Fachinformation - Decostriol 0,25 Mikrogramm Weichkapseln
1. BEZEICHNUNG DES ARZNEIMITTELS
Decostriol 0,25 Mikrogramm Weichkapseln
Decostriol 0,5 Mikrogramm Weichkapseln
2. QUALITATIVE UND QUANTITATIVE ZUSAMMENSETZUNG
Decostriol 0,25 Mikrogramm Weichkapseln:
1 Weichkapsel enthält 0,25 Mikrogramm Calcitriol.
Decostriol 0,5 Mikrogramm Weichkapseln:
1 Weichkapsel enthält 0,5 Mikrogramm Calcitriol.
Sonstige Bestandteile mit bekannter Wirkung:
Dieses Arzneimittel enthält 99,098 mg raffiniertes Erdnussöl, 6 mg Sorbitol und 0,869 mg Alkohol (Ethanol) pro Weichkapsel.
Vollständige Auflistung der sonstigen Bestandteile, siehe Abschnitt 6.1.
3. DARREICHUNGSFORM
Weichkapsel.
Decostriol 0,25 Mikrogramm Weichkapseln
Opake, rosafarbene, ovale Weichgelatinekapsel
Decostriol 0,5 Mikrogramm Weichkapseln
Opake, rote, ovale Weichkapsel
4. KLINISCHE ANGABEN
4.1 Anwendungsgebiete
Decostriol wird angewendet bei Erwachsenen zur Behandlung von
schwerem oder progressivem sekundärem Hyperparathyreoidismus, der zu einer renalen
Osteodystrophie mit mittelschwerer bis schwerer chronischer Niereninsuffizienz führt - Hypokalzämie aufgrund von Hypoparathyreoidismus (postoperativer, idiopathischer und
Pseudohypoparathyreoidismus)
- angeborener hypophosphatämischer Rachitis.
4.2 Dosierung und Art der Anwendung
Dosierung
Die Wirksamkeit der Behandlung hängt zum Teil von einer angemessenen täglichen Calciumzufuhr ab, die bei Bedarf durch Ernährungsanpassungen oder Ergänzungsmittel zu erhöhen ist. Diätetische Hinweise, insbesondere bezüglich Calciumpräparaten, sind strikt zu beachten. Eine unkontrollierte Einnahme von zusätzlichen calciumhaltigen Präparaten ist zu vermeiden.
Zur Einstellung ist die Therapie mit der kleinstmöglichen Dosis (0,25 µg) zu beginnen und nur unter genauer Kontrolle des Serumcalciums zu erhöhen.
Während der Behandlung sind die Calciumspiegel im Serum und Urin regelmäßig zu kontrollieren. Sollte der Serumcalciumspiegel auf 1 mg/100 ml (0,250 mmol/l) über dem Normbereich (9‑11 mg/100 ml oder 2,25‑2,75 mmol/l) ansteigen, muss die Behandlung mit Calcitriol unverzüglich unterbrochen werden, bis eine Normokalzämie erreicht wird.
Erwachsene
Schwerer oder progressiver sekundärer Hyperparathyreoidismus, der zu einer renalen Osteodystrophie führt
Die Behandlung ist mit niedrigen Dosen unabhängig von der anfänglichen PTH-Konzentration zu beginnen und je nach Ansprechen des PTH zu titrieren.
Die tägliche Dosis beträgt anfangs 0,25 µg Calcitriol.
Für Patienten mit normalem oder nur geringfügig vermindertem Calciumgehalt genügt eine Dosis von 0,25 µg Calcitriol jeden 2. Tag.
Wenn innerhalb von 2‑4 Wochen kein befriedigendes Ansprechen der biochemischen Parameter und klinischen Erscheinungen der Erkrankung beobachtet wird, kann die Tagesdosis in 2- bis 4‑wöchigen Abständen jeweils um 0,25 µg erhöht werden.
Die meisten Patienten sprechen auf eine Dosis zwischen 0,5 µg und 1,0 µg pro Tag an. Eine maximale kumulative Gesamtdosis von 12 µg/Woche darf nicht überschritten werden.
Hypokalzämie aufgrund von Hypoparathyreoidismus
Die empfohlene Anfangsdosis beträgt 0,25 µg/Tag. Wenn kein befriedigendes Ansprechen der biochemischen und klinischen Parameter der Erkrankung beobachtet wird, kann die Tagesdosis in 2- bis 4‑wöchigen Abständen jeweils um 0,25 µg erhöht werden.
Angeborene hypophosphatämische Rachitis
Die Behandlung wird mit 0,25 µg Calcitriol pro Tag eingeleitet und muss auf Basis des klinischen und biochemischen Ansprechens angepasst werden.
Kinder und Jugendliche
Die Anwendung von Decostriol bei Kindern und Jugendlichen unter 18 Jahren wird nicht empfohlen. Die Sicherheit und Wirksamkeit von Calcitriol Kapseln wurden nicht ausreichend untersucht, um Dosierungsempfehlungen geben zu können. Bei Kindern unter 6 Jahren besteht aufgrund der Darreichungsform als Weichkapsel Erstickungsgefahr.
Ältere Patienten
Bei älteren Patienten ist keine spezielle Dosisanpassung erforderlich. Die allgemeinen Empfehlungen zur Überwachung der Calciumspiegel im Serum und Urin sowie des Serumkreatinins müssen beachtet werden.
Eingeschränkte Leberfunktion
Es liegen keine Daten vor.
Art der Anwendung
Zum Einnehmen.
Die Weichkapseln sollen unzerkaut vorzugsweise nach dem Frühstück zusammen mit etwas Wasser eingenommen werden.
Erhöhte Tagesdosen werden 2- bis 3-mal täglich zu den Mahlzeiten eingenommen (d.h. die Gesamttagesdosis wird auf 2‑3 Teilmengen aufgeteilt).
Dauer der Behandlung
Die Dauer der Behandlung mit Calcitriol richtet sich nach dem Schweregrad der Erkrankung und den Laborwerten.
4.3 Gegenanzeigen
Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff oder andere Stoffe aus derselben Substanzgruppe
(Vitamin D oder Metaboliten), Erdnuss oder Soja oder einen der in Abschnitt 6.1 genannten sonstigen Bestandteile
- Alle Erkrankungen, die mit einer Hyperkalzämie oder Hyperkalzurie einhergehen - Angeborene hypophosphatämische Rachitis mit Hyperkalzurie
- Verdacht auf Hypervitaminose D
- Metastatische Kalzifikation
- Nephrokalzinose
- Nephrolithiasis
4.4 Besondere Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen für die Anwendung
Es besteht eine enge Korrelation zwischen der Behandlung mit Calcitriol und der Entwicklung einer Hyperkalzämie.
Eine Hyperkalzämie kann zu generalisierter Gefäßverkalkung, Nephrokalzinose und anderen Weichgewebsverkalkungen führen und ist deshalb kontraindiziert (siehe Abschnitt 4.3). Sobald der Serumcalciumspiegel auf 1 mg/100 ml (0,25 mmol/l) über dem Normbereich (9‑11 mg/100 ml oder 2,25‑2,750 mmol/l) ansteigt, muss die Behandlung mit Calcitriol unverzüglich unterbrochen werden, bis eine Normokalzämie erreicht wird (siehe Abschnitt 4.2).
Alle anderen Vitamin-D-Präparate und deren Derivate einschließlich bestimmter Präparate oder Lebensmittel, die mit Vitamin D angereichert sind, sind während der Behandlung mit Decostriol nicht einzunehmen.
Da Calcitriol der wirksamste verfügbare Vitamin-D-Metabolit ist, dürfen während der Behandlung mit Calcitriol keine anderen Vitamin-D-Präparate (einschließlich Vitamin-D-Analoga und Metaboliten) verschrieben werden, um sicherzustellen, dass die Entwicklung einer Hypervitaminose D vermieden wird. Wird der Patient von einem langwirksamen Vitamin-D-Präparat (z.B. Ergocalciferol oder Colecalciferol) auf eine Calcitriol-Behandlung umgestellt, kann es einige Monate dauern, bis der Ergocalciferolspiegel im Blut wieder auf seinen Ausgangswert zurückkehrt, wodurch das Risiko einer Hyperkalzämie erhöht wird (siehe Abschnitt 4.9).
Immobilisierte Patienten, z.B. nach einer Operation, sind besonders anfällig für eine Hyperkalzämie. Ein erhöhtes Risiko für eine Hyperkalzämie besteht auch bei Patienten mit Sarkoidose, Patienten mit Nephrolithiasis in der Vorgeschichte und bei Patienten unter Thiazid-Diuretika.
Eine abrupte Zunahme der Calciumzufuhr, entweder aufgrund einer Änderung der Ernährungsgewohnheiten (z.B. erhöhter Konsum von Milchprodukten) oder unkontrollierter Einnahme von Calciumpräparaten kann eine Hyperkalzämie auslösen. Patienten und deren Familienangehörige sind darauf hinzuweisen, dass eine strikte Befolgung der verschriebenen Diät notwendig ist, und sie sollen in der Erkennung der Symptome einer Hyperkalzämie unterwiesen werden (siehe Abschnitte 4.8 und 4.9).
Calcitriol erhöht den Serumspiegel von anorganischem Phosphat. Während dies bei Patienten mit Hypophosphatämie erwünscht ist, ist bei Patienten mit Niereninsuffizienz wegen der Gefahr ektopischer Kalzifikation Vorsicht geboten. In diesen Fällen ist der Plasmaphosphatspiegel durch orale Gabe geeigneter Phosphatbinder und eine phosphatarme Diät im Normbereich zu halten. Das Produkt aus Serumcalcium- und -phosphat (Ca × P) soll 70 mg2/dl2 nicht überschreiten. Patienten mit hereditärer hypophosphatämischer Rachitis, die mit Calcitriol behandelt werden, sollen ihre orale Phosphattherapie fortsetzen. Dabei kann der Bedarf an Phosphat jedoch vermindert werden, da Calcitriol die Aufnahme von Phosphat aus dem Darm in das Blut stimuliert.
Erforderliche regelmäßige Laboruntersuchungen umfassen die Bestimmung der Calcium-, Phosphat-, Magnesium- und Alkalische-Phosphatase-Spiegel im Serum sowie des Calcium- und Phosphatgehalts im Urin. Während der Stabilisierungsphase bei der Behandlung mit Calcitriol sind die Calciumspiegel im Serum regelmäßig zu kontrollieren (siehe Abschnitt 4.2).
Patienten mit normaler Nierenfunktion, die Calcitriol einnehmen, sollen eine Dehydratation vermeiden. Auf eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr ist zu achten.
Bei Patienten mit einer normalen Nierenfunktion kann eine chronische Hyperkalzämie mit einem erhöhten Serumkreatinin einhergehen. Bei einer Hyperkalzämie ist die Behandlung abzubrechen.
Es ist auf die frühzeitige Diagnose und Behandlung einer Störung des Magnesiumhaushalts zu achten, da dieser große Bedeutung für die Regulierung der Calciumhomöostase hat.
Decostriol enthält 0,869 mg Alkohol (Ethanol) pro Weichkapsel. Die Menge in einer Weichkapsel dieses Arzneimittels entspricht weniger als 1 ml Bier oder 1 ml Wein.
Die geringe Alkoholmenge in diesem Arzneimittel hat keine wahrnehmbaren Auswirkungen.
Decostriol enthält Sorbitol.
4.5 Wechselwirkungen mit anderen Arzneimitteln und sonstige Wechselwirkungen
Eine gleichzeitige Behandlung mit Thiazid-Diuretika erhöht das Risiko einer Hyperkalzämie.
Bei Patienten, die mit Digitalis-Präparaten behandelt werden, ist Calcitriol vorsichtig zu dosieren, da eine Hyperkalzämie bei diesen Patienten kardiale Arrhythmien hervorrufen kann.
Es besteht ein funktioneller Antagonismus zwischen Vitamin-D-Analoga, welche die Calciumresorption fördern, und Corticosteroiden, die diese hemmen.
Magnesium enthaltende Arzneimittel (z.B. Antazida) können eine Hypermagnesiämie verursachen und sind daher während einer Therapie mit Calcitriol bei Patienten unter chronischer Nierendialyse nicht anzuwenden. Siehe auch Abschnitt 4.4.
Da Calcitriol auch den Phosphattransport in Darm, Nieren und Knochen beeinflusst, muss sich die Dosierung von Phosphatbindern (z.B. Arzneimittel, die Aluminiumhydroxid oder Aluminiumcarbonat enthalten) nach der Serumphosphatkonzentration richten.
Patienten mit hereditärer hypophosphatämischer Rachitis sollen ihre orale Phosphattherapie fortsetzen. Eine mögliche Förderung der intestinalen Phosphataufnahme durch Calcitriol ist jedoch zu berücksichtigen, da dies eine Anpassung der Phosphatsubstitution erforderlich machen kann (siehe Abschnitt 4.4).
Eine Verabreichung von Enzyminduktoren wie Phenytoin oder Phenobarbital kann zu einer beschleunigten Metabolisierung führen und dadurch zu einer reduzierten Serumkonzentration von Calcitriol. Daher können höhere Dosen von Calcitriol erforderlich sein, wenn diese Arzneimittel gleichzeitig verabreicht werden.
Chelatbildner der Gallensäure, Ionenaustauscherharze, Laxantien, Orlistat
Wirkstoffe, die zu einer Fett-Malabsorption führen, wie z.B. Orlistat, Paraffinöl, Colestyramin oder Sevelamer, können die intestinale Resorption von Calcitriol vermindern.
4.6 Fertilität, Schwangerschaft und Stillzeit
Schwangerschaft
Es liegen keine ausreichenden und gut kontrollierten Studien bei Schwangeren vor. Tierexperimentelle Studien haben bei hohen Dosen von Vitamin D oder dessen Derivaten eine Reproduktionstoxizität gezeigt (siehe Abschnitt 5.3).
Decostriol darf während der Schwangerschaft nur angewendet werden, wenn der Nutzen das mögliche Risiko für den Fötus überwiegt.
Überdosierungen von Calcitriol in der Schwangerschaft müssen vermieden werden, da eine lang anhaltende Hyperkalzämie zu körperlicher und geistiger Retardierung, supravalvulärer Aortenstenose und Retinopathie des Kindes führen kann.
Es gibt keine Hinweise, die auf einen teratogenen Effekt von Vitamin D oder dessen Derivaten beim Menschen bei therapeutischen Dosen schließen lassen.
Während der Therapie von schwangeren Frauen hat eine engmaschige Kontrolle des Serumcalciumspiegels zu erfolgen, die auch im Wochenbett fortgesetzt werden soll (siehe Abschnitt 4.1).
Stillzeit
Es ist davon auszugehen, dass exogenes Calcitriol in die Muttermilch übergeht. In Hinblick auf die Möglichkeit einer Hyperkalzämie bei der Mutter und von Nebenwirkungen von Calcitriol bei gestillten Säuglingen dürfen Mütter während der Einnahme von Decostriol nur stillen, wenn der Serumcalciumspiegel der Mutter und des Säuglings überwacht werden.
Fertilität
Störungen der Fertilität wurden in tierexperimentellen Studien nicht beobachtet.
4.7 Auswirkungen auf die Verkehrstüchtigkeit und die Fähigkeit zum Bedienen von
Maschinen
Decostriol hat keinen oder einen zu vernachlässigenden Einfluss auf die Verkehrstüchtigkeit und die Fähigkeit zum Bedienen von Maschinen.
Es wurden keine Untersuchungen durchgeführt.
4.8 Nebenwirkungen
Die nachfolgenden Angaben zu den Nebenwirkungen basieren auf den Daten aus klinischen Studien mit Calcitriol und Daten nach der Markteinführung.
Die am häufigsten berichtete Nebenwirkung war Hyperkalzämie.
Systemorgan klasse (MedDRA)* | Häufigkeit der Nebenwirkungen | ||||
Sehr häufig (≥ 1/10) | Häufig (≥ 1/100, < 1/10) | Gelegentlich (≥ 1/1 000, < 1/100) | Selten (≥ 1/10 000, < 1/1 000) | Nicht bekannt (Häufigkeit auf Grundlage der verfügbaren Daten nicht abschätzbar) | |
Erkrankungen des Immunsystems | Schwere allergische Reaktionen | Überempfindlichk eit, Urtikaria | |||
auf Erdnussöl | |||||
Stoffwechsel- und Ernährungsstö rungen | Hyperkalzä mie | verminderter Appetit | Polydipsie, Dehydratation, Gewichtsverlust | ||
| Psychiatrische Erkrankungen | Apathie, psychiatrische Störungen | ||||
Erkrankungen des Nervensystem s | Kopfschmer zen | Muskelschwäche, Sensibiitätsstörung , Somnolenz | |||
| Herzerkrankun gen | Herzrhythmusstör ungen | ||||
Erkrankungen des Gastrointestina ltrakts | Abdominals chmerz, Übelkeit | Erbrechen | Obstipation, paralytischer Ileus | ||
Erkrankungen der Haut und des Unterhautgewe bes | Ausschlag | Erythem, Pruritus | |||
Skelettmuskul atur-, Bindegewebs- und Knochenerkra nkungen | Wachstumsverzög erung | ||||
| Erkrankungen der Nieren und Harnwege | Harnwegsin fektion | Polyurie, Nykturie | |||
Allgemeine Erkrankungen und Beschwerden am Verabreichung sort | Kalzinose, Fieber, Durst | ||||
| Untersuchunge n | erhöhter Kreatininspie gel im Blut |
* MedDRA-Version 12.0
Da Calcitriol eine Vitamin-D-Wirkung ausübt, sind die Nebenwirkungen mit Symptomen einer Vitamin-D-Überdosierung vergleichbar, nämlich Hyperkalzämiesyndrom bzw. Calciumintoxikation (abhängig von der Schwere und Dauer der Hyperkalzämie) (siehe Abschnitte 4.2, 4.4 und 4.9).
Gelegentlich können akute Symptome wie verminderter Appetit, Kopfschmerzen, Übelkeit, Erbrechen, Abdominal- oder Magenschmerzen und Obstipation auftreten.
Wegen der kurzen biologischen Halbwertszeit von Calcitriol haben pharmakokinetische Untersuchungen eine Normalisierung eines erhöhten Serumcalciums innerhalb weniger Tage nach Absetzen der Behandlung gezeigt, also viel rascher als bei der Behandlung mit Vitamin-D3-Präparaten.
Chronisch können Muskelschwäche, Gewichtsverlust, Sensibilitätsstörungen, Fieber, Durst, Polydipsie, Polyurie, Dehydratation, Apathie, Wachstumsverzögerung und Harnwegsinfekte auftreten.
Bei gleichzeitiger Hyperkalzämie und Hyperphosphatämie von > 6 mg/100 ml bzw. > 1,9 mmol/l kann es zu einer Kalzinose kommen, die radiologisch nachgewiesen werden kann.
Bei empfindlichen Personen können Überempfindlichkeitsreaktionen einschließlich Ausschlag, Erythem, Pruritus und Urtikaria auftreten.
Auffällige Laborwerte
Bei Patienten mit einer normalen Nierenfunktion kann eine chronische Hyperkalzämie mit einem erhöhten Blutkreatinin einhergehen.
Erfahrungen nach der Markteinführung
Die Anzahl von Nebenwirkungen, die während der klinischen Anwendung von Calcitriol über 15 Jahre in allen Anwendungsgebieten gemeldet wurde, ist für jede einzelne Nebenwirkung einschließlich Hyperkalzämie sehr gering und beträgt 0,001 % oder weniger.
Meldung des Verdachts auf Nebenwirkungen
Die Meldung des Verdachts auf Nebenwirkungen nach der Zulassung ist von großer Wichtigkeit. Sie ermöglicht eine kontinuierliche Überwachung des Nutzen-Risiko-Verhältnisses des Arzneimittels. Angehörige von Gesundheitsberufen sind aufgefordert, jeden Verdachtsfall einer Nebenwirkung über das nationale Meldesystem anzuzeigen:
Bundesamt für Sicherheit im Gesundheitswesen
Traisengasse 5
1200 Wien
ÖSTERREICH
Fax: +43 (0) 50 000 36207
Website: http://www.basg.gv.at
4.9 Überdosierung
Da Calcitriol ein Vitamin-D-Derivat ist, sind die Symptome einer Überdosierung gleich wie für eine Überdosierung mit Vitamin D. Einnahmen hoher Dosen von Calcium und Phosphat zusammen mit Calcitriol können ähnliche Symptome hervorrufen. Das Produkt aus Serumcalcium- und -phosphat (Ca × P) soll 70 mg2/dl2 nicht überschreiten. Ein hoher Calciumspiegel im Dialysat kann zur Entwicklung einer Hyperkalzämie beitragen.
Akute Symptome einer Vitamin-D-Intoxikation: Anorexie, Kopfschmerz, Erbrechen, Obstipation.
Chronische Symptome einer Vitamin-D-Intoxikation: Dystrophie (Schwäche, Gewichtsverlust), Sensibilitätsstörungen, eventuell Fieber mit Durst, Polyurie, Dehydratation, Apathie, Wachstumsstillstand und Harnwegsinfektionen. Es kommt zu einer Hyperkalzämie mit metastatischer Verkalkung von Nierenrinde, Myokard, Lunge und Pankreas und Funktionsstörungen dieser Organe mit Hypertonie, Herzrhythmusstörungen, Myokardinsuffizienz, Übelkeit, Erbrechen, Obstipation und manchmal auch Diarrhö.
Die folgenden Maßnahmen sind bei der Behandlung einer versehentlichen Überdosierung in Betracht zu ziehen:
- Verabreichung von Paraffinöl zur Förderung der fäkalen Ausscheidung - Wiederholte Serumcalciumbestimmungen sind angezeigt
- Sollten erhöhte Serumcalciumspiegel persistieren, können Phosphate und Corticosteroide verabreicht sowie Maßnahmen zur Erreichung einer angemessenen Diurese eingeleitet werden.
Hyperkalzämie mit höheren Spiegeln (> 3,2 mmol/l) kann zu einer Niereninsuffizienz führen, besonders wenn der Blutphosphatspiegel normal oder aufgrund einer Nierenfunktionsstörung erhöht ist.
Kommt es nach längerer Behandlung zu einer Hyperkalzämie, ist Calcitriol abzusetzen, bis ein normaler Calciumgehalt im Plasma erreicht wird. Eine calciumarme Ernährung beschleunigt diese Normalisierung. Die Behandlung mit Calcitriol kann dann mit einer niedrigeren Dosis oder mit der gleichen Dosis, aber seltenerer Gabe, als zuvor fortgesetzt werden.
Bei Patienten unter intermittierender Hämodialyse kann auch eine geringe Calciumkonzentration im Dialysat verwendet werden.
5. PHARMAKOLOGISCHE EIGENSCHAFTEN
5.1 Pharmakodynamische Eigenschaften
Pharmakotherapeutische Gruppe: Vitamin D und Analoga
ATC-Code: A11CC04
Calcitriol ist der aktivste bekannte Metabolit von Vitamin D3 zur Stimulierung des intestinalen Calciumtransports.
Die biologischen Wirkungen von Calcitriol werden durch den Vitamin-D-Rezeptor vermittelt. Dieser Rezeptor ist ein in den meisten Zelltypen vorhandener nukleärer Hormonrezeptor und wirkt nach Bindung an einer spezifischen DNA-Stelle als ligandenaktivierter Transkriptionsfaktor, der die Transkription im Zielgen verändert.
Die zwei bekannten Angriffspunkte von Calcitriol im Körper sind Darm und Knochen.
In der menschlichen Darmmukosa scheint ein calcitriolrezeptorbindendes Protein zu existieren; zusätzlich gibt es Hinweise darauf, dass Calcitriol auch direkt auf die Niere und Nebenschilddrüsen wirkt.
Patienten mit Niereninsuffizienz sind nicht in der Lage, Calcitriol aus Vitamin-D-Vorstufen in ausreichenden Mengen zu synthetisieren. Die daraus resultierende Hypokalzämie und der sekundäre Hyperparathyreoidismus sind die Hauptursachen der stoffwechselbedingten Knochenerkrankung bei Niereninsuffizienz. Aber auch anderen knochentoxischen Substanzen (z.B. Aluminium), die bei einer Urämie akkumulieren, kann dabei eine Rolle zukommen.
Der günstige Effekt von Calcitriol bei renaler Osteodystrophie scheint aus der Korrektur der Hypokalzämie und des sekundären Hyperparathyreoidismus zu resultieren. Es ist ungewiss, ob Calcitriol unabhängig davon noch andere vorteilhafte Wirkungen entfaltet.
Calcitriol (1,25-(OH)2-D3) ist einer der wichtigsten aktiven Metaboliten von Vitamin D3. Dieser Metabolit wird normalerweise in der Niere aus seinem Vorläufer, 25-Hydroxycholecalciferol (25-HCC), gebildet. Calcitriol fördert die intestinale Calciumresorption und reguliert die Knochenmineralisation. Die pharmakologische Wirkung einer Einzeldosis von Calcitriol hält über 3 bis 5 Tage an.
Bei Patienten mit schwerer Niereninsuffizienz, speziell unter chronischer Dialyse, nimmt die Bildung von endogenem Calcitriol immer mehr ab und kann auch völlig zum Stillstand kommen. Dieser Mangel spielt bei der Ausbildung einer renalen Osteodystrophie eine wesentliche Rolle. Die orale Verabreichung von Decostriol führt bei Patienten mit renaler Osteodystrophie zur Normalisierung der intestinalen Calciumresorption und trägt zur Normalisierung oder Verminderung der erhöhten Serumkonzentrationen der alkalischen Phosphatase und von Parathormon bei. Es lindert die Knochen- und Muskelschmerzen und korrigiert die histologischen Veränderungen bei Osteitis fibrosa sowie anderen Mineralisationsstörungen.
Bei Patienten mit postoperativem Hypoparathyreoidismus, idiopathischem Hypoparathyreoidismus und Pseudohypoparathyreoidismus werden die Hypokalzämie sowie deren klinische Anzeichen durch die Behandlung mit Decostriol gebessert.
Bei Patienten mit hypophosphatämischer Rachitis und erniedrigten Plasmaspiegeln von Calcitriol verringert die Behandlung mit Calcitriol die tubuläre Elimination von Phosphat und normalisiert im Zusammenhang mit einer gleichzeitigen Phosphatbehandlung die Knochenentwicklung.
5.2 Pharmakokinetische Eigenschaften
Resorption
Nach oraler Verabreichung einer Einzeldosis von 0,25 bis 1,0 µg Calcitriol werden die Spitzenkonzentrationen im Serum nach 2 bis 6 Stunden erreicht.
Verteilung
Calcitriol und andere Vitamin-D-Metaboliten sind bei ihrem Transport im Blut an spezifische Plasmaproteine gebunden.
Biotransformation
Calcitriol wird in den Nieren und der Leber durch ein spezifisches Cytochrom‑P450-Isoenzym (CYP24A1) hydroxyliert und oxidiert. Es sind verschiedene Metaboliten von Calcitriol mit unterschiedlichen Vitamin-D-Aktivitäten identifiziert worden.
Elimination
Die Eliminationshalbwertszeit von Calcitriol aus dem Serum beträgt 3 bis 6 Stunden. Die Dauer der pharmakologischen Wirkung einer Einzeldosis Calcitriol beträgt jedoch 3 bis 5 Tage. Calcitriol wird in die Galle ausgeschieden und unterliegt einem enterohepatischen Kreislauf.
Eigenschaften bei besonderen Patientengruppen:
Bei Patienten mit nephrotischem Syndrom oder unter Hämodialyse waren die Serumcalciumspiegel reduziert und die Zeit bis zum Erreichen der Spitzenkonzentrationen verlängert.
5.3 Präklinische Daten zur Sicherheit
Tierexperimentelle Studien weisen darauf hin, dass bei wiederholter und übermäßiger Gabe von Calcitriol Nebenwirkungen auftraten, die anscheinend in erster Linie auf die längere Hyperkalzämie mit deren Folgeerscheinungen sowie auf Teratogenese zurückzuführen waren, letztere vermutlich infolge eines gestörten Calciumhaushalts.
Calcitriol zeigte in vitro keine potentielle Mutagenität (negativer Ames-Test). Orales Calcitriol zeigte in vivo keine Genotoxizität (negativ im Maus-Mikrokerntest).
Es wurden keine tierexperimentellen Langzeitstudien zur Untersuchung des kanzerogenen Potentials von Calcitriol durchgeführt.
Außer den bereits an anderen Stellen der Zusammenfassung der Merkmale des Arzneimittels (Fachinformation) genannten Angaben liegen keine weiteren sicherheitsrelevanten Informationen vor.
6. PHARMAZEUTISCHE ANGABEN
6.1 Liste der sonstigen Bestandteile
Decostriol 0,25 Mikrogramm Weichkapseln Kapselinhalt:
Raffiniertes Erdnussöl
Ethanol 100 %
Butylhydroxytoluol
Butylhydroxyanisol
Kapselhülle:
Gelatine
Glycerol 85 %
Sorbitol-Lösung 70 % (nicht kristallisierend) Titandioxid (E 171)
Eisenoxid rot (E 172)
Decostriol 0,5 Mikrogramm Weichkapseln Kapselinhalt:
Raffiniertes Erdnussöl
Ethanol 100 %
Butylhydroxytoluol
Butylhydroxyanisol
Kapselhülle:
Gelatine
Glycerol 85 %
Sorbitol-Lösung 70 % (nicht kristallisierend) Eisenoxid rot (E 172)
6.2 Inkompatibilitäten
Nicht zutreffend.
6.3 Dauer der Haltbarkeit
3 Jahre
Dauer der Haltbarkeit nach Anbruch: 4 Monate
6.4 Besondere Vorsichtsmaßnahmen für die Aufbewahrung
Nicht über 25 °C lagern.
Die Flasche fest verschlossen halten und im Umkarton aufbewahren, um den Inhalt vor Licht zu schützen.
6.5 Art und Inhalt des Behältnisses
Braunglasflaschen mit Schraubverschluss aus HDPE.
Packung zu 20 Weichkapseln
Packung zu 30 Weichkapseln
Packung zu 50 Weichkapseln
Packung zu 90 Weichkapseln
Packung zu 100 Weichkapseln
Es werden möglicherweise nicht alle Packungsgrößen in den Verkehr gebracht.
6.6 Besondere Vorsichtsmaßnahmen für die Beseitigung
Nicht verwendetes Arzneimittel oder Abfallmaterial ist entsprechend den nationalen Anforderungen zu beseitigen.
7. INHABER DER ZULASSUNG
Dermapharm GmbH
Kleeblattgasse 4/13
1010 Wien
Email: office@dermapharm.at
8. ZULASSUNGSNUMMER
Z.Nr.:
9. DATUM DER ERTEILUNG DER ZULASSUNG/VERLÄNGERUNG DER ZULASSUNG
Datum der Erteilung der Zulassung:
10. STAND DER INFORMATION
September 2022
REZEPTPFLICHT/APOTHEKENPFLICHT
Rezept- und apothekenpflichtig.
