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Novanaest purum 2% Ampullen – Fachinformation

Status des Medikaments: Rezeptpflichtig Details

Stärke des Medikaments:
2 %
Enthält den Wirkstoff:
ATC-Gruppe:
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Fachinformation - Novanaest purum 2% - Ampullen

1. Stimulation

– ZNS: Periorale Missempfindungen, Gefühl der tauben Zunge, Unruhe, Delirium, Krämpfe (tonisch-klonisch).

– Kardiovaskulär: Herzfrequenz erhöht, Blutdruck erhöht, Rötung der Haut.

2. Depression

– ZNS: Koma, Atemstillstand.

– Kardiovaskulär: Pulse nicht tastbar, Blässe, Herzstillstand.

Patienten mit einer beginnenden Lokalanästhetika-Intoxikation fallen zunächst durch exzitatorische Symptome auf. Sie werden unruhig, klagen über Schwindel, akustische und visuelle Störungen sowie Kribbeln, vor allem an Zunge und Lippenbereich. Die Sprache ist verwaschen, Schüttelfrost und Muskelzuckungen sind Vorboten eines drohenden generalisierten Krampfanfalls. Subkonvulsive Plasmaspiegel von Procainhydrochlorid führen oft auch zu Schläfrigkeit und Sedierung der Patienten. Die Krampfanfälle sind zuerst von klonisch-tonischer Form. Bei fortschreitender ZNS-Intoxikation kommt es zu einer zunehmenden Funktionsstörung des Hirnstammes mit den Symptomen Atemdepression und Koma bis hin zum Tod.

Ein Blutdruckabfall ist häufig das erste Zeichen eines toxischen Effekts auf das kardiovaskuläre System. Die Hypotension wird hauptsächlich durch eine Hemmung bzw. Blockade der kardialen Reizleitung verursacht. Die toxischen Wirkungen sind jedoch klinisch von relativ untergeordneter Bedeutung.

Notfallmaßnahmen und Gegenmittel

Bei Auftreten zentraler oder kardiovaskulärer Symptome einer Intoxikation sind folgende Gegenmaßnahmen erforderlich:

– Sofortige Unterbrechung der Zufuhr von Procain.

– Freihalten der Atemwege.

– Zusätzlich Sauerstoff zuführen; falls notwendig mit reinem Sauerstoff assistiert oder kontrolliert beatmen.

– Sorgfältige Kontrolle von Blutdruck, Puls und Pupillenweiten.

Diese Maßnahmen gelten auch für den Fall einer akzidentellen totalen Spinalanästhesie, deren erste Anzeichen Unruhe, Flüsterstimme und Schläfrigkeit sind; letztere kann in Bewusstlosigkeit und Atemstillstand übergehen.

Weitere mögliche Gegenmaßnahmen sind:

– Bei einem akuten und bedrohlichen Blutdruckabfall sollte unverzüglich eine Flachlagerung des Patienten, mit einer Hochlagerung der Beine erfolgen und ein Beta-Sympathomimetikum langsam intravenös injiziert werden. Zusätzlich ist eine Volumensubstitution vorzunehmen (z. B. mit kristalloiden Lösungen).

– Bei erhöhtem Vagotonus (Bradykardie) wird Atropin (0,5 bis 1,0 mg i.v.) verabreicht.

– Bei Verdacht auf Herzstillstand sind die erforderlichen Maßnahmen der Reanimation durchzuführen.

– Konvulsionen werden mit Diazepam (Richtwert 0,1 mg/kg KG) i.v. behandelt.

Zentral wirkende Analeptika sind kontraindiziert bei Intoxikation durch Lokalanästhetika!

5. PHARMAKOLO­GISCHE EIGENSCHAFTEN

5.1 Pharmakody­namische Eigenschaften

Pharmakothera­peutische Gruppe: Lokalanästhetika, Aminobenzoesäu­reester

ATC-Code: N01BA02

Procain ist ein Lokalanästhetikum vom Ester-Typ. Der Wirkungseintritt ist unter anderem abhängig von der Dosis sowie von der Art und vom Ort der Anwendung und beträgt ca. 2 – 10 Minuten. Die Wirkung dauert 1 bis 2 Stunden an.

Procain hat eine große therapeutische Breite. Es hebt im niedrigen Dosierungsbereich die Erregbarkeit der sensiblen Nervenfasern auf, ohne dass die motorischen Funktionen ausfallen. Als Folge davon wird die Schmerzempfindung vorübergehend ausgeschaltet. Die lokalanästhetische Wirkung beruht auf einer Hemmung des Na+ -Einstromes an den Nervenfasern.

Neben der Schmerzempfindung wird die Empfindung für Kälte bzw. Wärme, für Berührung und Druck herabgesetzt.

Procain wirkt außerdem antiarrhythmisch und tonussenkend an der glatten Muskulatur. Es zeigt zusätzlich eine schwache antihistaminerge und parasympatholy­tische Wirkung.

Das Präparat enthält keinen Vasokonstriktor und ist nicht für die Anwendung in der Zahnheilkunde geeignet.

5.2 Pharmakoki­netische Eigenschaften

Resorption:

Die Absorptionsrate ist abhängig von der Dosis, vom Verabreichungsweg und von der Vaskularität des Injektionsortes.

Maximale Plasmakonzentra­tionen von Procain werden 10–45 Minuten nach subkutaner oder intramuskulärer Injektion erreicht.

Verteilung:

Die Plasmaeiweißbindung beträgt etwa 6 %. Der Verteilungsko­effizient (Lipid/Wasser) beträgt 0,6 und das Verteilungsvolumen im Steady-state 65 l. Procain passiert ab einer Konzentration von 4 mg/kg KG die Plazenta.

Angaben zum Medikament Novanaest purum 2% - Ampullen

Was diese Angaben bedeuten

Abgabe?
Rezeptpflichtig?
  • Dieses Medikament ist rezeptpflichtig: Sie bekommen es nur mit einem ärztlichen Rezept. Bei einmaliger Abgabe gilt das Rezept für eine Abgabe, außer die Ärztin oder der Arzt ordnet die wiederholte Abgabe ausdrücklich an. Bei wiederholter Abgabe darf die Apotheke das Medikament noch bis zu fünfmal abgeben, wenn auf dem Rezept nichts anderes steht.
  • Arzneimittel zur wiederholten Abgabe gegen ärztliche Verschreibung
Abgabestelle? Apotheke
Wirkstoff? Procain hydrochlorid
Darreichungsform? Injektionslösung
ATC-Klassifikation?
  1. N Nervensystem
    1. N01 Anästhetika
      1. N01B Lokalanästhetika
        1. N01BA Ester der Aminobenzoesäure
          1. N01BA02 Procain
Zulassung (Z.Nr.)? 17968; seit 30.03.1984
Inverkehrbringen? keine Einstellung gemeldet
Zulassungsinhaber? Gebro Pharma GmbH, Bahnhofbichl 13, 6391 Fieberbrunn, Österreich

Quelle: BASG – Medikamente Info Austria, Daten vom 27.10.2026. Angaben ohne Gewähr – fragen Sie Ihre Ärztin, Ihren Arzt oder Ihre Apotheke um Rat.