Fachinformation - Dydrogesteron Polpharma 10 mg Filmtabletten
1. BEZEICHNUNG DES ARZNEIMITTELS
Dydrogesteron Polpharma 10 mg Filmtabletten
2. QUALITATIVE UND QUANTITATIVE ZUSAMMENSETZUNG
Jede Filmtablette enthält 10 mg Dydrogesteron.
Sonstiger Bestandteil mit bekannter Wirkung:
Jede Filmtablette enthält 111,10 mg Lactose-Monohydrat.
Vollständige Auflistung der sonstigen Bestandteile, siehe Abschnitt 6.1.
3. DARREICHUNGSFORM
Filmtablette
Weiße, runde, bikonvexe Filmtablette mit dem Aufdruck „L1“ auf einer Seite und ohne Aufdruck auf der anderen Seite.
4. KLINISCHE ANGABEN
4.1 Anwendungsgebiete
Progesteronmangelzustände: Zur Behandlung von Zyklusunregelmäßigkeiten.
Hormonersatztherapie
Dydrogesteron kann in Ergänzung zu einer Estrogenbehandlung bei Frauen mit einem intakten Uterus angewendet werden, die an Beschwerden leiden, die auf eine natürlich einsetzende oder operativ herbeigeführte Menopause zurückzuführen sind. Im Rahmen der Hormonersatztherapie wirkt es dem Estrogeneinfluss auf das Endometrium entgegen.
4.2 Dosierung und Art der Anwendung
Dosierung
Dosierung, Behandlungsschema und Therapiedauer können je nach Schwere der Funktionsstörung und der klinischen Reaktion angepasst werden.
Progesteronmangelzustände, d. h. Behandlung von Zyklusunregelmäßigkeiten: 10 mg bis 20 mg (1 bis 2 Tabletten) täglich, beginnend mit der der zweiten Zyklushälfte bis zum ersten Tag des folgenden Zyklus. Der Starttag und die Anzahl der Behandlungstage hängen von der individuellen Zykluslänge ab.
Hormonersatztherapie, d. h. zur Ergänzung einer Estrogenbehandlung bei Frauen mit einem intakten Uterus, die an Beschwerden leiden, die auf die natürlich einsetzende oder operativ herbeigeführte Menopause zurückzuführen sind:
Kontinuierlich sequenzielle Therapie: Kontinuierliche Anwendung eines Estrogens;
sequenzielle Ergänzung mit einer Tablette mit 10 mg Dydrogesteron täglich für die letzten 14 Tage eines jeden 28-Tage-Zyklus.
Zyklische Therapie: Zyklische Anwendung eines Estrogens mit einem behandlungsfreien
Intervall, wobei üblicherweise an 21 Tagen die Anwendung erfolgt und 7 Tage anwendungsfrei sind. Für die letzten 12 bis 14 Tage der Estrogenanwendung wird täglich 1 Tablette mit 10 mg Dydrogesteron eingenommen.
- Abhängig von der klinischen Reaktion kann die Dosierung auf 20 mg Dydrogesteron täglich angepasst werden.
Normalerweise kommt es nach dem Absetzen von Dydrogesteron zu Entzugsblutungen.
Für den Beginn und die Fortsetzung der Behandlung postmenopausaler Symptome soll die niedrigste wirksame Dosis über die kürzeste Dauer (siehe auch Abschnitt 4.4) verwendet werden.
Art der Anwendung
Zum Einnehmen.
Bei der Einnahme höherer Dosen sollen die Tabletten gleichmäßig über den Tag verteilt eingenommen werden.
Kinder und Jugendliche
Vor der Menarche gibt es keinen relevanten Anwendungsbereich von Dydrogesteron. Die Sicherheit und Wirksamkeit von Dydrogesteron bei Jugendlichen im Alter von 12 bis 18 Jahren ist nicht erwiesen. Zurzeit vorliegende Daten werden in Abschnitt 4.8 und 5.1 beschrieben, eine Dosierungsempfehlung kann jedoch nicht gegeben werden.
4.3 Gegenanzeigen
Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff oder einen der in Abschnitt 6.1 genannten sonstigen
Bestandteile.
- Bekannte oder vermutete gestagenabhängige Tumore (z. B. Meningiom). - Vaginale Blutungen ungeklärter Ursache.
Gegenanzeigen für die Anwendung von Estrogenen sind zu berücksichtigen, wenn diese in
Kombination mit Dydrogesteron angewendet werden.
Schwere akute Lebererkrankung oder Stoffwechselstörung der Gallenfarbstoffe (Dubin-
Johnson-Syndrom, Rotor-Syndrom) oder eine Vorgeschichte dieser.
- Akuter Lebertumor oder eine Vorgeschichte von Lebertumoren.
- Thrombophlebitis und Thromboembolie.
4.4 Besondere Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen für die Anwendung
Vor der Einleitung einer Behandlung mit Dydrogesteron bei unregelmäßigen Blutungen, ist zunächst die Ursache dieser Blutungen abzuklären. Während des ersten Behandlungsmonats kann es zu Durchbruch- oder Schmierblutungen kommen. Wenn nach einiger Zeit der Therapie Durchbruch- oder Schmierblutungen auftreten oder nach Beendigung der Behandlung anhalten, muss die Ursache der Blutung oder Schmierblutung ermittelt werden. Die Untersuchung kann eine Biopsie des Endometriums umfassen, um eine maligne Erkrankung des Endometriums auszuschließen.
Gründe für den sofortigen Abbruch der Behandlung
Die Behandlung muss abgebrochen werden, wenn eine Kontraindikation auftritt sowie in den folgenden Situationen:
- migräneartige oder ungewöhnlich starke Kopfschmerzen
- akute Sehstörungen.
Beschwerden, die eine Überwachung erfordern:
Wenn eine der folgenden Beschwerden vorliegt oder zuvor während einer Schwangerschaft oder einer früheren Hormontherapie aufgetreten ist oder sich verschlimmert hat, soll die Patientin engmaschig überwacht werden. Es sollte berücksichtigt werden, dass diese Beschwerden während der Behandlung mit Dydrogesteron erneut auftreten oder sich verschlimmern können, und ein Abbruch der Behandlung sollte in Betracht gezogen werden. Dabei sind insbesondere folgende Beschwerden zu beachten:
- Porphyrie
- Depression
- Abnorme Leberfunktionswerte aufgrund einer akuten oder chronischen Lebererkrankung • Cholestatischer Ikterus und/oder Pruritus.
Im Allgemeinen scheint Dydrogesteron keinen Einfluss auf den Blutdruck bei normotensiven Frauen zu haben. Wenn sich jedoch während der Anwendung von Dydrogesteron ein dauerhafter, klinisch signifikanter Bluthochdruck entwickelt, ist es ratsam, Dydrogesteron abzusetzen und den Bluthochdruck zu behandeln.
In höheren Dosen ist im Fall von zerebralem Apoplex Vorsicht geboten (auch in der Anamnese).
Andere Erkrankungen
Die folgenden Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen betreffen die Einnahme von Dydrogesteron in Kombination mit einem Estrogen im Rahmen einer Hormonersatztherapie (HRT): Beachten Sie auch die Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen in der Produktinformation des Estrogenpräparats.
Zur Behandlung postmenopausaler Symptome sollte eine HRT nur bei Symptomen, die die Lebensqualität negativ beeinflussen, begonnen werden. In allen Fällen muss mindestens jährlich eine sorgfältige Nutzen-Risiko-Abwägung vorgenommen werden und die HRT sollte nur so lange fortgesetzt werden, wie der Nutzen das Risiko überwiegt.
Es liegen nur begrenzte Daten zu den Risiken einer HRT bei vorzeitiger Menopause vor. Aufgrund des geringeren absoluten Risikos bei jüngeren Frauen könnte das Nutzen-Risiko-Verhältnis bei diesen Frauen günstiger sein als bei älteren Frauen.
Medizinische Untersuchungen/Nachsorge
Vor dem Beginn oder der Wiederaufnahme einer HRT muss eine vollständige persönliche und familiäre Krankengeschichte erhoben werden. Die ärztliche Untersuchung (einschließlich Becken- und Brustuntersuchung) sollte sich an Informationen orientieren, die auf der Krankengeschichte, Kontraindikationen und Vorsichtsmaßnahmen für die Anwendung einer HRT beruhen. Während der Behandlung sind regelmäßige Kontrolluntersuchungen empfehlenswert, deren Häufigkeit und Art sich nach dem individuellen Zustand der Patientin richten. Frauen sollen darüber informiert werden, welche Veränderungen an der Brust sie ihrem Arzt mitteilen müssen (siehe „Brustkrebs“ weiter unten). Untersuchungen, einschließlich geeigneter bildgebender Verfahren wie Mammographie, sind gemäß der derzeit anerkannten Screening-Praxis durchzuführen und an die klinischen Bedürfnisse der einzelnen Person anzupassen.
Endometriumhyperplasie und Endometriumkarzinom
Bei Frauen mit intakter Gebärmutter erhöht sich das Risiko einer Endometriumhyperplasie und eines Endometriumkarzinoms, bei längerfristiger Estrogen-Monotherapie.
Die zusätzliche zyklische Gabe eines Gestagens wie Dydrogesteron für die Dauer von mindestens 12 Tagen pro Monat bzw. pro 28-Tage-Zyklus oder die kontinuierlich kombinierte Estrogen-Gestagen-Behandlung von Frauen mit intaktem Uterus, kompensiert das zusätzliche Risiko, das von einer HRT in der Form einer Estrogen-Monotherapie ausgeht.
Brustkrebs
Die Gesamtdaten deuten auf ein erhöhtes Brustkrebsrisiko bei Frauen hin, die eine kombinierte HRT mit Estrogen und Gestagen oder eine HRT nur mit Estrogen erhalten; dieses Risiko ist von der Dauer der HRT abhängig.
Kombinierte Estrogen-Gestagen-Therapie: Die randomisierte, Placebo-kontrollierte Studie Women's Health Initiative Study (WHI) und eine Metaanalyse prospektiver epidemiologischer Studien kommen zu dem Schluss, dass bei Frauen, die eine Kombination aus Estrogen und Gestagen als HRT einnehmen, ein erhöhtes Brustkrebsrisiko besteht. Dieses Risiko wird nach etwa 3 (1 – 4) Jahren deutlich.
Die Ergebnisse einer großen Metaanalyse zeigten, dass nach dem Absetzen der Behandlung das zusätzliche Risiko mit der Zeit abnimmt und dass die zur Rückkehr zum Ausgangswert benötigte Zeit von der Dauer der vorherigen HRT-Anwendung abhängt. Wenn die HRT länger als 5 Jahre angewendet wurde, kann das Risiko 10 Jahre oder länger bestehen bleiben.
Eine HRT, insbesondere eine Kombinationsbehandlung mit Estrogenen und Gestagenen, führt zu einer erhöhten Brustdichte in der Mammographie, was sich negativ auf die radiologische Brustkrebserkennung auswirken kann.
Eierstockkrebs
Eierstockkrebs ist viel seltener als Brustkrebs.
Epidemiologische Erkenntnisse aus einer großen Metaanalyse deuten auf ein leicht erhöhtes Risiko für Eierstockkrebs bei Frauen hin, die eine HRT mit Estrogen-Monopräparaten oder eine Estrogen-Gestagen-Kombination einnehmen. Dieses Risiko zeigt sich innerhalb von 5 Anwendungsjahren und verringert sich nach Absetzen allmählich.
Einige weitere Studien, einschließlich der WHI-Studie, weisen darauf hin, dass die Anwendung einer kombinierten HRT mit einem ähnlichen oder leicht geringeren Risiko verbunden sein könnte (siehe Abschnitt 4.8).
Venöse Thromboembolie
Mit einer HRT geht ein 1,3- bis 3-fach erhöhtes Risiko für eine venöse Thromboembolie (VTE), also eine tiefe Venenthrombose oder Lungenembolie, einher. Das Auftreten eines solchen Ereignisses ist im ersten Jahr der HRT-Anwendung viel wahrscheinlicher als später.
Bei Patientinnen mit bekannter Thrombophilie besteht ein erhöhtes VTE-Risiko, und eine HRT kann dieses Risiko noch erhöhen. Daher ist eine HRT bei diesen Patientinnen kontraindiziert.
Zu den allgemein anerkannten Risikofaktoren für VTE zählen die Einnahme von Estrogenen, ein höheres Alter, größere chirurgische Eingriffe, längere Immobilität, Fettleibigkeit (BMI >30 kg/ m²), Schwangerschaft/Wochenbett, systemischer Lupus erythematodes (SLE) und Krebs. Es besteht kein Konsens über die mögliche Rolle von Krampfadern bei VTE.
Wie bei allen postoperativen Patienten müssen prophylaktische Maßnahmen in Betracht gezogen werden, um einer VTE nach der Operation vorzubeugen. Falls es nach einem geplanten chirurgischen Eingriff zu längerer Immobilität kommt, wird empfohlen, die HRT 4 bis 6 Wochen vor dem chirurgischen Eingriff vorübergehend abzusetzen. Die Behandlung sollte erst wieder aufgenommen werden, wenn die Frau wieder vollständig mobil ist.
Frauen, die selbst keine VTE-Vorgeschichte haben, aber einen nahen Verwandten haben, der in jungem Alter an einer Thrombose erkrankt war, kann ein Screening angeboten werden. Vorher sollte die Patientin eingehend über die begrenzte Aussagekraft dieses Verfahrens beraten werden (Es wird nur ein Teil der Defekte identifiziert, die zu einer Thrombophilie führen). Wenn ein thrombophiler Defekt festgestellt wird, der mit Thrombosen bei Familienmitgliedern einhergeht, oder wenn es sich um einen „schweren“ Defekt handelt (z. B. Antithrombin-, Protein-S- oder Protein-C-Mangel oder eine Kombination von Defekten), ist eine HRT kontraindiziert.
Bei Frauen, die bereits dauerhaft mit Antikoagulanzien behandelt werden, muss das Nutzen-Risiko-Verhältnis einer HRT-Behandlung sorgfältig abgewogen werden.
Wenn nach Beginn der Behandlung eine VTE auftritt, muss das Arzneimittel abgesetzt werden. Den Patientinnen sollte geraten werden, ihren Arzt zu kontaktieren, sobald sie das Auftreten eines möglichen Symptoms einer Thromboembolie bemerken (z. B. schmerzhafte Schwellung der unteren Extremitäten, plötzlicher Brustschmerz, Dyspnoe).
Koronare Herzerkrankung (KHK)
Randomisierte, kontrollierte Studien haben keinen Hinweis darauf ergeben, dass Frauen mit oder ohne bestehender KHK, die eine Kombinationstherapie mit Estrogen und Gestagen oder eine HRT mit nur Estrogen erhielten, vor einem Herzinfarkt geschützt sind.
Kombinierte Estrogen-Gestagen-Therapie: Das relative Risiko einer KHK ist während der kombinierten Estrogen-Gestagen-HRT leicht erhöht. Da das absolute Grundrisiko einer KHK weitgehend vom Alter abhängt, ist die Zahl der durch die Anwendung einer Estrogen-Gestagen-Kombination verursachten KHK-Fälle bei gesunden Frauen vor der Menopause sehr gering, steigt jedoch mit zunehmendem Alter an.
Ischämischer Schlaganfall
Die Behandlung mit einer Estrogen-Gestagen-Kombination und einer Estrogen-Monotherapie ist mit einem bis zu 1,5-fach erhöhten Risiko eines ischämischen Schlaganfalls verbunden. Das relative Risiko ist unabhängig vom Alter und der Zeitspanne, die seit der Menopause vergangen ist. Da das Grundrisiko eines Schlaganfalls jedoch stark vom Alter abhängt, steigt das allgemeine Schlaganfallrisiko bei Frauen, die eine HRT anwenden, mit zunehmendem Alter.
Sonstige Bestandteile
Dieses Arzneimittel enthält Lactose.
Patienten mit der seltenen hereditären Galactose-Intoleranz, völligem Lactase-Mangel oder Glucose-Galactose-Malabsorption sollten dieses Arzneimittel nicht einnehmen.
4.5 Wechselwirkungen mit anderen Arzneimitteln und sonstige Wechselwirkungen
In-vitro-Daten zeigen, dass der wichtigste Stoffwechselumwandlungsweg, der den wichtigsten pharmakologisch aktiven Metaboliten 20-Dihydrodihydrogesteron (DHD) bildet, im menschlichen Zytosol durch Aldo-Keto-Reduktase 1C (AKR 1C) katalysiert wird. Neben dem zytosolischen Metabolismus erfolgen metabolische Transformationen über Cytochrom P 450 (CYP) Isoenzyme - hier fast ausschließlich über CYP3A4, wodurch mehrere kleinere Metaboliten entstehen. Der aktive Hauptmetabolit DHD wird durch CYP3A4 metabolisiert.
Daher kann der Dydrogesteron- und DHD-Metabolismus durch die gleichzeitige Anwendung von Substanzen erhöht werden, die bekannt dafür sind, CYP - Enzyme zu induzieren. Zu diesen Substanzen gehören Antikonvulsiva (z. B. Phenobarbital, Phenytoin, Carbamazepin), Präparate zur Behandlung von Infektionen (z. B. Rifampicin, Rifabutin, Nevirapin, Efavirenz) und pflanzliche Zubereitungen, die Johanniskraut (Hypericum perforatum), Salbei oder Ginkgo biloba enthalten.
Obwohl bekannt ist, dass Ritonavir und Nelfinavir starke Inhibitoren von Cytochrom-Enzymen sind, verfügen sie bei gleichzeitiger Anwendung mit Steroidhormonen über enzyminduzierende Eigenschaften.
Klinisch kann ein erhöhter Dydrogesteron-Stoffwechsel zu einer verminderten Wirkung führen.
In-vitro-Studien zeigen, dass weder Dydrogesteron noch DHD in klinisch relevanten Konzentrationen Arzneimittel-metabolisierende CYP-Enzyme hemmen oder induzieren.
Da Progesteron die Diabeteseinstellung beeinflussen kann, ist möglicherweise eine Anpassung der Antidiabetika-Dosierung erforderlich.
4.6 Fertilität, Schwangerschaft und Stillzeit
Schwangerschaft
Dydrogesteron ist zur Anwendung in der Schwangerschaft nicht zugelassen. Schätzungsweise waren mehr als 10 Millionen Schwangerschaften dem Einfluss von Dydrogesteron ausgesetzt. Bisher liegen keine Hinweise auf eine schädliche Wirkung durch die Anwendung von Dydrogesteron während der Schwangerschaft vor.
Aus der Literatur geht hervor, dass einige Gestagene mit einem erhöhten Risiko für das Auftreten von Hypospadien verbunden sind. Aufgrund der unklaren Umstände während einer Schwangerschaft kann jedoch keine sichere Aussage über den Einfluss von Gestagenen auf das Hypospadie-Risiko getroffen werden. Klinische Studien, in denen eine begrenzte Anzahl von Frauen in der Frühschwangerschaft mit Dydrogesteron behandelt wurden, zeigten kein erhöhtes Risiko. Weitere epidemiologische Daten liegen derzeit nicht vor.
Die Wirkungen in nichtklinischen Studien zur embryonalen, fetalen und postnatalen Entwicklung standen im Einklang mit dem pharmakologischen Profil. Unerwünschte Wirkungen traten erst in Dosierungen auf, die die maximale Dosierung beim Menschen deutlich überstiegen, was auf eine geringe Relevanz für die klinische Anwendung schließen lässt (siehe Abschnitt 5.3).
Stillzeit
Es liegen keine Daten zur Ausscheidung von Dydrogesteron in die Muttermilch vor. Erfahrungen mit anderen Gestagenen zeigen, dass Gestagene und ihre Metabolite in geringen Mengen in die Muttermilch übergehen.
Es ist nicht bekannt, ob ein Risiko für das Baby besteht. Daher sollte Dydrogesteron während der Stillzeit nicht eingenommen werden.
Fertilität
Es gibt keine Hinweise darauf, dass Dydrogesteron in therapeutischen Dosen die Fertilität verringert.
4.7 Auswirkungen auf die Verkehrstüchtigkeit und die Fähigkeit zum Bedienen von
Maschinen
Dydrogesteron Polpharma hat einen geringen Einfluss auf die Verkehrstüchtigkeit und die Fähigkeit zum Bedienen von Maschinen.
Dydrogesteron kann in seltenen Fällen leichte Schläfrigkeit oder Schwindelgefühle hervorrufen, insbesondere während der ersten Stunden nach der Anwendung. Daher sollten Maschinen oder Fahrzeuge nur mit Vorsicht bedient werden.
4.8 Nebenwirkungen
In klinischen Studien zu Indikationen ohne Estrogen-Anwendung waren die am häufigsten berichteten Nebenwirkungen bei Patientinnen unter Dydrogesteron-Behandlung Migräne/Kopfschmerzen, Übelkeit, Blutungsstörungen und Schmerzen/Empfindlichkeit der Brust.
Die folgenden Nebenwirkungen wurden mit den unten angegebenen Häufigkeiten während klinischer Studien mit Dydrogesteron Behandlung (n = 3 483) in Indikationen ohne Estrogen-Anwendung und aufgrund von Spontanberichten beobachtet:
| Systemorganklassen nach MedDRA | Häufig (≥1/100, <1/10) | Gelegentlich (≥1/1 000, <1/100) | Selten (≥1/10 000, <1/1 000) |
Gutartige, bösartige und nicht spezifizierte Neubildungen (einschl. Zysten und Polypen) | Größenzunahme gestagenabhängiger Tumore (z. B. Meningiom)* | ||
| Erkrankungen des Blutes und des Lymphsystems | Hämolytische Anämie * |
| Psychiatrische Erkrankungen | Depressive Verstimmung | ||
Erkrankungen des Immunsystems | Überempfindlichkeits reaktionen | ||
| Erkrankungen des Nervensystems | Migräne/ Kopfschmerzen | Schwindel | Schläfrigkeit |
| Erkrankungen des Gastrointestinaltrakts | Übelkeit | Erbrechen | |
Leber- und Gallenerkrankungen | Leberfunktionsstörun gen (mit Asthenie oder Unwohlsein, Gelbsucht und Bauchschmerzen) | ||
Erkrankungen der Haut und des Unterhautgewebes | Allergische Dermatitis (z. B. Hautausschlag, Urtikaria, Pruritus) | Angioödem* | |
| Erkrankungen der Geschlechtsorgane und der Brustdrüse | Menstruationsbesch werden (einschließlich Metrorrhagie, Menorrhagie, Oligo-/Amenorrhoe, Dysmenorrhoe und unregelmäßige Menstruation) Schmerzen/Empfind lichkeit der Brust | Brustschwellung | |
Allgemeine Erkrankungen und Beschwerden am Verabreichungsort | Ödem | ||
| Untersuchungen | Gewichtszunahme |
* Nebenwirkungen aus dem Spontanmeldesystem, die nicht in klinischen Studien beobachtet wurden, wurden der Häufigkeit „Selten“ zugeordnet, da das obere Limit des 95 %-Konfidenzintervalls der Häufigkeitsschätzung nicht höher als 3/x ist, wobei x = 3 483 ist (Gesamtzahl der Probanden in klinischen Studien).
Nebenwirkungen bei Jugendlichen
Basierend auf Berichten aus dem Spontanmeldesystem und limitierten Daten aus klinischen Studien wird ein ähnliches Nebenwirkungsprofil bei Jugendlichen erwartet, wie das bei Erwachsenen beobachtete.
Nebenwirkungen, die mit einer kombinierten Therapie aus Estrogen und Gestagen in Verbindung gebracht werden (für weitere Informationen siehe Abschnitt 4.4 und Fachinformation des Estrogenpräparates):
- Brustkrebs, Endometriumhyperplasie, Endometriumkarzinom, Eierstockkrebs • Venöse Thromboembolie
- Myokardinfarkt, ischämische Herzkrankheit, ischämischer Schlaganfall.
Meldung des Verdachts auf Nebenwirkungen
Die Meldung des Verdachts auf Nebenwirkungen nach der Zulassung ist von großer Wichtigkeit. Sie ermöglicht eine kontinuierliche Überwachung des Nutzen-Risiko-Verhältnisses des Arzneimittels. Angehörige von Gesundheitsberufen sind aufgefordert, jeden Verdachtsfall einer Nebenwirkung über das nationale Meldesystem anzuzeigen:
Bundesamt für Sicherheit im Gesundheitswesen
Traisengasse 5
1200 Wien
Österreich
Fax: +43 (0) 50 555 36207
Website: http://www.basg.gv.at/
4.9 Überdosierung
Daten zur Überdosierung beim Menschen sind begrenzt. Dydrogesteron wurde nach oraler Verabreichung gut vertragen (die maximale Tagesdosis beim Menschen betrug bislang 360 mg). Die Behandlung sollte symptomatisch erfolgen, es sind keine spezifischen Gegenmittel bekannt. Diese Angaben gelten auch für die Überdosierung bei Kindern.
5. PHARMAKOLOGISCHE EIGENSCHAFTEN
5.1 Pharmakodynamische Eigenschaften
Pharmakotherapeutische Gruppe: Sexualhormone und Modulatoren des Genitalsystems, Gestagene, Pregnadien Derivate, ATC-Code: G03DB01
Dydrogesteron ist ein oral wirksames Gestagen, welches eine volle sekretorische Transformation des unter Estrogeneinfluss aufgebauten Endometriums bewirkt. Dadurch wird das Endometrium vor dem erhöhten Risiko einer Hyperplasie oder Karzinogenese geschützt, das durch Estrogene hervorgerufen werden kann. Dydrogesteron weist keine estrogene, androgene, thermogene, anabole oder kortikoide Aktivität auf.
Jugendliche
Begrenzte Daten aus klinischen Studien zeigen, dass die Wirkung von Dydrogesteron bei der Linderung von Symptomen der Dysmenorrhoe, des prämenstruellen Syndroms, der dysfunktionellen Uterusblutung und bei Zyklusunregelmäßigkeiten bei Patientinnen unter 18 Jahren mit der Wirkung bei Erwachsenen vergleichbar ist.
5.2 Pharmakokinetische Eigenschaften
Resorption
Nach oraler Verabreichung wird Dydrogesteron schnell absorbiert. Tmax liegt zwischen 0,5 und 2,5 Stunden. Die absolute Bioverfügbarkeit von Dydrogesteron (orale Dosis 20 mg versus 7,8 mg bei intravenöser Infusion) liegt bei 28 %.
Die folgende Tabelle zeigt die pharmakokinetischen Parameter von Dydrogesteron (D) und 20α-Dihydrodydrogesteron (DHD) nach Gabe einer Einzeldosis von 10 mg Dydrogesteron:
| D | DHD | |
| Cmax (ng/ml) | 2,1 | 53,0 |
| AUCinf (ng•h/ml) | 7,7 | 322,0 |
Verteilung
Nach intravenöser Verabreichung von Dydrogesteron liegt das Steady-State-Verteilungsvolumen bei etwa 1 400 L. Dydrogesteron und DHD sind zu über 90 % an Plasmaproteine gebunden.
Biotransformation
Nach oraler Verabreichung wird Dydrogesteron schnell zu DHD metabolisiert. Die Konzentration des aktiven Hauptmetaboliten DHD erreicht etwa 1,5 Stunden nach Einnahme ihr Maximum. Die Plasmaspiegel von DHD sind im Vergleich zur Ausgangssubstanz wesentlich höher. Die AUC- und Cmax- Verhältnisse von DHD zu Dydrogesteron liegen in der Größenordnung von 40 bzw. 25. Die mittleren terminalen Halbwertszeiten von Dydrogesteron und DHD variieren zwischen 5 und 7 bzw. 14 bis 17 Stunden. Ein gemeinsames Merkmal aller charakterisierten Metaboliten ist die Beibehaltung der 4,6-dien-3-on-Konfiguration der Ausgangsverbindung und das Fehlen der 17α-Hydroxylierung. Dies erklärt das Fehlen estrogener und androgener Aktivität von Dydrogesteron.
Elimination
Nach oraler Verabreichung von markiertem Dydrogesteron werden durchschnittlich 63 % der Dosis über den Urin ausgeschieden. Die Gesamt-Plasma-Clearance liegt bei 6,4 L/min. Innerhalb von 72 Stunden ist die Ausscheidung abgeschlossen. DHD ist im Urin überwiegend als Glucuronsäurekonjugat vorhanden.
Linearität/Nicht-Linearität
Die Pharmakokinetik bei Einzel- und Mehrfachdosen ist im oralen Dosisbereich von 2,5 bis 10 mg linear. Ein Vergleich der Kinetik bei Einzel- und Mehrfachdosierung zeigt, dass sich die Pharmakokinetik von Dydrogesteron und DHD bei wiederholter Gabe nicht ändert. Der Steady State wurde nach drei Behandlungstagen erreicht.
5.3 Präklinische Daten zur Sicherheit
Nichtklinische Daten aus konventionellen Studien zur Toxizität bei einmaliger und wiederholter Gabe, zur Genotoxizität und zum karzinogenen Potenzial lassen keine besondere Gefahr für den Menschen erkennen.
Studien zur Reproduktionstoxizität bei Ratten haben unter hohen Dosierungen, die mit der Dosierung beim Menschen nicht vergleichbar sind, eine erhöhte Inzidenz von hervortretenden Brustwarzen (zwischen dem 11. und 19. Lebenstag) und Hypospadien bei den männlichen Nachkommen gezeigt. Das tatsächliche Risiko einer Hypospadie beim Menschen kann in Tierstudien nicht bestimmt werden, da es zwischen Ratte und Mensch erhebliche Unterschiede im Stoffwechsel gibt (siehe auch Abschnitt 4.6).
Begrenzte Sicherheitsdaten aus Tierversuchen weisen darauf hin, dass Dydrogesteron einen verlängernden Effekt auf die Geburt hat, was mit seiner gestagenen Aktivität übereinstimmt.
Beurteilung der Risiken für die Umwelt (Environmental Risk Assessment [ERA]) Umweltverträglichkeitsstudien haben gezeigt, dass Dydrogesteron ein Risiko für die aquatische Umwelt darstellen kann.
6. PHARMAZEUTISCHE ANGABEN
6.1 Liste der sonstigen Bestandteile
Tablettenkern:
Lactose-Monohydrat
Hypromellose
Maisstärke
hochdisperses Siliciumdioxid
Magnesiumstearat
Filmüberzug:
Hypromellose
Macrogol
Titandioxid (E 171)
6.2 Inkompatibilitäten
Nicht zutreffend.
6.3 Dauer der Haltbarkeit
3 Jahre
6.4 Besondere Vorsichtsmaßnahmen für die Aufbewahrung
Für dieses Arzneimittel sind keine besonderen Lagerungsbedingungen erforderlich.
6.5 Art und Inhalt des Behältnisses
Dydrogesteron Polpharma ist verpackt in Blisterpackungen bestehend aus Polyvinylchlorid (PVC), beschichtet mit Polyvinylidenchlorid (PVDC)-Blistern, heißversiegelt mit Aluminiumfolie (Alu).
Packungsinhalt: 10, 20, 28, 56 und 84 Filmtabletten.
Es werden möglicherweise nicht alle Packungsgrößen in den Verkehr gebracht.
6.6 Besondere Vorsichtsmaßnahmen für die Beseitigung
Dieses Arzneimittel kann ein Risiko für die aquatische Umwelt darstellen. Nicht verwendetes Arzneimittel oder Abfallmaterial ist entsprechend den nationalen Anforderungen zu beseitigen.
7. INHABER DER ZULASSUNG
Zakłady Farmaceutyczne POLPHARMA S.A.
Ul. Pelplińska 19, 83-200 Starogard Gdański
Polen
8. ZULASSUNGSNUMMER(N)
Z.Nr.:
9. DATUM DER ERTEILUNG DER ZULASSUNG/VERLÄNGERUNG DER ZULASSUNG
Datum der Erteilung der Zulassung:
10. STAND DER INFORMATION
Dezember 2024
REZEPTPFLICHT/APOTHEKENPFLICHT
Rezept- und apothekenpflichtig.
