurarisierung kommen (siehe Abschnitt 4.4).
Wirkungsabschwächung
- Vorherige chronische Anwendung von Kortikosteroiden, Phenytoin oder Carbamazepin • Proteaseinhibitoren (Gabexat, Ulinastatin)
- Calciumchlorid, Kaliumchlorid
Unterschiedliche Wirkung
- Die Kombination anderer nichtdepolarisierender Muskelrelaxanzien mit Rocuroniumbromid kann abhängig von der Reihenfolge der Anwendung und vom verabreichten Muskelrelaxans zu einer Verstärkung oder Abschwächung der neuromuskulären Blockade führen. • Die Anwendung von Suxamethonium nach Verabreichung von Rocuroniumbromid kann die neuromuskuläre Blockade von Rocuroniumbromid verstärken oder abschwächen.
Wirkung von Rocuroniumbromid auf andere Arzneimittel
Bei gleichzeitiger Anwendung von Rocuroniumbromid und Lidocain kann die Wirkung von
Lidocain schneller eintreten.
Pädiatrische Patienten
Es wurden keine formalen Wechselwirkungsstudien durchgeführt. Die oben genannten Wechselwirkungen bei Erwachsenen und die besonderen Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen für die Anwendung dieser Arzneimittel (siehe Abschnitt 4.4) sollten auch bei pädiatrischen Patienten beachtet werden.
4.6 Fertilität, Schwangerschaft und Stillzeit
Fertilität
Es sind keine Daten zur Wirkung von Rocuroniumbromid auf die Fertilität verfügbar.
Schwangerschaft
Für Rocuroniumbromid liegen keine klinischen Daten über exponierte Schwangere vor. Tierexperimentelle Studien deuten nicht auf direkte oder indirekte schädliche Auswirkungen auf die Schwangerschaft, embryonale/fetale Entwicklung, Geburt oder postnatale Entwicklung hin. Bei der Anwendung von Rocuroniumbromid in der Schwangerschaft ist Vorsicht geboten.
Kaiserschnitt
Patientinnen, die sich einem Kaiserschnitt unterziehen, können Rocuroniumbromid im Rahmen einer Blitzeinleitung erhalten, sofern keine Intubationsschwierigkeiten erwartet werden und eine ausreichende Dosis eines Anästhetikums angewendet wurde, oder nach einer durch Suxamethonium unterstützten Intubation. Rocuroniumbromid, verabreicht in Dosen von 0,6 mg/kg KG, hat sich bei Sectio-Patientinnen als sicher erwiesen. Rocuroniumbromid beeinflusst den Apgar-Score, den fetalen Muskeltonus und die kardiorespiratorische Anpassung nicht. In Nabelschnurblutproben zeigt sich, dass nur begrenzte Mengen Rocuroniumbromid die Plazenta durchdringen; beim Neugeborenen wurden keine klinischen Nebenwirkungen beobachtet.
Hinweis 1: Dosierungen von 1,0 mg/kg KG wurden bei Anästhesie-Blitzeinleitungen untersucht, aber nicht bei Sectio-Patientinnen. Daher wird für diese Patientengruppe nur eine Dosis von 0,6 mg/kg KG empfohlen.
Hinweis 2: Eine Aufhebung der durch neuromuskuläre Blocker induzierten neuromuskulären Blockade kann bei Patientinnen, die aufgrund einer Schwangerschaftstoxikose Magnesiumsalze erhalten, gehemmt oder unzureichend sein, da Magnesiumsalze die neuromuskuläre Blockade verstärken. Daher muss bei diesen Patientinnen die Rocuronium-Dosis verringert und entsprechend der Reizantwort angepasst werden.
Stillzeit
Es ist nicht bekannt, ob Rocuroniumbromid in die Muttermilch übergeht. In tierexperimentellen Studien fanden sich unbedeutende Mengen von Rocuroniumbromid in der Muttermilch. Rocuroniumbromid ist bei Stillenden nur anzuwenden, wenn der zuständige Arzt der Ansicht ist, dass der Nutzen das Risiko überwiegt. Es wird empfohlen, für einen Zeitraum von fünf Eliminationshalbwertszeiten von Rocuronium, d. h. für etwa 6 Stunden, nicht zu stillen.
4.7 Auswirkungen auf die Verkehrstüchtigkeit und die Fähigkeit zum Bedienen von
Maschinen
Da Rocuroniumbromid bei Allgemeinnarkosen eingesetzt wird, sind bei ambulanten Patienten die nach einer Allgemeinnarkose üblichen Vorsichtsmaßnahmen zu treffen.
4.8 Nebenwirkungen
Die häufigsten Nebenwirkungen sind Schmerzen/Reaktionen an der Injektionsstelle, Veränderungen der Vitalzeichen und eine verlängerte neuromuskuläre Blockade. Die in der Post-Marketing-Phase am häufigsten gemeldeten schwerwiegenden Nebenwirkungen sind „anaphylaktische und anaphylaktoide Reaktionen“ und damit verbundene Symptome. Siehe auch die nachfolgend angeführten Erklärungen unter der Tabelle.
MedDRA Systemorganklasse | Bevorzugte MedDRA-Terminologie1 | ||
Gelegentlich/selten2 (˂1/100 bis ≥1/10.000) | Sehr selten2 (˂1/10.000) | Nicht bekannt2 (Häufigkeit auf Grundlage der verfügbaren Daten nicht abschätzbar) | |
| Erkrankungen des Immunsystems | Überempfindlichkeit Anaphylaktische Reaktion Anaphylaktoide Reaktion Anaphylaktischer Schock Anaphylaktoider Schock | ||
| Erkrankungen des Nervensystems | Schlaffe Lähmung | ||
| Augenerkrankungen | Mydriasis3 Pupillenstarre3 | ||
| Herzerkrankungen | Tachykardie | Kounis-Syndrom | |
| Gefäßerkrankungen | Hypotonie | Kreislaufkollaps und Schock Flush | |
| Erkrankungen der Atemwege, des Brustraums und Mediastinums | Bronchospasmus | ||
Erkrankungen der Haut und des Unterhautgewebes | Angioödem Urtikaria Hautausschlag Erythematöser Hautausschlag | ||
| Skelettmuskulatur-, Bindegewebs- und Knochenerkrankungen | Muskelschwäche | ||
Allgemeine Erkrankungen und Beschwerden am Verabreichungsort | Arzneimittel wirkungslos Arzneimittelwirkung/therapeutische Wirkung abgeschwächt Arzneimittelwirkung/therapeutische Wirkung verstärkt Schmerzen an der Injektionsstelle Reaktion an der Injektionsstelle | Gesichtsödem | |
Verletzung, Vergiftung und durch Eingriffe bedingte Komplikationen | Neuromuskulärer Block verlängert Verzögerte Erholung von der Narkose | Atemwegkomplikation bei der Narkose |
1 Die Häufigkeiten wurden basierend auf Post-Marketing-Berichten und Literaturangaben geschätzt. 2 Die Postmarketingdaten können keine genauen Zahlen zur Häufigkeit liefern. Daher gibt es statt fünf nur zwei Häufigkeitskategorien.
3 In Zusammenhang mit einer möglichen Erhöhung der Durchlässigkeit oder Beeinträchtigung der Integrität der Blut-Hirn-Schranke (BHS).
Gruppeneffekte
Anaphylaktische Reaktionen
Schwere anaphylaktische Reaktionen auf Muskelrelaxanzien einschließlich Rocuroniumbromid sind sehr selten, wurden aber berichtet. Die anaphylaktischen/anaphylaktoiden Reaktionen umfassen unter anderem Symptome wie Bronchospasmus, kardiovaskuläre Veränderungen (z. B. Hypotonie, Tachykardie, Kreislaufkollaps und -schock) und Veränderungen der Haut (z. B. Angioödem, Urtikaria). Diese Reaktionen waren in einigen Fällen tödlich. Da die Reaktionen sehr schwerwiegend sein können, muss immer mit dem Auftreten gerechnet und die nötigen Vorsichtsmaßnahmen getroffen werden (siehe auch Abschnitt 4.4).
Histaminfreisetzung und histaminoide Reaktionen
Da neuromuskuläre Blocker sowohl lokal an der Injektionsstelle als auch systemisch eine Histaminfreisetzung hervorrufen können, ist bei Anwendung dieser Arzneimittel immer die Möglichkeit in Betracht zu ziehen, dass Juckreiz und erythematöse Reaktionen an der Injektionsstelle und/oder generalisierte histaminoide (anaphylaktoide) Reaktionen auftreten können (siehe auch „Anaphylaktische Reaktionen“ oben).
In klinischen Studien wurde nach rascher Bolusgabe von 0,3 bis 0,9 mg/kg Rocuroniumbromid nur ein geringfügiger Anstieg des mittleren Plasmahistaminspiegels beobachtet.
In Berichten nach der Markteinführung wurden Überempfindlichkeitsreaktionen sowohl gegen Rocuronium als auch gegen den Rocuronium-Sugammadex-Komplex beobachtet.
Verlängerte neuromuskuläre Blockade
Die häufigste Nebenwirkung nichtdepolarisierender Muskelrelaxanzien ist die Verlängerung der pharmakologischen Wirkung des Arzneimittels über die benötigte Zeitspanne hinaus. Sie kann von einer Skelettmuskelschwäche bis hin zu einer starken und langanhaltenden Skelettmuskellähmung mit Ateminsuffizienz oder Apnoe reichen.
Lokale Reaktionen an der Injektionsstelle
Während der Blitzeinleitung der Anästhesie wurden Schmerzen bei der Injektion gemeldet, vor allem, wenn der Patient noch nicht vollständig das Bewusstsein verloren hatte, und insbesondere, wenn Propofol bei der Einleitung angewendet wurde. In klinischen Studien wurden bei 16% der Patienten, die einer Blitzeinleitung mit Propofol unterzogen wurden, und bei weniger als 0,5% der Patienten mit einer Blitzeinleitung mit Fentanyl und Thiopental, Schmerzen bei der Injektion beobachtet.
Pädiatrische Patienten
Eine Metaanalyse von elf klinischen Studien an pädiatrischen Patienten (n=704) mit Rocuroniumbromid (bis zu 1 mg/kg) zeigte, dass Tachykardie mit einer Häufigkeit von 1,4% als Nebenwirkung auftrat.
Meldung des Verdachts auf Nebenwirkungen
Die Meldung des Verdachts auf Nebenwirkungen nach der Zulassung ist von großer Wichtigkeit. Sie ermöglicht eine kontinuierliche Überwachung des Nutzen-Risiko-Verhältnisses des Arzneimittels. Angehörige von Gesundheitsberufen sind aufgefordert, jeden Verdachtsfall einer Nebenwirkung über das
Bundesamt für Sicherheit im Gesundheitswesen
Traisengasse 5
1200 WIEN
ÖSTERREICH
Fax: + 43 (0) 50 555 36207
Website: http://www.basg.gv.at/
anzuzeigen.
4.9 Überdosierung
Im Falle einer Überdosierung und verlängerten neuromuskulären Blockade muss der Patient künstlich weiterbeatmet und sediert werden. Es bestehen zwei Möglichkeiten zur Aufhebung der neuromuskulären Blockade: (1) Bei Erwachsenen kann Sugammadex zur Aufhebung einer intensiven (profunden) und tiefen neuromuskulären Blockade angewendet werden. Die zu verabreichende Dosis von Sugammadex hängt von der Tiefe der neuromuskulären Blockade ab.
(2) Es kann ein Acetylcholinesterase-Inhibitor (z. B. Neostigmin, Edrophonium, Pyridostigmin) oder Sugammadex in korrekter Dosierung angewendet werden, sobald die Spontanerholung einsetzt. Die Anwendung wird durch Daten gestützt, die durch die instrumentelle Überwachung der Curarisierung ermittelt werden, insbesondere das Vorhandensein von vier eindeutigen Reaktionen des M. adductor des Daumens nach Train-of-Four-Stimulation. Falls trotz der Verabreichung eines Acetylcholinesterase-Inhibitors die neuromuskulären Wirkungen von Rocuroniumbromid nicht aufgehoben werden, muss die Beatmung fortgesetzt werden, bis die Spontanatmung wieder einsetzt. Wiederholte Anwendungen von Acetylcholinesterase-Inhibitoren können gefährlich sein.
In tierexperimentellen Studien trat eine schwere Störung der Herz-Kreislauf-Funktion, die schließlich zu Herzversagen führte, erst dann ein, wenn kumulative Dosen von 750×ED90 (135 mg/kg Rocuroniumbromid) gegeben wurden.
5. PHARMAKOLOGISCHE EIGENSCHAFTEN
5.1 Pharmakodynamische Eigenschaften
Pharmakotherapeutische Gruppe: Muskelrelaxanzien, peripher wirkende Mittel, andere quartäre Ammoniumverbindungen; ATC-Code: M03A C09
Wirkmechanismus
Rocuroniumbromid Aguettant (Rocuroniumbromid) ist ein nicht-depolarisierender neuromuskulärer Blocker mit raschem Wirkungseintritt, der alle typischen pharmakologischen Eigenschaften dieser Arzneimittel-Stoffgruppe aufweist (curarewirksame Gruppe). Es hat eine kompetitive Wirkung im Bereich der cholinergen Nikotinrezeptoren an der motorischen Endplatte. Diese Wirkung wird durch Acetylcholinesterasehemmer wie Neostigmin, Edrophonium und Pyridostigmin antagonisiert.
Pharmakodynamische Eigenschaften
Die ED90 (die erforderliche Dosis, um eine Reizantwort des Daumens nach Stimulation des Nervus ulnaris zu 90% zu unterdrücken) bei intravenöser Anästhesie liegt bei ungefähr 0,3 mg/kg Rocuroniumbromid. Die ED95 ist bei Kleinkindern niedriger als bei Erwachsenen und Kindern (0,25, 0,35 bzw. 0,40 mg/kg).
Die klinische Wirkdauer (Zeit bis zur Spontanerholung auf 25% der initialen Reizantwort) beträgt bei 0,6 mg/kg Rocuroniumbromid 30 bis 40 Minuten. Die Gesamtwirkdauer (Zeitraum bis zur Spontanerholung auf 90% der initialen Reizantwort) beläuft sich auf 50 Minuten. Die mittlere Dauer der Spontanerholung der Reizantwort von 25 auf 75% (Erholungsindex) liegt nach einer Bolusdosis von 0,6 mg/kg Rocuroniumbromid bei 14 Minuten. Bei niedrigeren Dosen von 0,3 bis 0,45 mg/kg Rocuroniumbromid (1–1,5 × ED90) ist die Zeit bis zum Wirkungseintritt verzögert und die Wirkdauer verkürzt. Bei hohen Dosen von 2 mg/kg beträgt die Wirkdauer 110 Minuten.
Intubation bei routinemäßiger Anästhesie
Innerhalb von 60 Sekunden nach intravenöser Gabe von 0,6 mg/kg Rocuroniumbromid (2 × ED90 unter intravenöser Anästhesie) bestehen bei fast allen Patienten geeignete Bedingungen für die Intubation; bei 80% sind die Intubationsbedingungen ausgezeichnet. Innerhalb von 2 Minuten ist eine für alle Anwendungsgebiete ausreichende allgemeine Muskelrelaxation erreicht. Nach Verabreichung von 0,45 mg/kg Rocuroniumbromid bestehen nach 90 Sekunden akzeptable Bedingungen für die Intubation.
Blitzeinleitung
Bei einer Blitzeinleitung der Anästhesie mit Propofol oder Fentanyl/Thiopental wurden nach Verabreichung einer Dosis von 1,0 mg/kg Rocuroniumbromid bei 93% bzw. 96% der Patienten innerhalb von 60 Sekunden geeignete Intubationsbedingungen festgestellt.
Bei 70% dieser Patienten werden die Bedingungen als ausgezeichnet eingestuft. Die klinische Wirkdauer beträgt mit dieser Dosis bis zu eine Stunde; im Anschluss kann die neuromuskuläre Blockade sicher antagonisiert werden. Bei einer Dosis von 0,6 mg/kg Rocuroniumbromid wurden bei gleichzeitiger Anwendung von Propofol oder Fentanyl/Thiopental geeignete Intubationsbedingungen innerhalb von 60 Sekunden bei 81% bzw. bei 75% der Patienten erreicht.
Pädiatrische Patienten
Bei Säuglingen, Kleinkindern und Kindern ist die mittlere Zeit bis zum Wirkungseintritt bei einer Intubationsdosis von 0,6 mg/kg geringfügig kürzer als bei Erwachsenen. Ein Vergleich der pädiatrischen Altersgruppen zeigte, dass die mittlere Zeit bis zum Wirkungseintritt bei Neugeborenen und Jugendlichen (1,0 Minuten) etwas länger ist als bei Säuglingen, Kleinkindern und Kindern (0,4, 0,6 bzw. 0,8 Minuten).
Die Dauer der Blockade und die Zeit bis zur Erholung sind bei Kindern in der Regel kürzer als bei Säuglingen und Erwachsenen. Ein Vergleich der pädiatrischen Altersgruppen zeigte, dass die mittlere Zeit bis zum Wiedererlangen von T3 bei Neugeborenen und Säuglingen (56,7 bzw. 60,7 Minuten) im Vergleich zu Kleinkindern, Kindern und Jugendlichen (45,4, 37,6 bzw. 42,9 Minuten) verlängert war.
Mittlere Zeit bis zum Wirkungseintritt (Standardabweichung) und klinische Wirkdauer nach initialer Intubationsdosis* mit 0,6 mg/kg Rocuronium unter Anästhesierung mit Sevofluran/Lachgas und Isofluran/Lachgas (zur Erhaltung), nach Altersgruppe (pädiatrische Patienten)
Zeit bis zur maximalen Blockade* (Min.) | Zeit bis zum Wiedererlangen von T3** (Min.) | |
| Neugeborene (0–27 Tage) n=10 | 0,98 (0,62) | 56,69 (37,04) n=9 |
Säuglinge (28 Tage – 2 Monate) n=11 | 0,44 (0,19) n=10 | 60,71 (16,52) |
| Kleinkinder (3–23 Monate) n=28 | 0,59 (0,27) | 45,46 (12,94) n=27 |
| Kinder (2–11 Jahre) n=34 | 0,84 (0,29) | 37,58 (11,82) |
| Jugendliche (12–17 Jahre) n=31 | 0,98 (0,38) | 42,90 (15,83) n=30 |
* Verabreichung der Rocuronium-Dosis innerhalb von 5 Sekunden ** Berechnet ab Ende der Verabreichung der Rocuronium-Intubationsdosis
Ältere Patienten und Patienten mit Leber- und/oder Gallenwegserkrankung und/oder Niereninsuffizienz Bei geriatrischen Patienten und bei Patienten mit Leber- und/oder Nierenerkrankungen ist die Wirkdauer nach Erhaltungsdosen von 0,15 mg/kg Rocuroniumbromid unter Enfluran- oder Isofluran-Narkose etwas länger (ungefähr 20 Minuten) als bei Patienten ohne Beeinträchtigung von exkretorischen Organfunktionen unter intravenöser Anästhesie (ungefähr 13 Minuten) (siehe Abschnitt 4.2). Ein kumulativer Effekt (progressiver Anstieg der Wirkungsdauer) bei wiederholter Erhaltungsdosis in der empfohlenen Höhe wurde nicht beobachtet.
Intensivmedizinische Behandlung
Nach Dauerinfusion auf der Intensivstation hängt der Zeitraum bis zur Erholung des Train-of-Four-Verhältnisses auf 0,7 von der Tiefe der Blockade am Ende der Infusion ab. Nach einer Dauerinfusion über 20 Stunden oder länger beträgt die mediane Zeit (Range) zwischen der Wiederkehr von T2 der Train-of-Four-Stimulation und der Erholung des Train-of-Four-Verhältnisses auf 0,7 ungefähr 1,5 (1–
- 5) Stunden bei Patienten ohne multiples Organversagen und 4 (1–25) Stunden bei Patienten mit multiplem Organversagen.
Kardiovaskuläre Operationen
Bei Patienten, die einer kardiovaskulären Operation unterzogen werden sollen, treten die häufigsten kardiovaskulären Veränderungen bei Eintritt der maximalen Blockade nach 0,6 bis 0,9 mg/kg Rocuroniumbromid auf. Diese Veränderungen umfassen eine leichte, klinisch unbedeutende Zunahme der Herzfrequenz um bis zu 9% und einen Anstieg des mittleren arteriellen Blutdrucks um bis zu 16% gegenüber den Kontrollwerten.
Aufhebung der neuromuskulären Blockade
Die Wirkung von Rocuroniumbromid kann entweder durch Sugammadex oder durch Acetylcholinesterase-Inhibitoren (Neostigmin, Pyridostigmin oder Edrophonium) aufgehoben werden. Sugammadex kann für eine routinemäßige Aufhebung (bei 1 bis 2 posttetanischen Counts bis zum Wiederauftreten von T2) oder für eine sofortige Aufhebung (3 Minuten nach Verabreichung von Rocuroniumbromid) verabreicht werden. Acetylcholinesterase-Inhibitoren können bei Wiederauftreten von T2 oder bei den ersten Anzeichen einer klinischen Erholung verabreicht werden.
5.2 Pharmakokinetische Eigenschaften
Nach intravenöser Injektion einer einzelnen Bolusdosis von Rocuroniumbromid erfolgt der zeitliche Verlauf der Plasmakonzentration in drei exponentiellen Phasen. Bei Erwachsenen beträgt die mittlere (95% Konfidenzintervall) Eliminations-Halbwertzeit 73 (66–80) Minuten, das (offensichtliche) Verteilungsvolumen unter Steady-State-Bedingungen liegt bei 203 (193–214) ml/kg und die Plasma-Clearance beträgt 3,7 (3,5–3,9) ml/kg/min.
Rocuronium wird im Urin und mit der Galle ausgeschieden. Die Exkretion im Urin erreicht innerhalb von 12 bis 24 Stunden 40%. Nach Injektion einer radioaktiv markierten Dosis von Rocuroniumbromid betrug die Exkretion der markierten Substanz im Durchschnitt 47% im Urin und 43% in den Faeces nach 9 Tagen. Ungefähr 50% werden als unverändertes Rocuronium aufgefunden.
Pädiatrische Patienten
Die Pharmakokinetik von Rocuroniumbromid bei pädiatrischen Patienten (n=146) im Alter von 0 bis 17 Jahren wurde mittels einer Populationsanalyse der gepoolten pharmakokinetischen Daten von zwei klinischen Studien unter Narkose mit Sevofluran (Einleitung) und Isofluran/Lachgas (Aufrechterhaltung) ermittelt. Alle pharmakokinetischen Parameter verhielten sich linear proportional zum Körpergewicht, was sich in der über alle Altersgruppen gleichen Clearance (l/h/kg) widerspiegelt. Das Verteilungsvolumen im Steady State (l/kg) und die Eliminationshalbwertszeit (h) nehmen mit dem Alter (Jahre) ab. Die pharmakokinetischen Parameter typischer pädiatrischer Patienten aller Altersgruppen sind im Folgenden zusammengefasst:
Geschätzte pharmakokinetische Parameter (Mittelwerte [Standardabweichung]) von Rocuroniumbromid bei typischen pädiatrischen Patienten unter Anästhesierung mit Sevofluran/Lachgas (zur Induktion) und Isofluran/Lachgas (zur Erhaltung)
| Pharmakokinetische Parameter | Patienten-Altersklasse | ||||
| Reifgeborene (0–27 Tage) | Säuglinge (28 Tage – 2 Monate) | Kleinkinder (3– 23 Monate) | Kinder (2–11 Jahre) | Jugendliche (12– 17 Jahre) | |
| Cl (l/kg/h) | 0,31 (0,07) | 0,30 (0,08) | 0,33 (0,10) | 0,35 (0,09) | 0,29 (0,14) |
| Verteilungsvolumen (l/kg) | 0,42 (0,06) | 0,31 (0,03) | 0,23 (0,03) | 0,18 (0,02) | 0,18 (0,01) |
| t1/2 β (h) | 1,1 (0,2) | 0,9 (0,3) | 0,8 (0,2) | 0,7 (0,2) | 0,8 (0,3) |
Ältere Patienten und Patienten mit Leber- und/oder Gallenwegserkrankung und/oder Niereninsuffizienz In kontrollierten Studien war die Plasma-Clearance bei geriatrischen Patienten und Patienten mit Niereninsuffizienz verringert, in den meisten Studien allerdings ohne statistische Signifikanz. Bei Patienten mit Leberinsuffizienz ist die mittlere Eliminationshalbwertzeit um 30 Minuten verlängert und die mittlere Plasma-Clearance um 1 ml/kg/min verringert (siehe Abschnitt 4.2).
Intensivmedizinische Behandlung
Nach Anwendung als Dauerinfusion zur Erleichterung der künstlichen Beatmung über einen Zeitraum von 20 Stunden oder länger sind die mittlere Eliminationshalbwertzeit und das mittlere (offensichtliche) Verteilungsvolumen im Steady State erhöht. In kontrollierten klinischen Studien zeigte sich abhängig von Art und Ausmaß des (multiplen) Organversagens und Patientenzustand eine starke Variabilität zwischen den Patienten. Bei Patienten mit Multiorganversagen lag die mittlere (±SD) Eliminationshalbwertzeit bei 21,5 (±3,3) Stunden, das (offensichtliche) Verteilungsvolumen im Steady State bei 1,5 (±0,8) l/kg und die Plasma-Clearance bei 2,1 (±0,8) ml/kg/min.
5.3 Präklinische Daten zur Sicherheit
Präklinische Effekte wurden nur nach Expositionen beobachtet, die ausreichend über der maximalen humantherapeutischen Exposition lagen. Die Relevanz für den Menschen wird als gering bewertet.
Es steht kein geeignetes Tiermodell zur Verfügung, das die äußerst komplexe klinische Situation bei Intensivpatienten widerspiegelt. Daher basiert die Sicherheit von Rocuroniumbromid Aguettant zur Erleichterung der künstlichen Beatmung in der Intensivmedizin hauptsächlich auf den Ergebnissen klinischer Prüfungen.
6. PHARMAZEUTISCHE ANGABEN
6.1 Liste der sonstigen Bestandteile
Natriumacetat-Trihydrat (E 262)
Natriumchlorid
Essigsäure (zur pH-Wert-Einstellung) (E 260)
Wasser für Injektionszwecke
6.2 Inkompatibilitäten
Rocuroniumbromid ist physikalisch inkompatibel mit Lösungen der folgenden Arzneimittel: Amphotericin, Amoxicillin, Azathioprin, Cefazolin, Cloxacillin, Dexamethason, Diazepam, Enoximon, Erythromycin, Famotidin, Furosemid, Hydrocortison-Natriumsuccinat, Insulin, Methohexital, Methylprednisolon, Prednisolon-Natriumsuccinat, Thiopental, Trimethoprim und Vancomycin. Rocuroniumbromid ist außerdem inkompatibel mit Intralipid.
6.3 Dauer der Haltbarkeit
3 Jahre.
Nach dem Öffnen ist das Arzneimittel sofort anzuwenden.
Dieses Arzneimittel kann bei Temperaturen bis 30 °C für einen Zeitraum von maximal 12 Wochen gelagert werden. In jedem Fall ist das Arzneimittel 12 Wochen nach Entnahme aus dem Kühlschrank zu verwerfen.
6.4 Besondere Vorsichtsmaßnahmen für die Aufbewahrung
Im Kühlschrank lagern (2 °C–8 °C). Nicht einfrieren.
Für Aufbewahrungsbedingungen nach dem ersten Öffnen des Arzneimittels, siehe Abschnitt 6.3.
6.5 Art und Inhalt des Behältnisses
5 oder 10 ml Injektionslösung in einer Fertigspritze (Polypropylen), mit Kolbenstopfen (Chlorobutyl), ohne Nadel, mit selbstklebendem transparentem Etikett mit Graduierung (graduiert in 0,2 ml Schritten von 0 bis 5 oder 10 ml). Eine Endkappe (Polypropylen) schützt die Spitze der Spritze. Die Fertigspritze ist einzeln in eine transparente Blisterpackung verpackt.
Erhältlich in Umkartons mit je 10 Fertigspritzen.
6.6 Besondere Vorsichtsmaßnahmen für die Beseitigung und sonstige Hinweise zur
Handhabung
Anwendungshinweise:
Bereiten Sie die Spritze sorgfältig wie folgt vor:
Diese Fertigspritze ist nur zur Anwendung an einem Patienten bestimmt. Spritze nach der Anwendung verwerfen. Nicht wiederverwenden.
Der Inhalt der ungeöffneten und unbeschädigten Blisterpackung ist steril, und die Blisterpackung darf erst geöffnet werden, wenn die Spritze angewendet werden soll.
Das Arzneimittel ist vor Verabreichung optisch auf Partikel und Verfärbungen überprüft werden. Nur klare, farblose bis blass gelblich-braune Lösungen, die frei von Partikeln und Ablagerungen sind, sind anzuwenden.
Das Arzneimittel darf nicht angewendet werden, wenn das Sicherheitssiegel der Spritze gebrochen ist. Sie dürfen dieses Arzneimittel nicht anwenden, wenn Sie sichtbare Anzeichen von Beschädigung bemerken.
Die Außenfläche der Spritze ist steril, bis die Blisterpackung geöffnet wird. Die Blisterpackung darf nicht vor der Anwendung geöffnet werden.
Bei Handhabung mit einer aseptischen Methode kann das Arzneimittel nach der Entnahme aus der Blisterpackung auf eine sterile Fläche gelegt werden.
Das zu verabreichende Volumen ist gemäß der geeigneten Dosierung zu bestimmen. Die Fertigspritze eignet sich nicht für die präzise Verabreichung des Arzneimittels an Kinder unter 2 Jahren (siehe Abschnitt 4.2).
- 1)
Entfernen Sie die sterile Fertigspritze aus der Blisterpackung.
- 2) Drücken Sie auf den Kolben, um den Stopfen zu lösen. Der Sterilisationsprozess kann ein Festkleben des Stopfens an dem Körper der Fertigspritze verursacht haben.
- 3) Drehen Sie die Verschlusskappe ab, um die Versiegelung aufzubrechen. Berühren Sie nicht den freiliegenden Luer-Anschluss, um eine Kontamination zu vermeiden.
- 4) Überprüfen Sie, ob der Verschluss der Spritze vollständig entfernt wurde. Sollte dies nicht der Fall sein, setzen Sie die Kappe wieder auf und drehen Sie erneut.
- 5) Entfernen Sie die Luft, indem Sie sanft auf den Kolben drücken.
- 6) Verbinden Sie die Spritze über ein Luer-/Luer-Lock-System mit dem Gefäßzugang. Drücken Sie langsam den Kolben, um das gewünschte Volumen zu injizieren. Verabreichen Sie das Arzneimittel über die geeignete Art der Anwendung.
Die Fertigspritze eignet sich nicht für die Anwendung mit Spritzenpumpen. Die Fertigspritze ist ein gebrauchsfertiges Arzneimittel und nicht für die Verdünnung in einem Infusionsbeutel geeignet. Wenn eine Spritze beschädigt ist oder die sterilen Bedingungen nicht eingehalten wurden, darf die Spritze nicht verwendet werden.
Nicht verwendetes Arzneimittel oder Abfallmaterial ist entsprechend den nationalen Anforderungen zu beseitigen
7. INHABER DER ZULASSUNG
Laboratoire Aguettant
1 Rue Alexander Fleming
69007 Lyon
Frankreich
8. ZULASSUNGSNUMMER
Z.Nr.: 141747
9. DATUM DER ERTEILUNG DER ZULASSUNG/VERLÄNGERUNG DER ZULASSUNG
Datum der Erteilung der Zulassung: 31/07/2023
10. STAND DER INFORMATION
08/2026
REZEPTPFLICHT / APOTHEKENPFLICHT
Rezept- und apothekenpflichtig, wiederholte Abgabe verboten.
