Fachinformation - Qvaya 1 mg/ml Emulsion zur Anwendung auf der Haut
1. BEZEICHNUNG DES ARZNEIMITTELS
Qvaya 1 mg/ml Emulsion zur Anwendung auf der Haut
2. QUALITATIVE UND QUANTITATIVE ZUSAMMENSETZUNG
1 ml Emulsion enthält 1 mg Tacrolimus (als Tacrolimus-Monohydrat).
Sonstiger Bestandteil mit bekannter Wirkung:
1 ml Emulsion enthält 200 mg Pentylenglycol.
Vollständige Auflistung der sonstigen Bestandteile, siehe Abschnitt 6.1.
3. DARREICHUNGSFORM
Emulsion zur Anwendung auf der Haut
Klare gelbliche Flüssigkeit
4. KLINISCHE ANGABEN
4.1 Anwendungsgebiete
Qvaya wird angewendet zur kurzzeitigen Behandlung von leichter bis mittelschwerer Psoriasis der Kopfhaut bei Erwachsenen (siehe Abschnitt 4.4).
4.2 Dosierung und Art der Anwendung
Die Behandlung mit Qvaya ist von Ärzten einzuleiten, die Erfahrung mit der Diagnose und Behandlung von Psoriasis haben.
Dosierung
Die betroffenen Stellen der Kopfhaut sind 8 Wochen lang zweimal täglich (morgens und abends) mit Qvaya zu behandeln, wobei zwischen den beiden Anwendungen ein Abstand von 12 Stunden liegen soll (siehe Abschnitt 4.4).
Ältere Patienten
Es wurden keine Studien speziell bei älteren Menschen durchgeführt. Die vorliegenden klinischen Erfahrungen bei dieser Patientengruppe haben jedoch keine Notwendigkeit einer Dosisanpassung gezeigt.
Kinder und Jugendliche
Die Wirksamkeit und Sicherheit von Qvaya bei Kindern und Jugendlichen im Alter bis zu 18 Jahren mit Kopfhautpsoriasis ist nicht erwiesen.
Art der Anwendung
Qvaya wird als dünner Film auf die betroffenen Stellen der Kopfhaut aufgetragen.
Die Flasche vor Gebrauch schütteln.
Die Emulsion wird entweder direkt mit der Tropföffnung der Flasche aufgetragen und anschließend mit den Fingerspitzen verteilt oder, falls erforderlich, auf die Fingerspitzen aufgetragen und dann auf den betroffenen Kopfhautpartien verteilt.
Kontakt mit dem Gesicht vermeiden. Keine Anwendung unter Okklusion, da diese Art der Anwendung nicht an Patienten untersucht wurde (siehe Abschnitt 4.4).
Nach der Anwendung die Hände waschen.
4.3 Gegenanzeigen
Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff, Makrolide im Allgemeinen oder einen der in Abschnitt 6.1 genannten sonstigen Bestandteile.
4.4 Besondere Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen für die Anwendung
Die Exposition der Haut gegenüber Sonnenlicht soll während der Anwendung von Qvaya auf ein Minimum reduziert und die Anwendung von ultraviolettem (UV) Licht aus Solarien sowie die Therapie mit
UVB oder UVA in Kombination mit Psoralenen (PUVA) vermieden werden (siehe Abschnitt 5.3). Der Arzt soll die Patienten über geeignete Lichtschutzmaßnahmen beraten (z.B. Vermeidung von längerem Aufenthalt in der Sonne, Anwendung von Lichtschutzmitteln und Abdeckung der Haut mit entsprechender Kleidung). Qvaya darf nicht auf Hautläsionen aufgetragen werden, die möglicherweise maligne oder prämaligne sind. Jede neu aufgetretene Veränderung, die sich von vorhergehenden Läsionen innerhalb eines Behandlungsbereichs unterscheidet, ist vom Arzt zu überprüfen.
Die Anwendung der Tacrolimus Emulsion wird nicht empfohlen bei Patienten mit einer Schädigung der Hautbarriere, z. B. Netherton-Syndrom, lamelläre Ichthyose, generalisierte Erythrodermie, Pyoderma gangraenosum oder kutane Graft-versus-Host-Reaktion. Bei diesen Hauterkrankungen kann die systemische Resorption von Tacrolimus erhöht sein. Nach dem Inverkehrbringen wurde bei diesen Erkrankungen über Fälle erhöhter Tacrolimus-Blutspiegel berichtet. Qvaya darf bei Patienten mit erblicher oder erworbener Immunschwäche sowie bei Patienten unter immunsuppressiver Therapie nicht angewendet werden.
Qvaya enthält als Wirkstoff Tacrolimus, einen Calcineurin-Inhibitor. Bei transplantierten Patienten war eine längere systemische Exposition gegenüber intensiver Immunsuppression nach systemischer Anwendung von Calcineurin-Inhibitoren mit einem erhöhten Risiko für Entwicklung von Lymphomen und malignen Hautveränderungen verbunden.
Bei Patienten mit Kopfhautpsoriasis, die mit Qvaya behandelt wurden, wurden keine signifikanten systemischen Tacrolimus-Spiegel festgestellt. Die Rolle der lokalen Immunsuppression ist nicht bekannt.
Basierend auf Langzeitstudien und Erfahrungen mit anderen Tacrolimus-Formulierungen wurde ein Zusammenhang zwischen einer Tacrolimus-Behandlung und der Entwicklung maligner Veränderungen nicht bestätigt. Endgültige Schlussfolgerungen können jedoch nicht gezogen werden. Es wird empfohlen, die Tacrolimus Emulsion in der niedrigsten Häufigkeit und für die kürzeste erforderliche Dauer anzuwenden, die nach Beurteilung des klinischen Zustands durch den Arzt erforderlich ist (siehe Abschnitt 4.2).
Einschränkungen zur klinischen Datenlage bei Psoriasis
Es liegen keine klinischen Daten zur Behandlung mit Qvaya über 8 Wochen hinaus vor. Es liegen keine Daten aus klinischen Studien vor in Bezug auf:
- Dauerhaftigkeit der Remission/des Ansprechens,
- Rückfall und Rebound nach Ende der 8-wöchigen Behandlung,
- Wirksamkeit wiederholter Behandlungen.
In klinischen Untersuchungen mit anderen topischen Tacrolimus-Formulierungen kam es in seltenen Fällen (0,8 %) zu Lymphadenopathie. In der Mehrzahl der Fälle handelte es sich um Infektionen (Haut, Atemwege, Zähne), die unter einer angemessenen Antibiotika-Behandlung abklangen. Eine zu Beginn der Therapie bestehende Lymphadenopathie muss untersucht und weiter beobachtet werden. Bei einer hartnäckigen Lymphadenopathie ist deren Ätiologie abzuklären.
Kann die Krankheitsursache nicht eindeutig ermittelt werden oder liegt eine infektiöse Mononukleose vor, so ist die Unterbrechung der Behandlung mit Qvaya in Erwägung zu ziehen. Patienten, die unter der Behandlung eine Lymphadenopathie entwickeln, sind zu überwachen, um sicherzustellen, dass die Lymphadenopathie abklingt.
Patienten mit Psoriasis neigen zu oberflächlichen Hautinfektionen. Tacrolimus ist nicht auf Wirksamkeit und Sicherheit bei der Behandlung klinisch infizierter Psoriasis untersucht worden. Vor Beginn der Behandlung mit Qvaya sollen klinische Infektionen an den zu behandelnden Stellen abgeheilt sein. Bei einer Behandlung mit Qvaya ist das Risiko einer Follikulitis und Infektion mit Herpesviren erhöht (Herpes simplex Dermatitis [Eczema herpeticatum], Herpes simplex [Fieberbläschen], Kaposis varicelliforme Eruption) (siehe Abschnitt 4.8). Bei Vorliegen dieser Infektionen sind Risiken und Nutzen der Anwendung von Qvaya gegeneinander abzuwägen.
Hautpflegemittel sollen nicht innerhalb von 2 Stunden vor bzw. nach dem Auftragen von Qvaya im gleichen Hautbereich angewendet werden. Die gleichzeitige Anwendung anderer topischer Präparate wurde nicht untersucht. Über die gleichzeitige Verabreichung von systemischen Steroiden oder Immunsuppressiva liegen keine Erfahrungen vor.
Kontakt mit Augen und Schleimhäuten vermeiden. Bei versehentlicher Anwendung in diesen Bereichen soll die Emulsion gründlich abgewischt und intensiv mit Wasser gespült werden.
Die Anwendung von Qvaya unter Okklusion wurde nicht untersucht. Okklusivverbände sind nicht zu empfehlen.
Wie bei allen topischen Arzneimitteln sollen die Patienten sich nach Applikation des Präparates die Hände waschen. Vor dem Händewaschen, die Hände mit einem Papiertuch abwischen. Das Papierhandtuch mit dem Restmüll entsorgen.
Tacrolimus wird weitgehend in der Leber metabolisiert. Trotz vernachlässigbarer Blutspiegel nach topischer Anwendung ist die Emulsion bei Patienten mit Leberinsuffizienz mit Vorsicht anzuwenden (siehe Abschnitt 5.2).
Dieses Arzneimittel enthält Pentylenglycol. Pentylenglycol kann Augenreizungen verursachen, wenn die Emulsion versehentlich mit den Augen in Berührung kommt.
4.5 Wechselwirkungen mit anderen Arzneimitteln und sonstige Wechselwirkungen
Es wurden keine Studien zur Erfassung von Wechselwirkungen mit anderen topischen Arzneimitteln durchgeführt.
Tacrolimus wird in der menschlichen Haut nicht metabolisiert. Dies lässt darauf schließen, dass perkutane Wechselwirkungen, die den Metabolismus von Tacrolimus beeinträchtigen könnten, nicht zu erwarten sind.
Systemisch verfügbares Tacrolimus wird über das hepatische Cytochrom P450 3A4 (CYP3A4) metabolisiert. Die systemische Verfügbarkeit von Tacrolimus nach topischer Anwendung ist gering (< 1,0 ng/ml) und wird durch die gleichzeitige Anwendung von Substanzen mit bekannter hemmender Wirkung auf CYP3A4 wahrscheinlich nicht beeinflusst.
Dennoch kann die Möglichkeit des Auftretens von Wechselwirkungen nicht ausgeschlossen werden, sodass die gleichzeitige systemische Verabreichung von bekannten CYP3A4-Hemmern (z.B. Erythromycin, Itraconazol, Ketoconazol und Diltiazem) bei Patienten mit ausgedehnter und/oder erythrodermischer Erkrankung mit Vorsicht erfolgen soll.
4.6 Fertilität, Schwangerschaft und Stillzeit
Schwangerschaft
Es liegen keine hinreichenden Daten für die Verwendung der Tacrolimus Emulsion zur Anwendung auf der Haut bei Schwangeren vor.
Tierexperimentelle Studien haben eine Reproduktionstoxizität nach systemischer Anwendung gezeigt (siehe Abschnitt 5.3). Das potentielle Risiko für den Menschen ist nicht bekannt.
Qvaya ist nicht während der Schwangerschaft zu verwenden, es sei denn, dies ist unbedingt erforderlich.
Stillzeit
Untersuchungen am Menschen zeigten, dass systemisch verabreichtes Tacrolimus in die Muttermilch ausgeschieden wird. Obwohl klinische Daten zeigen, dass die systemische Verfügbarkeit nach Anwendung der Tacrolimus Emulsion zur Anwendung auf der Haut gering ist, wird das Stillen während der Behandlung mit Qvaya nicht empfohlen.
Fertilität
Es liegen keine Daten über die Auswirkungen von Tacrolimus auf die menschliche Fertilität vor. In Tierstudien mit systemischer Verabreichung von Tacrolimus wurde eine negative Wirkung auf die männliche Fertilität beobachtet (siehe Abschnitt 5.3). Die Relevanz für den Menschen ist aufgrund der geringen systemischen Exposition bei der Anwendung der Tacrolimus Emulsion zur Anwendung auf der Haut vernachlässigbar.
4.7 Auswirkungen auf die Verkehrstüchtigkeit und die Fähigkeit zum Bedienen von
Maschinen
Qvaya hat keinen oder einen zu vernachlässigenden Einfluss auf die Verkehrstüchtigkeit und die Fähigkeit zum Bedienen von Maschinen.
4.8 Nebenwirkungen
In klinischen Studien mit Tacrolimus Formulierungen traten bei etwa 50 % aller Patienten Nebenwirkungen in Form von Hautreizungen auf. In der klinischen Studie mit Qvaya traten bei etwa 20 % der Patienten eine Art von Hautreizung im behandelten Bereich auf. Brennen und Jucken traten häufig auf, waren gewöhnlich leicht oder mäßig stark ausgeprägt und verschwanden in der Regel innerhalb von ein bis zwei Wochen nach Behandlungsbeginn wieder. Hautrötung war eine häufige Hautreizungserscheinung.
Wärmegefühl, Schmerz, Parästhesie und Ausschlag an den Behandlungsstellen wurden ebenfalls häufig beobachtet. Unverträglichkeit gegenüber Alkohol (Rötung der Gesichtshaut oder Hautreizungen nach dem Konsum alkoholischer Getränke) war häufig zu beobachten.
In der klinischen Studie mit Qvaya wurden zudem 2 Fälle von diffuser Alopezie beobachtet.
Das Risiko des Auftretens von Follikulitis, Akne und Herpesvirus-Infektionen kann erhöht sein.
Nebenwirkungen, bei denen ein Zusammenhang mit der Anwendung vermutet wird, sind nach MedDRA System Organklassen aufgeführt. Häufigkeiten sind wie folgt definiert: Sehr häufig ≥ 1/10
Häufig ≥ 1/100 bis <1/10
Gelegentlich ≥ 1/1.000 bis <1/100
Nicht bekannt (Häufigkeit auf Grundlage der verfügbaren Daten nicht abschätzbar)
Innerhalb jeder Häufigkeitsgruppe werden die Nebenwirkungen nach abnehmendem Schweregrad angegeben.
| System-organklasse | Sehr häufig | Häufig | Gelegentlich | Nicht bekannt |
Infektionen und parasitäre Erkrankungen | Lokale Hautinfektion, unabhängig von der jeweiligen Ätiologie, einschließlich, aber nicht begrenzt auf: Eczema herpeticum, Follikulitis, Herpes simplex, Herpesvirus-Infektion, Kaposis varicelliforme Eruption* | Herpes-Infektion am Auge* | ||
| Stoffwechsel- und Ernährungsstörungen | Alkoholunverträglichkeit (Rötung der Gesichtshaut oder Hautreizungen nach Konsum alkoholischer Getränke) | |||
| Erkrankungen des Nervensystems | Parästhesie und Dysästhesie (Hyperästhesie, Brennen) |
Erkrankungen der Haut und des Unterhautgewebes | Pruritus, diffuse Alopezie | Akne* | Rosacea*, Lentigo* | |
Allgemeine Erkrankungen und Beschwerden am Verabreichungsort | Brennen, Pruritus an der Applikationsstelle | Wärmegefühl, Hautrötung, Schmerzen, Reizung, Parästhesie, Ausschlag an der Applikationsstelle | Ödem an der Applikationsstelle* | |
| Untersuchungen | Wirkstoffspiegel erhöht* (siehe Abschnitt 4.4) |
* Daten aus Post-Marketing-Beobachtungen
Meldung des Verdachts auf Nebenwirkungen
Die Meldung des Verdachts auf Nebenwirkungen nach der Zulassung ist von großer Wichtigkeit. Sie ermöglicht eine kontinuierliche Überwachung des Nutzen-Risiko-Verhältnisses des Arzneimittels.
Angehörige von Gesundheitsberufen sind aufgefordert, jeden Verdachtsfall einer Nebenwirkung über das nationale Meldesystem anzuzeigen:
Bundesamt für Sicherheit im Gesundheitswesen
Traisengasse 5
1200 WIEN
Website: www.basg.gv.at
4.9 Überdosierung
Eine Überdosierung ist bei topischer Anwendung unwahrscheinlich und beschränkt sich auf eine stark gestörte Hautbarriere oder eine Anwendung mit Okklusion. Wenn die empfohlene Dosis deutlich überschritten wird, soll die Emulsion mit einem Papiertuch von der Haut entfernt werden. Das Papierhandtuch über den Restmüll entsorgen.
Bei Verschlucken können allgemeine unterstützende Maßnahmen erforderlich sein. Dazu gehört die Überwachung der Vitalparameter und die Beobachtung des klinischen Zustands.
5. PHARMAKOLOGISCHE EIGENSCHAFTEN
5.1 Pharmakodynamische Eigenschaften
Pharmakotherapeutische Gruppe: Mittel zur Behandlung der Dermatitis, exkl. Corticosteroide ATC Code: D11AH01
Wirkmechanismus und pharmakodynamische Wirkungen
Tacrolimus bindet an einen spezifischen intrazellulären Rezeptor, ein Immunophilin mit der Bezeichnung FK506-bindendes Protein (FKBP), das die Aktivität einer Phosphatase (Calcineurin) hemmt, was letztlich zu einer Hemmung der Transkription des Interleukin-2-Gens (IL-2) führt, was eine Unterdrückung der T-Lymphozyten-Reaktion bewirkt.
Über seine Bindung an FKBP12 hemmt Tacrolimus kalziumabhängige Signaltransduktionswege in T-Zellen und verhindert dadurch die Transkription und Synthese verschiedener Interleukine wie IL-23 und IL-17 und anderer Zytokine wie GM-CSF, TNF-α und IFN-γ. Der IL-23/IL-17-Entzündungsweg wurde als zentral für die Pathogenese der Psoriasis bewertet.
In aus gesunder menschlicher Haut isolierten Langerhans-Zellen reduzierte Tacrolimus in vitro die stimulierende Aktivität gegenüber T-Zellen. Ferner wurde nachgewiesen, dass Tacrolimus die Freisetzung von Entzündungsmediatoren aus Mastzellen der Haut sowie aus basophilen und eosinophilen Granulozyten hemmt.
Plaques in der psoriatischen Haut stellen eine große Barriere für das Eindringen von Arzneimitteln dar. Qvaya ist eine Mikroemulsion, die einen hydrophilen Träger für Tacrolimus verwendet, um die Hautpenetration durch das verdickte Stratum corneum der Psoriasis-Plaques zu verbessern und die in der Dermis befindlichen Lymphozyten zu erreichen.
Klinische Wirksamkeit und Sicherheit
Die Wirksamkeit von Qvaya wurde in einer prospektiven, randomisierten, doppelt verblindeten, placebo-kontrollierten Phase-III-Studie bei Patienten mit leichter bis schwerer Kopfhautpsoriasis (s-IGA 2-4) untersucht. Die Patienten trugen zweimal täglich eine dünne Schicht von Qvaya oder Placebo auf die betroffenen Stellen auf. Nach achtwöchiger Behandlung betrug der Anteil der Patienten, die einen s-IGA 0-1 erreichten, in der Qvaya-Gruppe 28,6 % (95 % KI: [17,42, 39,73]) (N=63) und 12,7 % (95 % KI: [4,48, 20,92]) in der Placebo-Gruppe (N=63). Die Häufigkeit der unerwünschten Ereignisse war in beiden Behandlungsgruppen ähnlich. Die am häufigsten gemeldete unerwünschte Wirkung war Juckreiz.
5.2 Pharmakokinetische Eigenschaften
Klinische Untersuchungen haben gezeigt, dass die Tacrolimus-Konzentrationen im systemischen Kreislauf nach topischer Anwendung von Qvaya vernachlässigbar sind und, sofern sie überhaupt messbar sind, nur vorübergehend vorliegen.
Resorption
Daten aus einer pharmakokinetischen Studie im Rahmen der Phase-III-Studie (siehe Abschnitt 5.1) deuten darauf hin, dass nach einmaliger oder wiederholter topischer Anwendung der Tacrolimus Emulsion eine geringe oder keine systemische Exposition gegenüber Tacrolimus besteht. Die Tacrolimus-Konzentrationen lagen bei allen untersuchten Blutproben unter 1 ng/ml.
Die Ziel-Talspiegel für die systemische Immunsuppression für oral verabreichtes Tacrolimus liegen bei transplantierten Patienten bei 5–20 ng/ml. Bei den meisten Patienten mit atopischem Ekzem (Erwachsene und Kinder), die einmal oder wiederholt mit Tacrolimus-Salbe (0,03–0,1 %) behandelt wurden, und bei Kleinkindern im Alter ab 5 Monaten, die mit Tacrolimus-Salbe (0,03 %) behandelt wurden, lagen die Blutspiegel unter 1,0 ng/ml. In den Fällen, in denen Konzentrationen über 1,0 ng/ml gemessen wurden, waren diese nur vorübergehend erhöht. Die systemische Verfügbarkeit nimmt zu, je größer die behandelten Bereiche sind. Ausmaß und Rate der topischen Resorption nehmen jedoch mit Fortschreiten des Heilungsprozesses ab. Sowohl bei Erwachsenen als auch bei Kindern, bei denen etwa 50 % der Körperoberfläche behandelt wurden, war die systemische Verfügbarkeit (d.h. AUC) von Tacrolimus aus Tacrolimus-Salbe ungefähr 30-mal geringer als bei oraler Behandlung nach Nieren- oder Lebertransplantation mit immunsuppressiv wirksamen Dosen. Die niedrigste Konzentration von Tacrolimus im Blut, bei der systemische Wirkungen zu beobachten sind, ist nicht bekannt.
Bei Patienten (Erwachsene und Kinder) unter Langzeittherapie mit Tacrolimus-Salbe (bis zu einem Jahr) waren keine Anzeichen für eine systemische Akkumulation von Tacrolimus zu erkennen.
Verteilung
Da die systemische Exposition bei Tacrolimus Emulsion gering ist, wird die hohe Bindung von Tacrolimus (> 98,8%) an Plasmaproteine als klinisch nicht relevant angesehen.
Nach der topischen Anwendung von Tacrolimus Emulsion wird Tacrolimus selektiv in die Haut abgegeben und diffundiert nur minimal in den systemischen Kreislauf.
Biotransformation
Eine Metabolisierung von Tacrolimus in der menschlichen Haut war nicht feststellbar. Systemisch verfügbares Tacrolimus wird weitgehend in der Leber über CYP3A4 metabolisiert.
Elimination
Intravenös verabreichtes Tacrolimus zeigte eine niedrige Clearance-Rate. Die mittlere Gesamtkörper-Clearance beträgt ca. 2,25 l/h. Die hepatische Clearance von systemisch verfügbarem Tacrolimus könnte bei Patienten mit schwerer Leberschädigung oder bei Personen, die gleichzeitig mithochwirksamen CYP3A4- bzw. CYP 3A5-Hemmern behandelt werden, herabgesetzt sein.
Nach wiederholter topischer Anwendung einer Tacrolimus Salbe betrug die durchschnittliche Halbwertszeit von Tacrolimus bei Erwachsenen 75 Stunden und bei Kindern 65 Stunden.
Kinder und Jugendliche
Die Pharmakokinetik von Tacrolimus nach topischer Anwendung ist mit der bei Erwachsenen berichteten vergleichbar, wobei eine minimale systemische Exposition und keine Anhaltspunkte für eine Kumulation beobachtet werden (siehe oben).
5.3 Präklinische Daten zur Sicherheit
Toxizität bei mehrmaliger Anwendung und lokale Verträglichkeit
In der Chorioallantoismembran des Hühnereitests wurde kein Hinweis auf eine reizende oder gefäßaktive Wirkung der Tacrolimus Emulsion gefunden.
Mehrmalige topische Anwendung einer Tacrolimus Salbe oder Salbengrundlage verursachte an Ratten, Kaninchen und Zwergschweinen leichte Hautveränderungen wie Erytheme, Ödeme und Papeln. Langfristige topische Anwendung führte bei der Ratte zu systemischer Toxizität einschließlich Veränderungen an Nieren, Pankreas, Augen und Nervensystem. Den Veränderungen liegt eine hohe systemische Exposition gegenüber Tacrolimus zugrunde, die auf eine starke transdermale Resorption von Tacrolimus bei Nagern zurückzuführen ist. Beim Zwergschwein war nach Behandlung mit hochkonzentrierter Tacrolimus-Salbe (3 %) als einzige systemische Veränderung ein leichter Rückgang der Körpergewichtszunahme bei weiblichen Tieren zu verzeichnen.
Kaninchen waren gegenüber intravenöser Verabreichung von Tacrolimus besonders empfindlich und zeigten reversible kardiotoxische Veränderungen.
Mutagenität
Ein genotoxisches Potential von Tacrolimus war in in-vitro- und in-vivo-Untersuchungen nicht erkennbar.
Kanzerogenität
Systemische Kanzerogenitätsstudien an der Maus (18 Monate) und an der Ratte (24 Monate) ergaben keinen Hinweis auf ein kanzerogenes Potential von Tacrolimus.
In einer 24-monatigen dermalen Kanzerogenitätsstudie an Mäusen wurden bei Behandlung mit 0,1%iger Salbe keine Hauttumoren beobachtet. In der gleichen Studie wurde in Verbindung mit hoher systemischer Exposition eine erhöhte Inzidenz von Lymphomen beobachtet.
In einer Photokanzerogenitätsstudie wurden haarlose Albinomäuse chronisch mit Tacrolimus-Salbe und UV-Bestrahlung behandelt. Die mit Tacrolimus-Salbe behandelten Tiere zeigten eine statistisch signifikante Verkürzung der Zeitspanne bis zum Auftreten von Hauttumoren (Plattenepithelkarzinome) und eine erhöhte Anzahl von Tumoren. Dieser Effekt trat bei den höheren Konzentrationen von 0,3% und 1% auf. Die Relevanz für den Menschen ist derzeit nicht bekannt. Ob diese Wirkung von Tacrolimus durch systemische Immunsuppression oder über eine lokale Wirkung zustande kommt, ist unklar. Ein Risiko für Menschen kann nicht gänzlich ausgeschlossen werden, da die Auswirkung der lokalen Immunsuppression bei topischer Langzeitanwendung von Tacrolimus nicht bekannt ist.
Reproduktionstoxizität
An Ratten und Kaninchen wurde eine toxische Wirkung auf Embryonen/Föten beobachtet. Diese traten jedoch nur bei Dosierungen auf, die bei den Muttertieren zu einer signifikanten Toxizität führten. Nach Gabe hoher subkutaner Dosen von Tacrolimus kam es bei männlichen Tieren zu einer verminderten Spermafunktion.
6. PHARMAZEUTISCHE ANGABEN
6.1 Liste der sonstigen Bestandteile
Polysorbat 80
Macrogollaurylether
Isopropylmyristat
Pentylenglycol
Weinsäure
gereinigtes Wasser
6.2 Inkompatibilitäten
Nicht zutreffend.
6.3 Dauer der Haltbarkeit
3 Jahre
Nach Anbruch: Nicht über 25 °C lagern. Innerhalb von 5 Wochen verbrauchen.
6.4 Besondere Vorsichtsmaßnahmen für die Aufbewahrung
Im Kühlschrank lagern (2 - 8 °C).
Aufbewahrungsbedingungen nach Anbruch: siehe Abschnitt 6.3.
6.5 Art und Inhalt des Behältnisses
Flasche aus Polyethylen hoher Dichte (HDPE) mit einem Tropfaufsatz aus Polyethylen niedriger Dichte (LDPE) und einer HDPE Schraubkappe in Packungsgrößen zu 30 ml und 60 ml.
Es werden möglicherweise nicht alle Packungsgrößen in den Verkehr gebracht.
6.6 Besondere Vorsichtsmaßnahmen für die Beseitigung
Keine besonderen Anforderungen.
Nicht verwendetes Arzneimittel oder Abfallmaterial ist entsprechend den nationalen Anforderungen zu beseitigen.
7. INHABER DER ZULASSUNG
Pelpharma Handels GmbH
Wohndorfweg 36
3001 Tulbing,
Österreich
8. ZULASSUNGSNUMMER(N)
Z.Nr.: 142454
9. DATUM DER ERTEILUNG DER ZULASSUNG/VERLÄNGERUNG DER ZULASSUNG
Datum der Erteilung der Zulassung: 04.12.2024
10. STAND DER INFORMATION
Juli 2025
REZEPTPFLICHT / APOTHEKENPFLICHT
Rezept- und apothekenpflichtig, wiederholte Abgabe verboten.
