Fachinformation - Rocuroniumbromid Accord 10 mg/ml Injektionslösung in einer Fertigspritze
1. BEZEICHNUNG DES ARZNEIMITTELS
Rocuroniumbromid Accord 10 mg/ml Injektionslösung in einer Fertigspritze
2. QUALITATIVE UND QUANTITATIVE ZUSAMMENSETZUNG
Jeder ml Injektionslösung enthält 10 mg Rocuroniumbromid.
Jede 5 ml Fertigspritze enthält 50 mg Rocuroniumbromid.
Jede 10 ml Fertigspritze enthält 100 mg Rocuroniumbromid.
Sonstiger Bestandteil mit bekannter Wirkung:
Dieses Arzneimittel enthält weniger als 1 mmol Natrium (23 mg) pro 1 ml (10 mg) Dosis, d. h. es ist nahezu „natriumfrei“.
Vollständige Auflistung der sonstigen Bestandteile, siehe Abschnitt 6.1.
3. DARREICHUNGSFORM
Injektionslösung in einer Fertigspritze.
Klare, farblose bis blass bräunlich gelbe Lösung, frei von sichtbaren Fremdpartikeln. Der pH-Wert der Lösung beträgt 3,8 bis 4,2.
Die Osmolalität beträgt 260 mOsmol/kg bis 320 mOsmol/kg.
4. KLINISCHE ANGABEN
4.1 Anwendungsgebiete
Rocuroniumbromid Accord ist indiziert zur Anwendung bei Erwachsenen und Kindern ab 2 Jahren als Zusatz zur Vollnarkose zur Erleichterung der trachealen Intubation während der Routineeinleitung und zur allgemeinen Relaxation der Skelettmuskulatur während operativer Eingriffe.
Bei Erwachsenen kann Rocuroniumbromid Accord auch zur Erleichterung der trachealen Intubation bei der Blitzeinleitung und als Zusatztherapie in der Intensivmedizin (z. B. zur Erleichterung der trachealen Intubation) für den kurzfristigen Gebrauch angewendet werden.
4.2 Dosierung und Art der Anwendung
Wie andere neuromuskuläre Blocker darf Rocuroniumbromid Accord nur von erfahrenen Ärzten, die mit der Wirkung und Anwendung dieser Arzneimittel vertraut sind, oder unter deren Aufsicht, verabreicht werden.
Wie bei anderen neuromuskulären Blockern ist die Dosis von Rocuroniumbromid Accord auf jeden Patienten individuell abzustimmen. Bei Festlegung der Dosis sind die Art der Narkose, die voraussichtliche Dauer des operativen Eingriffs, die Art der Sedierung und die erwartete Dauer der künstlichen Beatmung, die möglichen Wechselwirkungen mit anderen, gleichzeitig angewendeten Arzneimitteln und der Zustand des Patienten zu berücksichtigen.
Die Anwendung einer geeigneten neuromuskulären Überwachungsmethode zur Beurteilung der neuromuskulären Blockade und der Wiederherstellung der Muskelfunktion wird empfohlen.
Inhalationsanästhetika verstärken, die von Rocuroniumbromid Accord induzierte, neuromuskuläre Blockade. Diese Wirkungsverstärkung wird im Narkoseverlauf klinisch relevant, wenn die Inhalationsanästhetika im Gewebe die für diese Wechselwirkung notwendige Konzentration erreicht haben. Demzufolge sind im Verlauf lang dauernder Eingriffe (länger als eine Stunde) unter Inhalationsanästhesie kleinere Erhaltungsdosen von Rocuroniumbromid Accord in größeren Abständen anzuwenden (siehe Abschnitt 4.5).
Für Erwachsene dienen die folgenden Dosierungsempfehlungen als allgemeine Richtlinie für die tracheale Intubation und Muskelrelaxation bei kurzen bis langen operativen Eingriffen und zur Kurzzeitanwendung in der Intensivmedizin.
Operative Eingriffe
Tracheale Intubation:
Erwachsene
Die Standard-Intubationsdosis bei einer routinemäßigen Anästhesie beträgt 0,6 mg/kg Rocuroniumbromid, wonach bei fast allen Patienten innerhalb von 60 Sekunden angemessene Intubationsbedingungen erreicht werden. Zur Erleichterung der trachealen Intubation bei der Blitzeinleitung wird eine Dosis von 1,0 mg/kg Rocuroniumbromid empfohlen, wonach bei fast allen Patienten innerhalb von 60 Sekunden angemessene Intubationsbedingungen erreicht werden. Wenn eine Dosis von 0,6 mg/kg Rocuroniumbromid zur Blitzeinleitung verabreicht wird, wird empfohlen, den Patienten erst 90 Sekunden nach Verabreichung von Rocuroniumbromid zu intubieren.
Kinder und Jugendliche
Für Kinder (≥ 2 Jahre) über 10 kg Körpergewicht ist die empfohlene Intubationsdosis bei der routinemäßigen Anästhesie ähnlich wie bei Erwachsenen.
Rocuroniumbromid Accord ist nicht bei Kindern unter 2 Jahre anzuwenden, da die Skalierung der Fertigspritze eine genaue Verabreichung des Arzneimittels in dieser Bevölkerungsgruppe nicht zulassen. Es sind zwei Spritzen mit unterschiedlichen Skalierungen erhältlich (siehe Abschnitt 6.5). Es stehen jedoch auch andere Rocuronium-Darreichungsformen zur Anwendung zur Verfügung.
Die Erfahrung mit der Anwendung von Rocuroniumbromid zur Blitzeinleitung bei pädiatrischen Patienten ist begrenzt. Rocuroniumbromid wird daher nicht zur Erleichterung der trachealen Intubation bei der Blitzeinleitung pädiatrischer Patienten empfohlen.
Geriatrische Patienten und Patienten mit Erkrankungen der Leber und/oder der Gallenwege und/oder Niereninsuffizienz
Die Standard-Intubationsdosis für geriatrische Patienten und Patienten mit Leber- und/oder Gallenwegserkrankungen und/oder Niereninsuffizienz während einer routinemäßigen Anästhesie beträgt 0,6 mg/kg Rocuroniumbromid. Zur Blitzeinleitung ist bei Patienten, bei denen eine längere Wirkdauer zu erwarten ist, eine Dosierung von 0,6 mg/kg Rocuroniumbromid in Erwägung zu ziehen. Wenn eine Dosis von 0,6 mg/kg Rocuroniumbromid zur Blitzeinleitung verabreicht wird, wird empfohlen, den Patienten erst 90 Sekunden nach Verabreichung von Rocuroniumbromid zu intubieren.
Schwangerschaft und Kaiserschnitt
Schwangere: Da Magnesiumsalze die neuromuskuläre Blockade verstärken, kann die Aufhebung der neuromuskulären Blockade nach Verabreichung neuromuskulärer Blocker bei Patientinnen, die wegen einer Schwangerschaftstoxämie mit Magnesiumsalzen behandelt werden, verzögert oder unzureichend sein. Die Dosierung von Rocuroniumbromid ist daher bei diesen Patientinnen zu reduzieren und entsprechend der erzielten Reizantwort zu titrierten.
Kaiserschnitt: Dosen von 0,6 mg/kg Rocuroniumbromid haben keinen Einfluss auf den Apgar-Score, den fetalen Muskeltonus oder die kardiorespiratorische Adaptation. In Nabelschnurblutproben wurde nachgewiesen, dass nur begrenzte Mengen von Rocuroniumbromid die Plazenta passieren, die beim Neugeborenen nicht zu klinischen unerwünschten Wirkungen führen (siehe Abschnitt 4.6).
Dosierungen von 1 mg/kg wurden bei einer Blitzeinleitung der Anästhesie untersucht, jedoch nicht bei Patienten, die sich einem Kaiserschnitt unterziehen.
Höhere Dosierung
Wenn Gründe für die Anwendung einer höheren Dosis vorliegen: Patienten haben Anfangsdosen von bis zu 2 mg/kg Rocuroniumbromid erhalten, ohne dass kardiovaskuläre Nebenwirkungen beobachtet wurden. Die Anwendung einer höheren Dosis verkürzt die Zeit bis zum Wirkungseintritt und verlängert die Wirkdauer (siehe Abschnitt 5.1).
Erhaltungsdosis
Erwachsene
Die empfohlene Erhaltungsdosis beträgt 0,15 mg/kg Rocuroniumbromid. Bei lang dauernder Inhalationsanästhesie ist die Erhaltungsdosis auf 0,075–0,1 mg/kg Rocuroniumbromid zu senken. Die Erhaltungsdosen sind möglichst zu verabreichen, wenn die Reizantwort wieder 25 % des initialen Kontrollwertes erreicht hat, oder wenn 2 bis 3 Reizantworten auf eine Vierfach (TOF)-Stimulation vorhanden sind.
Kinder und Jugendliche
Für Kinder (≥ 12 Jahre) über 35 kg Körpergewicht sind die empfohlene Intubationsdosis bei der routinemäßigen Anästhesie und die Erhaltungsdosis ähnlich wie bei Erwachsenen.
Eine Erhaltungsdosis ist für Kinder unter 12 Jahren nicht geeignet, da die Skalierung der Fertigspritze eine genaue Verabreichung des Arzneimittels in dieser Bevölkerungsgruppe nicht zulassen. Es sind zwei Spritzen mit unterschiedlichen Skalierungen erhältlich (siehe Abschnitt 6.5). Es stehen jedoch auch andere Rocuronium-Darreichungsformen zur Anwendung zur Verfügung.
Geriatrische Patienten und Patienten mit Erkrankungen der Leber und/oder der Gallenwege und/oder Niereninsuffizienz
Ungeachtet der verwendeten Anästhesietechnik beträgt die empfohlene Erhaltungsdosis für diese Patienten 0,075-0,1 mg/kg Rocuroniumbromid.
Übergewichtige und adipöse Patienten
Bei übergewichtigen oder adipösen Patienten (definiert als Patienten mit einem Körpergewicht von 30 % oder mehr über dem Idealgewicht) ist die Dosis zu reduzieren und auf Grundlage des Idealgewichts zu berechnen.
Kurzzeitige Anwendung in der Intensivmedizin
Tracheale Intubation
Bei der trachealen Intubation gelten die gleichen Dosierempfehlungen wie für operative Eingriffe. Spezielle Patientengruppen
Aufgrund fehlender Daten zu Sicherheit und Wirksamkeit wird Rocuroniumbromid Accord zur Erleichterung der künstlichen Beatmung bei pädiatrischen und geriatrischen Patienten in der Intensivmedizin nicht empfohlen.
Art der Anwendung
Rocuroniumbromid Accord wird intravenös als Bolusinjektion verabreicht (siehe Abschnitt 6.6) Der Anwender sollte die unterschiedlichen Skalierungen der beiden verfügbaren Fertigspritzen kennen (Skaleneinteilungen je 0,1 ml für die 5-ml-Spritze und Skaleneinteilungen je 0,2 ml für die 10-ml-Spritze).
4.3 Gegenanzeigen
Überempfindlichkeit gegen Rocuronium oder das Bromid-Ion oder einen der in Abschnitt 6.1 genannten sonstigen Bestandteile.
4.4 Besondere Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen für die Anwendung
Da Rocuroniumbromid eine Lähmung der Atemmuskulatur hervorruft, ist bei Patienten, die dieses Arzneimittel erhalten, eine künstliche Beatmung unerlässlich, bis wieder eine ausreichende Spontanatmung eingetreten ist. Wie bei allen Muskelrelaxanzien ist es wichtig im Vorfeld, zu erwartende Intubationsschwierigkeiten, insbesondere bei einer Blitzeinleitung der Anästhesie, einzukalkulieren. Bei Intubationsschwierigkeiten mit der klinischen Notwendigkeit einer sofortigen Aufhebung der durch Rocuronium induzierten neuromuskulären Blockade ist die Anwendung von Sugammadex in Erwägung zu ziehen.
Restcurarisierung
Wie bei anderen neuromuskulären Blockern wurde auch bei Anwendung von Rocuroniumbromid über Restcurarisierung berichtet. Zur Vermeidung von Komplikationen infolge von Restcurarisierung wird empfohlen, erst dann zu extubieren, wenn sich der Patient ausreichend von der neuromuskulären Blockade erholt hat. Bei geriatrischen Patienten (≥ 65 Jahre) kann das Risiko einer neuromuskulären Restblockade erhöht sein. Weitere Faktoren, die eine Restcurarisierung nach Extubation in der postoperativen Phase (wie Wechselwirkung mit anderen Arzneimitteln oder der Zustand des Patienten) bewirken können, sind ebenfalls zu berücksichtigen. Falls nicht routinemäßig angewendet, ist der Einsatz von Sugammadex oder eines anderen Antagonisten (z. B. ein Acetylcholinesterase-Hemmer) vor allem für jene Fälle Erwägung zu ziehen, in denen das Auftreten einer Restcurarisierung wahrscheinlich ist (siehe Abschnitt 4.9 und 5.1).
Anaphylaxie
Nach Verabreichung von neuromuskulären Blockern können anaphylaktische Reaktionen auftreten (siehe Abschnitt 4.8). Es sind stets Vorkehrungen zur Behandlung solcher Reaktionen zu treffen. Besonders in Fällen früher aufgetretener anaphylaktischer Reaktionen auf neuromuskuläre Blocker sind spezielle Vorsichtsmaßnahme zu treffen, da über allergene Kreuzreaktionen zwischen neuromuskulären Blockern berichtet wurde. Da bekannt ist, dass neuromuskuläre Blocker die Freisetzung von Histamin sowohl lokal an der Injektionsstelle als auch systemisch bewirken können, ist bei der Verabreichung dieser Arzneimittel stets das Auftreten von Juckreiz und Erythemen an der Injektionsstelle und/oder systemischen histaminoiden (anaphylaktoiden) Reaktionen in Betracht zu ziehen. In klinischen Studien wurde nach rascher Verabreichung einer Bolusdosis von 0,3 - 0,9 mg/kg Rocuroniumbromid nur ein leichter Anstieg der mittleren Histaminplasmaspiegel beobachtet.
Anwendung mit Suxamethonium
Wird zur Intubation Suxamethonium angewendet, ist Rocuroniumbromid erst anzuwenden, wenn sich der Patient von der durch Suxamethonium hervorgerufenen neuromuskulären Blockade erholt hat (siehe Abschnitt 4.5).
Maligne Hyperthermie
Da Rocuroniumbromid immer zusammen mit anderen Arzneimitteln eingesetzt wird und in Anbetracht des Risikos einer malignen Hyperthermie während der Anästhesie, müssen die Ärzte auch bei fehlenden bekannten Auslösefaktoren vor Beginn der Anästhesie mit den Frühsymptomen, der Diagnosesicherung und der Behandlung einer malignen Hyperthermie vertraut sein. Tierversuche haben gezeigt, dass Rocuroniumbromid kein Auslösefaktor für maligne Hyperthermie ist. Im Rahmen der Arzneimittelüberwachung wurden nach Markteinführung seltene Fälle einer malignen Hyperthermie unter Rocuroniumbromid beobachtet, ein kausaler Zusammenhang wurde jedoch nicht nachgewiesen.
Hypertensive Krise bei Patienten mit Phäochromozytom
Nach der Markteinführung wurden bei Patienten mit diagnostiziertem oder latentem Phäochromozytom Fälle von hypertensiver Krise beobachtet, die zeitlich mit der Verabreichung von Rocuronium zusammenhingen. Rocuronium sollte daher bei diesen Patienten mit Vorsicht angewendet werden.
Folgende Zustände können die Pharmakokinetik und/oder Pharmakodynamik von Rocuroniumbromid beeinflussen
Erkrankungen der Leber und/oder der Gallenwege und Niereninsuffizienz
Da Rocuroniumbromid im Urin und über die Galle ausgeschieden wird, ist es bei Patienten mit klinisch signifikanten Leber- und/oder Gallenwegserkrankungen und/oder Niereninsuffizienz mit Vorsicht anzuwenden. Bei diesen Patientengruppen wurde eine verlängerte Wirkungsdauer mit Dosen von 0,6 mg/kg Rocuroniumbromid beobachtet (siehe Abschnitt 4.2).
Verlängerte Kreislaufzeit
Zustände, die mit einer verlängerten Kreislaufzeit einhergehen wie etwa kardiovaskuläre Erkrankungen, hohes Alter oder Ödemstatus mit einem vergrößerten Verteilungsvolumen, können zu einem verlangsamten Wirkungseintritt beitragen. Bedingt durch die herabgesetzte Plasmaclearance kann auch die Wirkungsdauer verlängert sein.
Neuromuskuläre Erkrankungen
Wie andere neuromuskuläre Blocker ist Rocuroniumbromid bei Patienten mit neuromuskulärer Erkrankung (Myasthenia gravis), muskulärer Erkrankungen (Myopathien) oder bei Vorliegen motorischer Folgeerscheinungen (Parese, Plegie) nach einem akuten Unfall (Rückenmarkstrauma, Poliomyelitis, längere Immobilisierung) nur mit äußerster Vorsicht anzuwenden, da diese Patienten auf neuromuskuläre Blocker verändert reagieren können. Das Ausmaß und die Art dieser Reaktion können erheblich variieren. Bei Patienten mit Myasthenia gravis oder mit myasthenischem Syndrom (Eaton-Lambert) oder Myopathien können kleine Dosen Rocuroniumbromid eine starke Wirkung hervorrufen. Bei Patienten mit motorischen Folgeerscheinungen kommt es zu einer Abnahme der Empfindlichkeit von Rocuroniumbromid (höhere Dosen). Daher ist Rocuroniumbromid bei diesen Patienten entsprechend der Reizantwort zu dosieren.
Hypothermie
Bei Operationen unter Hypothermie ist die neuromuskuläre Blockade von Rocuroniumbromid verstärkt und die Wirkungsdauer verlängert.
Adipositas
Wie bei anderen neuromuskulären Blockern kann es unter Rocuroniumbromid bei adipösen Patienten zu einer Verlängerung der Wirkung und der Spontanerholung kommen, wenn die Dosis basierend auf dem tatsächlichen Körpergewicht berechnet wird.
Bei übergewichtigen oder adipösen Patienten (definiert als Patienten mit einem Körpergewicht von 30 % oder mehr über dem Idealgewicht) sind die Dosen auf Basis des Idealgewichts zu reduzieren.
Verbrennungen
Patienten mit Verbrennungen können eine Resistenz gegen nicht-depolarisierende Muskelrelaxanzien entwickeln. Es wird empfohlen, entsprechend der Reizantwort zu dosieren.
Zustände, die die Wirkungen von Rocuroniumbromid steigern können
Hypokaliämie (z. B. nach starkem Erbrechen, Diarrhoe und Therapie mit Diuretika), Hypermagnesiämie, Hypokalzämie (nach Massivtransfusionen), Hypoproteinämie, Dehydratation, Azidose, Hyperkapnie, Kachexie.
Schwere Störungen im Elektrolythaushalt, veränderter Blut-pH-Wert oder Dehydratation sind daher, sofern möglich, vor der Verabreichung von Rocuroniumbromid zu korrigiert.
Natrium
Dieses Arzneimittel enthält weniger als 1 mmol Natrium (23 mg) pro 1 ml (10 mg) Dosis, d. h. es ist nahezu „natriumfrei“.
4.5 Wechselwirkungen mit anderen Arzneimitteln und sonstige Wechselwirkungen
Von folgenden Arzneimitteln wurde ein Einfluss auf Wirkungsstärke und/oder Wirkungsdauer nicht-depolarisierender Muskelrelaxanzien nachgewiesen.
Wirkungssteigerung
Halogenierte Inhalationsanästhetika verstärken die neuromuskuläre Blockade von
Rocuroniumbromid. Dieser Effekt macht sich nur bei Verwendung von Erhaltungsdosen bemerkbar (siehe Abschnitt 4.2). Auch die Aufhebung der neuromuskulären Blockade durch Acetylcholinesterase-Inhibitoren könnte unterdrückt werden.
- Nach Intubation unter Verwendung von Suxamethonium (siehe Abschnitt 4.4).
Andere Arzneimittel:
Antibiotika: Aminoglykoside und Polypeptid-Antibiotika, Lincosamide und Acylamino-
Penicilline.
Diuretika, Chinidin und sein Isomer Chinin, Magnesiumsalze, Kalziumkanalblocker,
Lithiumsalze, Lokalanästhetika (Lidocain intravenös, Bupivacain epidural) und kurzfristige Verabreichung von Phenytoin und Betablockern.
Nach postoperativer Verabreichung von Aminoglykosiden, Lincosamiden, Polypeptiden, Acylamino-Penicillin Antibiotika, Chinidin, Chinin und Magnesiumsalzen wurde über Recurarisierung berichtet (siehe Abschnitt 4.4).
Wirkungsabschwächung
- Vorherige chronische Verabreichung von Corticosteroiden, Phenytoin oder Carbamazepin. • Proteaseinhibitoren (Gabexat, Ulinastatin).
- Calciumchlorid, Kaliumchlorid
Unterschiedliche Wirkung
Die Verabreichung anderer nicht-depolarisierender Muskelrelaxanzien zusammen mit
Rocuroniumbromid kann zu einer Abschwächung oder Verstärkung der neuromuskulären Blockade führen, je nachdem in welcher Reihenfolge verabreicht und welches Muskelrelaxanz verwendet wird.
- Die Gabe von Suxamethonium nach der Verabreichung von Rocuroniumbromid kann die neuromuskuläre Blockade durch Rocuroniumbromid verstärken oder abschwächen.
Wirkung von Rocuroniumbromid auf andere Arzneimittel
Eine Kombination von Rocuroniumbromid mit Lidocain kann zu einem schnelleren
Wirkungseintritt von Lidocain führen.
Kinder und Jugendliche
Es wurden keine speziellen Wechselwirkungsstudien durchgeführt. Die oben genannten Wechselwirkungen bei Erwachsenen und die besonderen Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen für dieses Arzneimittel (siehe Abschnitt 4.4) sollten auch bei pädiatrischen Patienten beachtet werden.
4.6 Fertilität, Schwangerschaft und Stillzeit
Fertilität
Es liegen keine Daten über die Auswirkungen von Rocuroniumbromid auf die Fertilität vor.
Schwangerschaft
Für Rocuroniumbromid liegen keine klinischen Daten über exponierte Schwangerschaften vor. Tierexperimentelle Studien ergaben keine Hinweise auf eine direkte oder indirekte gesundheitsschädliche Wirkung auf die Schwangerschaft, embryonale/fetale Entwicklung, Geburt oder postnatale Entwicklung.
Bei der Anwendung von Rocuroniumbromid an schwangeren Frauen ist Vorsicht geboten.
Kaiserschnitt
Bei Patientinnen mit Kaiserschnitt kann Rocuroniumbromid als Teil der Blitzeinleitungstechnik angewandt werden, sofern keine Intubationsschwierigkeiten zu erwarten sind und eine ausreichend hohe Anästhetikadosis verabreicht wurde, oder nach einer mit Suxamethonium durchgeführten Intubation. Rocuroniumbromid verabreicht in Dosen von 0,6 mg/kg hat sich bei Gebärenden, bei denen ein Kaiserschnitt durchgeführt wird, als sicher erwiesen. Rocuroniumbromid beeinflusst weder den Apgarwert, noch den Muskeltonus des Feten, noch seine kardiorespiratorische Umstellung. Die Untersuchung von Blut aus den Umbilicalgefäßen hat gezeigt, dass die plazentare Passage von Rocuroniumbromid sehr gering ist und nicht ausreicht, um beim Neugeborenen unerwünschte klinische Wirkungen hervorzurufen.
Hinweis 1: Dosen von 1,0 mg/kg Rocuroniumbromid wurden während der Blitzeinleitung der Anästhesie untersucht, nicht aber bei Patientinnen mit Kaiserschnitt. Aus diesem Grund wird für diese Patientengruppe nur eine Dosis von 0,6 mg/kg empfohlen.
Hinweis 2: Die Aufhebung der durch neuromuskuläre Blocker induzierten neuromuskulären Blockade kann bei Patientinnen, die aufgrund einer Schwangerschaftstoxikose Magnesiumsalze erhalten, gehemmt oder unbefriedigend sein, da Magnesiumsalze die neuromuskuläre Blockade verstärken. Deshalb muss bei diesen Patientinnen die Rocuroniumbromid Dosis verringert und entsprechend der Reizantwort eingestellt werden.
Stillzeit
Es ist nicht bekannt, ob Rocuroniumbromid in die Muttermilch übergeht. In Tierstudien fanden sich unbedeutende Mengen von Rocuroniumbromid in der Muttermilch.
Rocuroniumbromid ist bei stillenden Frauen nur anzuwenden, wenn der behandelnde Arzt der Ansicht ist, dass der Nutzen das Risiko überwiegt. Es wird empfohlen für einen Zeitraum von fünf Eliminationshalbwertszeiten von Rocuronium, d. h. für etwa 6 Stunden, nicht zu stillen.
4.7 Auswirkungen auf die Verkehrstüchtigkeit und die Fähigkeit zum Bedienen von
Maschinen
Da Rocuroniumbromid bei der Allgemeinnarkose angewendet wird, müssen für ambulante Patienten die nach Allgemeinnarkose üblichen Vorsichtsmaßnahmen ergriffen werden.
4.8 Nebenwirkungen
Zu den häufigsten Nebenwirkungen gehören Schmerzen/Reaktionen an der Injektionsstelle, Veränderungen der Vitalzeichen und eine verlängerte neuromuskuläre Blockade. Am häufigsten nach der Markteinführung gemeldete Nebenwirkungen sind anaphylaktische und anaphylaktoide Reaktionen und damit verbundene Symptome. Siehe auch die nach der Tabelle angeführten Erklärungen.
MedDRA Systemorganklasse | Bevorzugte MedDRA-Terminologiea | ||
gelegentlich/seltenb (˂1/100, ≥1/10 000) | Sehr seltenb (˂1/10 000) | nicht bekanntb (Häufigkeit auf Grundlage der verfügbaren Daten nicht abschätzbar) | |
| Erkrankungen des Immunsystems | Überempfindlichkeit, anaphylaktische Reaktion anaphylaktoide Reaktion anaphylaktischer Schock anaphylaktoider Schock | ||
| Erkrankungen des Nervensystems | Schlaffe Lähmung | ||
| Augenerkrankungen | Mydriasisc Fixierte Pupillenc | ||
| Herzerkrankungen | Tachykardie | Kounis-Syndrom | |
| Gefäßerkrankungen | Hypotonie | Kreislaufkollaps und Schock Flush | |
| Erkrankungen der Atemwege, des Brustraums und Mediastinums | Bronchospasmus | ||
Erkrankungen der Haut und des Unterhautgewebes | Angioödem Urtikaria Ausschlag erythematöser Ausschlag | ||
| Skelettmuskulatur-, Bindegewebs- und Knochenerkrankungen | Muskelschwäched Steroidbedingte Myopathied | ||
Allgemeine Erkrankungen und Beschwerden am Verabreichungsort | Arzneimittel wirkungslos Arzneimittelwirkung/ therapeutischer Effekt | Gesichtsödeme | |
vermindert Arzneimittelwirkung/ therapeutischer Effekt erhöht Schmerzen an der Injektionsstelle Reaktionen an der Injektionsstelle | |||
Verletzung, Vergiftung und durch Eingriffe bedingte Komplikationen | Verlängerte neuromuskuläre Blockade, Verzögerte Erholung von der Narkose | Atemwegskomplika-tionen bei der Narkose |
a Die Häufigkeiten wurden basierend auf Postmarketingberichten und Literaturangaben geschätzt. b Postmarketingdaten können keine genauen Zahlen zur Häufigkeit liefern. Daher gibt es nur zwei anstelle von fünf Häufigkeitskategorien.
c Im Zusammenhang mit einer möglicherweise erhöhten Durchlässigkeit oder einer eingeschränkten Integrität der Blut-Hirn-Schranke (BHS).
d Nach Langzeitanwendung auf der Intensivstation.
Beschreibung ausgewählter Nebenwirkungen
Gruppeneffekte
Anaphylaxie
Obwohl sehr selten wurde über schwere anaphylaktische Reaktionen auf Muskelrelaxanzien einschließlich Rocuroniumbromid berichtet. Anaphylaktische/anaphylaktoide Reaktionen umfassen unter anderem Symptome wie Bronchospasmen, kardiovaskuläre Veränderungen (z. B. Hypotonie, Tachykardie, Kreislaufkollaps und -schock) und Veränderungen der Haut (z. B. Angioödem, Urtikaria). Diese Reaktionen waren in einigen Fällen tödlich. Da die Reaktionen sehr schwerwiegend sein können, muss immer mit dem Auftreten gerechnet und die nötigen Vorsichtsmaßnahmen getroffen werden (siehe auch Abschnitt 4.4)
Histaminfreisetzung und histaminoide Reaktionen
Da Muskelrelaxanzien sowohl lokal an der Injektionsstelle als auch systemisch eine Histaminfreisetzung induzieren können, ist bei der Anwendung dieser Arzneimittel immer zu beachten, dass Juckreiz und erythematöse Reaktionen an der Injektionsstelle und/oder generalisierte histaminoide (anaphylaktoide) Reaktionen auftreten können (siehe auch ‚Anaphylaktische Reaktionen‘ oben).
In klinischen Studien wurde nach rascher Bolusgabe von 0,3-0,9 mg/kg Rocuroniumbromid nur ein geringfügiger Anstieg der mittleren Plasmahistaminspiegel beobachtet.
In Berichten nach der Markteinführung wurden Überempfindlichkeitsreaktionen sowohl gegen Rocuronium als auch gegen den Rocuronium-Sugammadex-Komplex beobachtet.
Verlängerte neuromuskuläre Blockade
Die häufigste Nebenwirkung der Klasse der neuromuskulären Blocker ist die Verlängerung der pharmakologischen Wirkung des Arzneimittels über die benötigte Zeitspanne hinaus. Sie kann von einer Skelettmuskelschwäche bis hin zu einer starken und lang dauernden Skelettmuskellähmung mit Ateminsuffizienz oder Apnoe reichen.
Lokale Reaktionen an der Injektionsstelle
Von Injektionsschmerzen bei der Blitzeinleitung wurde berichtet, besonders wenn der Patient das Bewusstsein noch nicht verloren hat und insbesondere, wenn Propofol bei der Einleitung angewendet wurde. In klinischen Studien wurde Injektionsschmerz bei 16 % der Patienten beobachtet, die einer Blitzeinleitung unter Propofol unterzogen wurden, und bei weniger als 0,5 % der Patienten mit einer Blitzeinleitung unter Fentanyl und Thiopental.
Kinder und Jugendliche
Eine Meta-Analyse von 11 klinischen Studien an pädiatrischen Patienten (n=704) mit Rocuroniumbromid (bis zu 1 mg/kg) zeigte, dass Tachykardie mit einer Häufigkeit von 1,4 % als Nebenwirkung auftrat.
Meldung des Verdachts auf Nebenwirkungen
Die Meldung des Verdachts auf Nebenwirkungen nach der Zulassung ist von großer Wichtigkeit. Sie ermöglicht eine kontinuierliche Überwachung des Nutzen-Risiko-Verhältnisses des Arzneimittels.
Angehörige von Gesundheitsberufen sind aufgefordert, jeden Verdachtsfall einer Nebenwirkung über das nationale Meldesystem anzuzeigen:
Bundesamt für Sicherheit im Gesundheitswesen
Traisengasse 5
1200 WIEN
ÖSTERREICH
Fax: + 43 (0) 50 555 36207
Website: http://www.basg.gv.at/
4.9 Überdosierung
Im Fall einer Überdosierung und verlängerten neuromuskulären Blockade muss der Patient künstlich weiterbeatmet und sediert werden. Es bestehen zwei Möglichkeiten für die Aufhebung der neuromuskulären Blockade:
(1) Bei Erwachsenen kann Sugammadex zur Aufhebung der intensiven (profunden) und tiefen Blockade verwendet werden. Die zu verabreichende Dosis von Sugammadex hängt von der Tiefe der neuromuskulären Blockade ab.
(2) Es kann ein Acetylcholinesterase-Inhibitor (z. B. Neostigmin, Edrophonium, Pyridostigmin) oder Sugammadex in korrekter Dosierung angewendet werden, sobald die Spontanerholung einsetzt. Die Anwendung wird durch Daten gestützt, die durch die instrumentelle Überwachung der Curarisierung ermittelt werden, insbesondere das Vorhandensein von vier eindeutigen Reaktionen des M. adductor des Daumens nach Train-of-Four-Stimulation. Falls trotz der Verabreichung eines Acetylcholinesterase-Inhibitors die neuromuskulären Effekte von Rocuroniumbromid nicht aufgehoben werden, muss die Beatmung fortgesetzt werden, bis die Spontanatmung wieder einsetzt. Wiederholte Gaben von Acetylcholinesterase-Inhibitoren können gefährlich sein.
In Tierstudien trat eine schwere Störung der Herz-Kreislauf-Funktion, die schließlich zum Herzversagen führte, erst dann ein, wenn kumulative Dosen von 750 x ED90 (135 mg/kg Rocuroniumbromid) gegeben wurden.
5. PHARMAKOLOGISCHE EIGENSCHAFTEN
5.1 Pharmakodynamische Eigenschaften
Pharmakotherapeutische Gruppe: Muskelrelaxanzien, peripher wirkende Mittel, andere quartäre Ammonium-Verbindungen, ATC-Code: M03AC09.
Wirkmechanismus
Rocuroniumbromid Accord (Rocuroniumbromid) ist ein nicht-depolarisierendes Muskelrelaxanz mit raschem Wirkungseintritt, das alle typischen pharmakologischen Wirkungen dieser Arzneimittelklasse (curarewirksame Gruppe) besitzt. Es hat eine kompetitive Wirkung im Bereich der cholinergen Nikotin-Rezeptoren an der motorischen Endplatte. Dieser Effekt wird durch Acetylcholinesterase-Inhibitoren wie Neostigmin, Edrophonium und Pyridostigmin antagonisiert.
Pharmakodynamische Wirkungen
Die ED90 (die erforderliche Dosis, um eine Reizantwort des Daumens nach Stimulation des Nervus ulnaris zu 90 % zu unterdrücken) bei intravenöser Anästhesie liegt bei ungefähr 0,3 mg/kg Rocuroniumbromid. Die ED95 bei Säuglingen/Kleinkindern ist niedriger als bei Erwachsenen und Kindern (0,25 mg/kg, 0,35 mg/kg bzw. 0,40 mg/kg).
Die klinische Wirkungsdauer (Zeitraum zwischen Verabreichung und Einsetzen der Erholung auf 25 % der initialen Reizantwort) beträgt bei 0,6 mg/kg Rocuroniumbromid 30–40 Minuten. Die Gesamtwirkungsdauer (Zeitraum bis zur Spontanerholung auf 90 % der initialen Reizantwort) beläuft sich auf 50 Minuten.
Die mittlere Dauer der Spontanerholung der Reizantwort von 25 % auf 75 % des Kontrollwerts beträgt nach einer Bolusdosis von 0,6 mg/kg Rocuroniumbromid 14 Minuten. Bei niedrigeren Dosen von 0,3–0,45 mg/kg Rocuroniumbromid (1–1,5 x ED90) ist die Zeit bis zum Wirkungseintritt verzögert und die Wirkungsdauer verkürzt. Bei hohen Dosen von 2 mg/kg beträgt die Wirkungsdauer 110 Minuten.
Intubation bei einer routinemäßigen Anästhesie
Innerhalb von 60 Sekunden nach intravenöser Gabe von 0,6 mg/kg Rocuroniumbromid (2 x ED90 unter intravenöser Anästhesie) bestehen bei fast allen Patienten geeignete Bedingungen für die Intubation, bei 80 % sind die Intubationsbedingungen ausgezeichnet. Innerhalb von 2 Minuten ist eine für alle Anwendungsgebiete ausreichende allgemeine Muskelrelaxation erreicht. Nach Verabreichung von 0,45 mg/kg Rocuroniumbromid bestehen nach 90 Sekunden akzeptable Bedingungen für die Intubation.
Blitzeinleitung
Bei einer Blitzeinleitung der Anästhesie mit Propofol oder Fentanyl/Thiopental wurden nach Verabreichung einer Dosis von 1,0 mg/kg Rocuroniumbromid bei 93% bzw. 96% der Patienten innerhalb von 60 Sekunden geeignete Intubationsbedingungen festgestellt.
Bei 70% dieser Patienten werden die Bedingungen als ausgezeichnet eingestuft. Die klinische Wirkdauer nach dieser Dosis beträgt etwa eine Stunde; im Anschluss kann die neuromuskuläre Blockade sicher antagonisiert werden. Nach einer Dosis von 0,6 mg/kg Rocuroniumbromid werden innerhalb von 60 Sekunden bei 81 % bzw. 75% der Patienten während einer Blitzeinleitung unter Propofol oder Fentanyl/Thiopental geeignete Intubationsbedingungen erreicht.
Kinder und Jugendliche
Die mittlere Zeit bis zum Wirkungseintritt bei Säuglingen, Kleinkindern und Kindern bei einer Intubationsdosis von 0,6 mg/kg ist geringfügig kürzer als bei Erwachsenen. Ein Vergleich innerhalb der Altersgruppen zeigte, dass die mittlere Zeit bis zum Wirkungseintritt bei Neugeborenen und Jugendlichen (1 Minuten) geringfügig länger ist als bei Säuglingen, Kleinkindern und Kindern (0,4, 0,6 bzw. 0,8 Minuten).
Die Dauer der Blockade und die Zeit bis zur Erholung sind bei Kindern in der Regel kürzer als bei Säuglingen und Erwachsenen. Ein Vergleich innerhalb der pädiatrischen Altersgruppen zeigte, dass die Zeit bis zum Wiederauftreten von T3 im Durchschnitt bei Neugeborenen und Säuglingen verlängert war (56,7 bzw. 60,7 Minuten), wenn sie mit Kleinkindern, Kindern und Jugendlichen verglichen wurde (45,4, 37,6 bzw. 42,9 Minuten).
Mittlere (Standardabweichung) Zeit bis zum Wirkungseintritt und klinische Wirkungsdauer nach initialer Intubationsdosis* mit 0,6 mg/kg Rocuronium während einer Sevofluran/Lachgas und Isofluran/Lachgas- (Erhaltungs-) Anästhesie (pädiatrische Patienten)
Zeit bis zur maximalen Blockade* (Min) | Zeit bis zum Wiederauftreten des T3** (Min) | |
| Neugeborene (0 - 27 Tage) N = 10 | 0,98 (0,62) | 56,69 (37,04) N = 9 |
| Säuglinge (28 Tage – 2 Monate) N= 11 | 0,44 (0,19) N = 10 | 60,71 (16,52) |
| Kleinkinder (3 – 23 Monate) N = 28 | 0,59 (0,27) | 45,46 (12,94) N = 27 |
| Kinder (2 – 11 Jahre) N = 34 | 0,84 (0,29) | 37,58 (11,82) |
| Jugendliche (12 – 17 Jahre) N = 31 | 0,98 (0,38) | 42,90 (15,83) N = 30 |
* Rocuronium-Dosis innerhalb von 5 Sekunden verabreicht
** Berechnet ab Ende der Verabreichung der Rocuronium-Intubationsdosis
Geriatrische Patienten und Patienten mit Leber- und/oder Gallenwegserkrankungen und/oder Niereninsuffizienz
Die Wirkdauer bei Erhaltungsdosen von 0,15 mg/kg Rocuroniumbromid kann unter Enfluran- oder Isofluran-Narkose bei geriatrischen Patienten und Patienten mit Leber- und/oder Nierenerkrankungen etwas länger (etwa 20 Minuten) sein als bei Patienten ohne Beeinträchtigung von exkretorischen Organfunktionen unter intravenöser Anästhesie (etwa 13 Minuten) (siehe Abschnitt 4.2). Ein kumulativer Effekt (progressiver Anstieg der Wirkdauer) bei wiederholter Erhaltungsdosierung in der empfohlenen Höhe wurde nicht beobachtet.
Intensivmedizin
Nach Dauerinfusion auf der Intensivstation hängt der Zeitraum bis zur Erholung des Train-of-Four-Verhältnisses auf 0,7 von der Tiefe der Blockade am Ende der Infusion ab. Nach einer Dauerinfusion von 20 Stunden oder länger beträgt die mediane Zeit (Range) zwischen der Wiederkehr von T2 der Train-of-Four-Stimulation und der Erholung des Train-of-Four-Verhältnisses auf 0,7 ungefähr 1,5 (1–5) Stunden bei Patienten ohne multiples Organversagen und 4 (1–25) Stunden bei Patienten mit multiplem Organversagen.
Kardiovaskuläre Operationen
Bei für eine kardiovaskuläre Operation vorgesehenen Patienten sind die häufigsten kardiovaskulären Veränderungen bei Eintritt der maximalen Blockade nach 0,6-0,9 mg/kg Rocuroniumbromid eine leichte, klinisch unbedeutende Zunahme der Herzfrequenz um bis zu 9 % und ein Anstieg des mittleren arteriellen Blutdrucks um bis zu 16 % der Kontrollwerte.
Aufhebung der neuromuskulären Blockade
Die Wirkung von Rocuronium kann entweder durch Sugammadex oder durch Acetylcholinesterase-Inhibitoren (Neostigmin, Pyridostigmin oder Edrophonium) aufgehoben werden. Sugammadex kann zur routinemäßigen Aufhebung (bei 1-2 Post-Tetanic Counts bis zu Wiederauftreten von T2) oder zur sofortigen Aufhebung (3 Minuten nach Gabe von Rocuroniumbromid) angewendet werden. Acetylcholinesterase-Inhibitoren können erst bei Wiederauftreten von T2 oder bei den ersten Anzeichen einer klinischen Erholung verabreicht werden.
5.2 Pharmakokinetische Eigenschaften
Nach intravenöser Gabe einer einzelnen Bolusdosis Rocuroniumbromid zeigt der zeitliche Verlauf der Plasmakonzentration drei exponentielle Phasen. Bei Erwachsenen beträgt die mittlere (95 % KI) Eliminationshalbwertszeit 73 (66-80) Minuten, das (scheinbare) Verteilungsvolumen unter Steady State Bedingungen 203 (193-214) ml/kg und die Plasmaclearance 3,7 (3,5-3,9) ml/kg/min.
Rocuronium wird im Urin und über die Galle ausgeschieden. Die Ausscheidung im Urin erreicht innerhalb von 12-24 Stunden etwa 40 %. Nach Injektion einer radioaktiv markierten Dosis von Rocuroniumbromid erfolgt die Ausscheidung der radioaktiven Markierung im Durchschnitt nach 9 Tagen zu 47 % im Urin und 43 % in den Faeces. Ungefähr 50 % wird als unverändertes Rocuronium wiedergefunden.
Kinder und Jugendliche
Die Pharmakokinetik von Rocuroniumbromid bei pädiatrischen Patienten (n=146) im Alter von 0 bis 17 Jahre wurde mittels einer Populationsanalyse der gepoolten pharmakokinetischen Daten von zwei klinischen Studien unter Narkose mit Sevofluran (Einleitung) und Isofluran/Lachgas (Aufrechterhaltung) analysiert. Alle pharmakokinetischen Parameter verhielten sich linear proportional zum Körpergewicht, was sich in der gleichen Clearance (l/kg/h) widerspiegelt. Das Verteilungsvolumen (l/kg) und die Eliminationshalbwertszeit (h) nehmen mit dem Alter (Jahre) ab. Die pharmakokinetischen Parameter typischer pädiatrischer Patienten innerhalb der Altersgruppe werden wie folgt zusammengefasst:
Geschätzte pharmakokinetische (PK) Parameter (mittlere [SD]) von Rocuroniumbromid bei typischen pädiatrischen Patienten während Sevofluran und Lachgas (Induktions-) und Isofluran/Lachgas (Erhaltungs-Anästhesie)
| PK Parameter | Patienten-Altersklasse | ||||
Reife Neuge- borene (0-27 Tage) | Säuglinge (28 Tage bis 2 Monate) | Kleinkinder (3-23 Monate) | Kinder (2-11 Jahre) | Jugendliche (12-17 Jahre) | |
| CL (l/kg/h) | 0,31 (0,07) | 0,30 (0,08) | 0,33 (0,10) | 0,35 (0,09) | 0,29 (0,14) |
| Verteilungs-volumen (l/kg) | 0,42 (0,06) | 0,31 (0,03) | 0,23 (0,03) | 0,18 (0,02) | 0,18 (0,01) |
| t1/2 ß (h) | 1,1 (0,2) | 0,9 (0,3) | 0,8 (0,2) | 0,7 (0,2) | 0,8 (0,3) |
Geriatrische Patienten und Patienten mit Leber- und/oder Gallenwegserkrankungen und/oder Niereninsuffizienz
In kontrollierten Studien war die Plasmaclearance bei geriatrischen Patienten und Patienten mit Niereninsuffizienz herabgesetzt, allerdings wurde in den meisten Studien kein statistisch signifikanter Wert erreicht. Bei Patienten mit Lebererkrankung ist die durchschnittliche Eliminationshalbwertszeit mit 30 Minuten verlängert und die mittlere Plasmaclearance um 1 ml/kg/min reduziert (siehe Abschnitt 4.2).
Intensivmedizin
Wird eine Dauerinfusion zur Erleichterung der künstlichen Beatmung 20 Stunden oder länger verabreicht, dann ist die mittlere Eliminationshalbwertszeit und das mittlere (scheinbare) Verteilungsvolumen unter Steady State Bedingungen erhöht. In klinischen Studien wurden große Schwankungen zwischen Patienten festgestellt, die von Art und Ausmaß des (multiplen) Organversagens und vom Patientenzustand abhängig waren. Bei Patienten mit multiplem Organversagen wurde eine mittlere (± SD) Eliminationshalbwertszeit von 21,5 (± 3,3) Stunden, ein (scheinbares) Verteilungsvolumen unter Steady State Bedingungen von 1,5 (± 0,8) l/kg und eine Plasmaclearance von 2,1 (± 0,8) ml/kg/min festgestellt.
5.3 Präklinische Daten zur Sicherheit
Präklinische Effekte wurden nur nach Expositionen beobachtet, die ausreichend über der maximalen humantherapeutischen Exposition lagen. Die klinische Relevanz wird als gering bewertet.
Es gibt kein Tiermodell zur Simulierung der üblicherweise sehr komplexen klinischen Situation des Patienten in der Intensivmedizin. Aus diesem Grund stützen sich die Daten zur Sicherheit von Rocuroniumbromid Accord, wenn es zur Erleichterung der künstlichen Beatmung in der Intensivmedizin angewendet wird, vor allem auf Ergebnisse aus klinischen Studien.
6. PHARMAZEUTISCHE ANGABEN
6.1 Liste der sonstigen Bestandteile
Natriumchlorid
Natriumacetat-Trihydrat
Essigsäure 99 % (zur pH-Wert-Einstellung)
Wasser für Injektionszwecke
6.2 Inkompatibilitäten
Physikalische Inkompatibilitäten bestehen für Rocuroniumbromid, wenn es Lösungen mit folgenden Arzneimitteln zugesetzt wird: Amphotericin, Amoxicillin, Azathioprin, Cefazolin, Cloxacillin, Dexamethason, Diazepam, Enoximon, Erythromycin, Famotidin, Furosemid, Hydrocortison-Natriumsuccinat, Insulin, Intralipid, Methohexiton, Methylprednisolon, Prednisolon-Natriumsuccinat, Thiopental, Trimethoprim und Vancomycin.
6.3 Dauer der Haltbarkeit
Ungeöffnete Spritze
2 Jahre
Nach dem Öffnen muss das Arzneimittel sofort verwendet werden.
6.4 Besondere Vorsichtsmaßnahmen für die Aufbewahrung
Im Kühlschrank lagern (2 °C - 8 °C).
Lagerung außerhalb des Kühlschranks: Die Rocuroniumbromid Injektionslösung kann außerhalb des Kühlschranks bei Temperaturen bis zu 30°C für maximal 12 Wochen gelagert werden. Danach ist sie zu entsorgen. Das Produkt darf nicht wieder in den Kühlschrank zurückgelegt werden, sobald es einmal außerhalb des Kühlschranks gelagert wurde. Die Aufbewahrungsdauer darf die angegebene Dauer der Haltbarkeit nicht überschreiten
6.5 Art und Inhalt des Behältnisses
5-ml-Klarglas-Fertigspritze mit Verschlusskappe, Kolbenstopfen (grauer Bromobutylgummistopfen) und Kolbenstange (Polypropylen). Auf dem Spritzenzylinder sind Skaleneinteilungen für 0,1 ml vorhanden.
10-ml-Klarglas-Fertigspritze mit Verschlusskappe, Kolbenstopfen (grauer Bromobutylgummistopfen) und Kolbenstange (Polypropylen). Auf dem Spritzenzylinder sind Skaleneinteilungen für 0,2 ml vorhanden.
Packungsgröße: eine Fertigspritze
Die Fertigspritze wird ohne Kanüle in einer äußeren Kunststoffbox (Twistbox) angeboten.
6.6 Besondere Vorsichtsmaßnahmen für die Beseitigung und sonstige Hinweise zur
Handhabung
Die Fertigspritze ist nur zur Anwendung bei einem einzelnen Patienten bestimmt.
Das Produkt ist vor der Anwendung visuell auf Partikel und Verfärbungen zu untersuchen. Nur klare und farblose bis blass bräunlich gelbe Lösung frei von Partikeln darf verwendet werden. Verwenden Sie dieses Arzneimittel nicht, wenn Sie sichtbare Anzeichen einer Veränderung feststellen.
Die Fertigspritze ist nicht für Spritzenpumpen geeignet. Die Fertigspritze ist ein gebrauchsfertiges Produkt. Sie ist nicht zur Verdünnung in einem Infusionsbeutel geeignet.
Nicht verwendetes Arzneimittel oder Abfallmaterial ist entsprechend den nationalen Anforderungen zu beseitigen.
7. INHABER DER ZULASSUNG
Accord Healthcare B.V.
Winthontlaan 200
3526 KV Utrecht
Niederlande
8. ZULASSUNGSNUMMER
Z. Nr.: 142718
9. DATUM DER ERTEILUNG DER ZULASSUNG
Datum der Erteilung der Zulassung: 30.04.2025
10. STAND DER INFORMATION
02.2026
REZEPTPFLICHT / APOTHEKENPFLICHT
Rezept- und apothekenpflichtig, wiederholte Abgabe verboten.
